10 Argumente fürs Schwimmtraining

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Das Schwimmen ist unter Hobbytriathleten häufig eine vernachlässigte Disziplin. Wer nicht aus der Ecke kommt, macht um Schwimmbad und Freiwasser gerne einen großen Bogen. Das ist nicht unverständlich. Schließlich ist für das Schwimmtraining trotz vergleichsweise kurzer Trainingszeiten eine etwas aufwändigere Vorbereitung nötig als beim Laufen und Radfahren.

Nicht jeder hat ein Schwimmbad direkt vor der Haustür und man muss sich gut organisieren, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Nicht selten muss man sich mit hieroglyphenartigen Belegungsplänen, rückenschwimmenden Senioren auf der Bahn und lauten Schulkindern in der Umkleidekabine herumschlagen. Alles Aspekte, die das Schwimmtraining etwas komplizierter gestalten als ein nettes Läufchen in der Mittagspause, eine knackige Intervalleinheit auf dem Rollentrainer oder eine Sonntagsausfahrt mit dem Rad. Zudem kommt der Respekt vor der Sportart nicht von ungefähr. Immerhin ist Schwimmen die techniklastigste Disziplin im Triathlonkosmos. Und viele müssen sich das Kraulen erst mühevoll beibringen…

Auch wenn bisher nur Argumente gegen das Schwimmtraining aufgezählt wurden, soll dieser Artikel nicht weitere Ausreden liefern. Im Gegenteil: Der Beitrag soll die positiven Aspekte vom Schwimmtraining hervorheben und – nicht nur Triathleten – dazu motivieren, doch mal wieder den Sprung ins (kalte) Wasser zu wagen.

Hier also meine Argumente fürs Schwimmtraining!

1. Beim Schwimmen schwitzt man nicht (so viel)!

Lächerlich, denkst du?

Natürlich ist Schweiß bei einem gewissen Maß an körperlicher Anstrengung nicht zu vermeiden. Wer das nicht abkann, ist wohl kein richtiger Sportler. 😛 Dennoch kann es störend wirken, wenn die Transpiration überhand nimmt. Ich gehöre beispielsweise zu der Sorte Mensch, die schweißtriefend auf dem Rolle sitzt und leidet. Oder die im Sommer einfach nicht ihre Bestleistung bei Laufveranstaltungen abrufen kann, weil sie „heißläuft“. Tatsächlich hat eine erhöhte Körpertemperatur einen negativen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit, was sich an erhöhten Pulswerten bei Überhitzung zeigt.

Beim Schwimmen ist das weniger ein Problem, weil das Wasser bei der entsprechenden Temperatur in der Regel eher eine kühlende Wirkung besitzt. Insofern ist es eine deutlich angenehmere Sportart für alle, die unter der Aktivität ihrer Schweißporen leiden. Gerade lange Einheiten lassen sich so mühelos ertragen!  🙂

Das bedeutet allerdings nicht, dass wir beim Schwimmen überhaupt nicht transpirieren – so paradox das auch klingen mag. Denn eigentlich erfüllt das Schwitzen ja nur an der frischen Luft seine Funktion, indem das Wasser auf der Haut verdunstet und dieser dabei Wärme entzieht.

Bei Untersuchungen an männlichen Wasserballern und Leistungsschwimmern hat sich jedoch gezeigt, dass diese im Training pro Stunde zwischen 150 und 300 ml Wasser verloren. In Wettkämpfen lag dieser Wert deutlich höher. Natürlich hängt das auch von den individuellen Voraussetzungen ab. Auf jeden Fall sollte man also auch nach dem Schwimmtraining auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

2. Schwimmen hilft beim Abnehmen

Für diejenigen, die mit dem Schwitzen kein Problem haben, ist die relativ niedrige Wassertemperatur vielleicht eher ein Hinderungsgrund. Doch auch das hat seine Vorteile. Nicht nur, weil es abhärtet, sich ab und zu mal ins kühle Nass zu stürzen. (Mäßige Kältereize können wohlgemerkt durchaus einen positiven Effekt auf die Durchblutung haben somit das Immunsystem stärken.)

Die Bewegung im (kalten) Wasser regt zudem den Stoffwechsel an, weil der Körper zusätzliche Energie aufbringen muss, um nicht auszukühlen. Ergo verbrennt man nicht nur durch das pure Schwimmen Kalorien, sondern auch durch die Wärmeregulierung des Körpers.

Wer also ohnehin gern ein paar Pfunde verlieren möchte, sollte es unbedingt mit einem regelmäßigen Schwimmtraining probieren. Bei diesen werden – auch aufgrund des erhöhten Wasserwiederstandes – im Vergleich zu anderen Sportarten eine ganze Menge Kalorien abgebaut.

Übrigens ist Kraulen, was die Energiebilanz angeht, am effektivsten.

3. Schwimmtraining geht bei jedem Wetter

Triathleten sind nicht aus Zucker. Nein, sie sind hartgesottene Kämpfer, die sich nicht von niederen Gründen wie Regenschauern, Matsch oder Kälte abschrecken lassen. Trotzdem gibt es Tage, an denen vor allem Sicherheitsgründe gegen ein Training an der frischen Luft sprechen – sei es, weil die Straßen und Wege spiegelglatt sind oder weil extreme Temperaturen es einfach nicht zulassen.

Man mag es kaum glauben, aber für das Herzkreislaufsystem kann das Laufen bei 30°C im Schatten tatsächlich eine Zumutung darstellen. Und die Knie bedanken sich sicher nach einer Radtour in Eiseskälte. Auch die Unfall- und Verletzungsgefahr steigt bei Wind und Wetter, weshalb es ratsam ist, in solchen Situationen lieber auf Alternativen auszuweichen.

Natürlich besteht für die meisten im Winter auch die Möglichkeit, in einem Fitnessstudio auf dem Laufband oder zu Hause auf dem Rollentrainer zu trainieren. Aber warum nicht einmal die Gelegenheit nutzen und stattdessen das Schwimmbad aufzusuchen? Im Sommer bietet sich das Freibad ohnehin an. Das ist nicht nur sicherer, sondern bestimmt auch spaßiger als sich eine Erkältung, ein kaputtes Knie oder einen Hitzeschlag zu holen.

4. Schwimmen ist gut für die Gelenke

Fakt ist: Besonders Kraul- und Rückenschwimmen ist gesund, da der Wasserauftrieb das Körpergewicht bis auf ein Zehntel reduziert und somit die Gelenke geschont werden. Insofern ist es ein perfekter Ausgleichssport und eine Alternative für Menschen mit Übergewicht, Gelenkproblemen oder Verletzungen.

Denn auch, wenn es auf der Hand liegt, dass beim Laufen die Knie und Sehnen viel stärker beansprucht werden, kann selbst beim Schwimmen eine falsche Ausführung fatale Schäden hervorrufen.

Der Klassiker ist das Brustschwimmen mit aus dem Wasser gerecktem Kopf. Diese Variante führt eher zu Verspannungen und Schmerzen im Nacken. Zudem belastet eine unsymmetrische Körperhaltung die Wirbelsäule, was zwar nicht gleich einen Bandscheibenvorfall verursacht, aber zumindest am effizienten Schwimmen hindert.

Es macht also definitiv als Sinn, sich eine saubere Kraultechnik anzueignen, am besten unter Anleitung eines geschulten Trainers. (Zum Einstieg eignet sich übrigens auch unser Artikel zum Thema Schwimmen lernen.)

5. Schwimmen ist Ganzkörpersport

Anders als beim Laufen und Radfahren sind beim Schwimmen nicht nur die Beine gefordert. Auch die Arm-, Schulter- und Rumpfmuskulatur hat ordentlich etwas zu leisten. Und durch den Wasserwiderstand werden diese auch ordentlich beansprucht. Insofern ist Schwimmen ganzheitlicher als die anderen Sportarten, weil es mehrere große Muskelpartien gleichzeitig beansprucht.

Allerdings bekommt man Schwachstellen und Ungleichheiten dadurch umso deutlicher zu spüren. Wer keine Kraft in den Armen hat, kommt nicht so ohne weiteres voran. Und ohne eine gute Rumpfmuskulatur beispielsweise oder mit einer „schiefen Hüfte“ lässt sich keine gute Wasserlage herstellen. Effizientes Schwimmen ist unter diesen Umständen nur schwer möglich. (Um das auszugleichen, empfiehlt sich ein ergänzendes Stabi- oder besser Krafttraining.)

Ein gutes Schwimmtraining stärkt hingegen die sonst eher vernachlässigte beziehungsweise überanspruchte Rücken- und Nackenmuskulatur. Positiver Nebeneffekt hierbei: Weniger Schmerzen im Alltag.

6. Beim Schwimmen trainierst du Kraft und Ausdauer zugleich

Nicht nur, was die angesprochenen Muskelgruppen angeht, ist Schwimmen ganzheitlich. Auch dadurch, dass sowohl Ausdauer als auch Kraft im Wasser trainiert werden, kann man die Sportart als holistisch bezeichnen. Denn durch den erhöhten Widerstand im Wasser musst du viel mehr Kraft für Bewegungen aufwenden als am Land. Da die Bewegungen sehr langsam ausgeführt werden, besteht außerdem kein oder zumindest nur ein sehr geringes Zerrungsrisiko für die Sehnen.

Auch bestimmte „Schwimmhilfen“  wie etwa Paddles, die die Handfläche zusätzlich vergrößern und somit den Wasserwiederstand erhöhen, können – in Maßen eingesetzt – zur Stärkung der Muskulatur beitragen. Allerdings sollte man nicht der irrigen Meinung aufsitzen, dass das Üben mit Paddles schon als Krafttraining ausreicht.

Um wirklich sauber und schnell zu schwimmen, benötigt man auf jeden Fall ergänzende Workouts mit Gewichten! Hierbei kommt es jedoch nicht auf Masse oder Optik an. Wenn die Muskeln funktionieren sollen, müssen sie nicht nach Bodybuilder aussehen. (Das zusätzliche Gewicht wäre bei den anderen Disziplinen sowieso eher lästig.) Aber sie müssen ordentlich gefordert werden – am besten mit Maximalkraftübungen.

7. Schwimmen stärkt das Herz-Kreislauf-System

Die horizontale Körperlage sowie der Wasserdruck wirken sich positiv auf Herzschlag und Durchblutung aus. Denn unsere Pumpe arbeitet im Wasser ökonomischer. So wird mit einem Schlag mehr Blut zurückgepumpt als an der frischen Luft. Ergo liegt die Pulsfrequenz beim Schwimmen niedriger als beim Laufen, was den Motor natürlich schont und dennoch gute konditionelle Grundlagen schafft.

8. Schwimmtraining steigert die körperliche Leistungsfähigkeit

Wie bisher schon deutlich geworden sein sollte, ist Schwimmen sehr komplex.

Nicht nur, dass man seine Bewegungen koordinieren muss; es gilt auch, die Atmung noch irgendwo unterzubringen. (Für Anfänger ist das gar nicht so einfach und sollte erst einmal isoliert geübt werden, ohne dabei groß auf Beine oder Arme achten zu müssen.)

Dadurch, dass du deinen Atemrhythmus an die Gegebenheiten im Wasser anpassen musst, trainierst du deine Lungen. Denn unter Wasser muss gegen den Wasserdruck tief aus- und über Wasser relativ zügig eingeatmet werden, um die Muskeln mit genügen Sauerstoff zu versorgen.

Bei einem (zwangsläugfig) regelmäßigen Atemrhythmus vergrößert sich wiederum das Lungenvolumen. Die Leistungsfähigkeit steigt auf Dauer. Davon profitierst du übrigens nicht nur beim Schwimmen, sondern auch bei den anderen Triathlondisziplinen!

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9. Schwimmtraining erhöht die mentale und psychische Gesundheit

Damit ist nicht gemeint, dass meditatives Kachelzählen automatisch psychische Probleme löst. Aber tatsächlich hilft das Schwimmtraining, abzuschalten und Stress zu reduzieren (sofern die Bahn frei ist).

Das liegt unter anderem an den Eigenschaften des Wassers. Der Auftrieb wirkt auch im übertragenen Sinne für ein erhebendes Gefühl. Und wer im Wasser mit Ängsten zu kämpfen hat (sei es, weil er nicht „umgeschwommen“ werden will, oder weil er einfach ungern Wasser schluckt, kann auch diese Probleme mit der Zeit immer ruhiger angehen, sodass er im Wettkampf keine Panik bekommt.

10. Schwimmtraining kann über dein Triathlon-Ergebnis entscheiden

Zu guter Letzt noch ein Wink mit dem Zaunpfahl an alle Kollegen: Die erste Disziplin im Triathlon ist nicht zu vernachlässigen. Sie kann durchaus ausschlaggebend dafür sein, ob man einen Wettkampf gewinnt oder nicht.

Als guter Schwimmer kann man am Anfang schon richtig viel herausholen und Zeit gewinnen.

Vielleicht interessiert dich das nicht, weil du sowieso nicht um die vorderen Plätze kämpfst. Aber selbst wenn nicht, kann der Start dein Rennen enorm beeinflussen. Während du zum Beispiel noch mit den Technikgrundlagen kämpfst oder bei einer Mitteldistanz  wieder ins Brustschwimmen verfällst, ist die Konkurrenz am Ende womöglich über alle Berge. Und das fühlt sich beim Ausstieg aus dem Wasser nicht so erbaulich an…

Damit du beim Triathlon nicht aus allen Wolken fällst, wäre Schwimmtraining sicher keine schlechte Lösung!

Fazit

Wie du siehst, gibt es zahlreiche gute Argumente fürs Schwimmtraining, nicht nur für Triathleten. Wer seinem Körper allerdings etwas Gutes tun oder als Schwimmer erfolgreich sein will, muss die richtige Technik erlernen und wird auch um zusätzliches Kraft-Training nicht herumkommen.

Wenn das jedoch klappt, macht es nicht nur richtig Spaß, sondern bringt auch enorm viel für den Alltag beziehungsweise die anderen Sportarten.

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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...

  • Ich schwimme so gerne… aber durch die vollen Bahnen, die oftmals durch vermeintlich schnell schwimmende ältere Damen, die keine nassen Haare mögen, besetzt sind, vergeht mir oft die Lust am regelmäßigen Training. Deshalb beschränke ich mich auf das Vereinsschwimmen, da ist Platz auf der Bahn. Und im Sommer geht’s zu den Sailfish Swimnights ins Freiwasser.
    Warst Du dort auch schon mal?
    Viele Grüße,
    Claudi

    • Lotta

      Hey Claudi,

      ja, das Problem kennen wir wohl alle. 🙁 Entweder es ist ein Hauen und Stechen auf den Schwimmerbahnen oder man muss Slalom schwimmen. Ich habe zum Glück inzwischen ganz gute Zeiten rausgefunden, in denen nicht allzu viele Leute unterwegs sind.
      Die Sailfish Swimnights kannte ich bisher noch nicht. Klingt aber nach einer coolen Sache! Leider gibt es hier in der Nähe keine entsprechenden Angebote. Aber längerfristig sollte man das echt mal ins Auge fassen! 😉 Danke für den Tipp!

      Beste Grüße,

      Lotta

  • Feli

    Lotta, ich liebe den Beitrag! Ich verlinke euch bei meinem nächsten Monatsrückblick! Alles Liebe, Feli von http://www.felinipralini.de

    • Lotta

      Liebe Feli,
      das wär echt toll! 🙂 Und es freut mich natürlich mega, so etwas aus dem Munde einer jahrelang erprobten Schwimmerin zu hören!!! 😉
      Liebe Grüße,
      Lotta

  • Katha

    Tausend Dank für den tollen Artikel!
    Die Motivation fürs Schwimmtraining hatte ich echt bitter nötig. Ich starte dieses Jahr in meiner 2. Sprintdistanz und das Schwimmtraining macht gar kein Spaß (ziemlich sicher weil ich die Technik nicht richtig beherrsche und zu wenig Kraft habe). Und weil die Distanz so kurz ist mogle ich mich ganz gerne um das Training herum 😉
    Aber ich gelobe Besserung!
    Über was ich mich sehr freuen würde wären Tipps zum zusätzlichen Krafttraining fürs Schwimmtraining für daheim.
    Liebe Grüße
    Katha

    • Lotta

      Liebe Katha,
      es freut mich sehr zu hören, dass dich der Beitrag motiviert. Dazu war es ja auch gedacht! 😉 Ich kenne das Problem leider allzu gut und habe mir deshalb Gedanken gemacht, was man dagegen tun könnte! Ich wünsch dir viel Erfolg bei deinen Plänen für dieses Jahr und dass du den Spaß am Schwimmen entdeckst!
      Und was deine Bitte/deinen Vorschlag angeht, überlegen wir uns auf jeden Fall was. Vielleicht als Workout auf unserm Youtube-Kanal…
      Liebe Grüße zurück,
      Lotta