Artikelreihe „Das richtige Maß“ I – Routine vs. Nervenkitzel

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Das mit dem richtigen Maß ist in der deutschen Sprache so eine Sache! Es heißt immer, man solle alles „mit Maß“ tun; nichts „über die Maßen“. Demzufolge ist das Mittelmaß etwas Erstrebenswertes. Aber wer will schon gerne mittelmäßig sein? Ist es nicht viel interessanter, krasse und außergewöhnliche Sachen zu erleben!? Gerade wir Sportler und Fitnessfreaks streben doch nach den Superlativen: schneller, höher, weiter! Alles Maßvolle hat dagegen einen faden, altmodischen Beigeschmack…

Der folgende Beitrag gehört zu der Reihe über das „richtige Maß“. Die nächsten beiden Artikel über das Gleichgewicht zwischen Sportsucht und Powercouching beziehungsweise Orthorexie und  Junk-Food kannst du in den hinterlegten Links nachlesen!

Ich bin ein schlechtes Vorbild!

Maß halten ist mir persönlich schon immer schwer gefallen. Ich handle meistens nach dem Prinzip „Ganz oder gar nicht“. Das kann eine positive Eigenschaft sein, wenn es darum geht, eine Aufgabe gewissenhaft und gut zu erfüllen. Wenn ich für etwas brenne, muss ich es durchziehen, meist über das Maß hinaus. Wenn ich Dinge ohnehin nur halbherzig erledigen würde, ist es meistens besser, sie ganz sein zu lassen, weil es sonst zu nichts führt. Alles andere fühlt sich für mich nach Heuchelei oder Selbstkasteiung an.

Wenn die beschriebene Einstellung allerdings bedeutet, dass ich Dinge übertreibe, weil ich eben das eine oder andere Extrem verfolge, kann das durchaus zu Problemen führen. Was Essen angeht, beispielsweise, konnte ich mich früher oftmals nicht beherrschen. Auch heute, geht es mir bei bestimmten Lebensmitteln oder in bestimmten Situationen noch so. Sobald ich zum Beispiel eine Dose Erdnüsse aufmache, muss ich sie bis zum Ende futtern – koste es, was es wolle (bzw. ungeachtet der 1000 Kalorien, die ich sonst eigentlich zu vermeiden versuche). Früher habe ich auf solche Fressattacken häufig mit Essensverboten reagiert oder mir am kommenden Tag eine Runde Laufen verordnet (ich habe Joggen gehasst und war schon nach ner Viertelstunde völlig fertig!). Beides: Die Eskalation und die Abstinenz haben mir nicht gut getan und mich aus dem (weniger körperlichen als psychischen) Gleichgewicht gebracht. Viele, die selbst eine Essstörung – ob Binge-Eating-Disorder, Magersucht, Bulimie oder sonstiges – durchgemacht haben, wissen sicher, wovon ich rede.

Der Sinn dieses Artikels

Ich möchte in diesem Artikel allerdings nicht meine persönlichen Probleme aufarbeiten, sondern erklären, warum es wichtig ist, das richtige Maß zu finden, und dir vor allem Tipps geben, wie du damit in Zukunft umgehen kannst.

Da das Thema – wie ich bei der Recherche gemerkt habe – beinahe unerschöpflich ist, habe ich daraus eine kleine Reihe gebastelt. Der erste Teil ist allgemein dem Gleichgewicht zwischen Langeweile und Überforderung gewidmet.

Bsp. No. 1: Routine vs. Nervenkitzel

In diesem Fall fällt es schwer zu sagen, was besser ist: Wenn es sich für dich zwar viel cooler anfühlt, ständig auf Achse zu sein, neue Trainingsmethoden und Equipment auszuprobieren und dabei am besten noch neue Leute und Orte kennenzulernen, dafür aber nebenher deinen Alltags-Kram nicht auf die Reihe bekommst und am Ende nicht mehr weißt, wo vorn und hinten ist, hilft dir das herzlich wenig. Wenn du stattdessen eher der gewissenhafte Typ bist, bei dem alles von vorne bis hinten durchgeplant und am besten auf Listen notiert wird, fehlen dir möglicherweise auf die Dauer Motivation und Anregung von außen. Hier gilt: Du sollst das eine tun und das andere nicht lassen, weil das eine das andere bedingt. Wie das?

Routinen oder auch Gewohnheiten sind wie Leitplanken in unserm Leben. Sie geben die Richtung vor und stellen sicher, dass erst einmal alles in gewohnten Bahnen verläuft, sprich, dass du morgens aufstehst und deinen Kram erledigst. Ob du mit dem Auto, der Straßenbahn oder dem Rad zur Arbeit fährst, hängt meistens davon ab, wie du es gewöhnlich handhabst (es sei denn, es gibt gerade ein mega Unwetter, die Bahn fällt aus oder dein Rad ist kaputt.) Erst in Fällen, wo die Routinen durchbrochen werden, merken wir, wie anstrengend es sein kann, jede Kleinigkeit im Alltag durchdenken zu müssen. (Genaueres kannst du übrigens hier nachlesen.)

Healthy Habits

Es ist also wichtig und sinnvoll, sich gute Gewohnheiten anzueignen. Sei es, regelmäßiges Essen oder auch gleichbleibende Trainingszeiten, an denen es nichts zu rütteln gibt. Denn wenn du jeden Tag neu überlegen und aushandeln musst, was du wann tust, hast du wahrscheinlich nicht mehr ganz so viele Kapazitäten für das eigentliche Training. Aber gerade darauf kommt es ja an! Wenn du im Training schon fertig bist, weil dich das Ganze Drumherum zu sehr schlaucht, wirst du es wahrscheinlich nur lustlos abspulen und wenig Neues ausprobieren. Doch ohne Abwechslung wird der Sport auf die Dauer langweilig, deine Motivation sinkt und du lässt es vielleicht am Ende schleifen (, was wiederum die positive Trainings-Routine durchbrechen würde.) Ein Teufelskreis also, dem du am besten vorbeugen kannst, indem du beide Aspekte gleichermaßen beachtest. Nämlich, indem du deinen Alltag so organisierst, dass du auf jeden Fall ins Training kommst und dein Training so gestaltest, dass es deinen gut (strukturierten) Alltag aufpeppt.

Jetzt wirds praktisch! – Tipps zum Maß halten

Du denkst jetzt vielleicht: Ist ja alles schon und gut, aber „Gib mal Butter bei die Fische!“ Okay, kannst du haben!  Hier sind ein paar praktische Tipps, die dich beim täglichen Überlebenskampf unterstützen können. Nur eins vorab: Keiner der beschriebenen Typen ist schlecht oder zu verachten. Was bei dir stärker ausgeprägt ist, kommt auf deine Persönlichkeit an und darauf, ob du eher menschen- oder sachorientiert bist. Da ich jetzt aber keine wissenschaftliche Persönlichkeitsanalyse mit dir machen kann/will, reicht die Tendenz. Vertrau einfach mal auf deine Selbsteinschätzung!

Wenn du eher der der „chaotische“ Typ bist:

  • Versuche, deinen Alltag zu strukturieren bzw. das richtige Maß zu finden – durch Mahlzeiten, Aufsteh- und Zu-Bett-Geh-Zeiten! Wer das dem Zufall überlässt, kommt meistens leider nicht weit. Ich will dir jetzt nicht mit Sprichworten wie „der frühe Vogel fängt den Wurm“ kommen. Aber es ist doch oft so, dass man nach einer Nacht im Club eher schlecht aus dem Bett kommt und im Laufe des Tages eher Stress bekommt, weil es noch so viel zu erledigen gibt. (Wenn das bei dir nicht so ist, studierst du wohl das Falsche…) 😛 Außerdem geht der gesamte Tages- und Essensrhythmus flöten, was bei Fitnessfreaks nicht zu unterschätzen ist. Natürlich darf es auch Ausnahmen geben. Aber wenn die Ausnahme zur Regel wird, ist es irgendwann schwer, Feierei und Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen.
  • Baue Rituale in deinen Alltag ein! Nicht alle auf einmal, aber nach und nach. So etwas wie „einmal über die Blackroll vorm ins Bettgehen“ ist beispielsweise schon ein guter Anfang. Oder jeden Abend ein Trainingstagebuch zu führen. Wenn du es ein paar Tage durchgehalten hast, fällt es dir sicher nicht mehr so schwer, es durchzuziehen, weil es schon Teil deines Alltags geworden ist! Und am Ende hast du sogar den Vorteil, deine Fortschritte verfolgen zu können.
  • Bereite dich gut auf den kommenden Tag vor. Denke am Abend darüber nach, was am nächsten Tag auf dich zukommt und lege die Dinge zurecht, die du dafür brauchst! Zum Beispiel deine Laufschuhe oder deine Tasche fürs Fitnessstudio. Dann ist der Gang zum Training schon viel leichter!
  • Führe regelmäßig einen Kalender! Das erspart dir viel Ärger und Nerven! Es ist ein ätzendes Gefühl, erst kurz vor knapp zu merken, dass der Plan, den man sich im Kopf so schön zurechtgelegt hat, nicht aufgeht, weil man einen Termin übersehen hat (ich spreche aus Erfahrung!) Wenn du vorhast, nach der Arbeit mit einem Kumpel eine Runde laufen zu gehen, notiere dir das, damit, wenn jemand dich fragt, ob du mit ihm Kaffee trinken willst, du genau weißt „Nein, ich hab da ein Date mit meinem Trainingspartner!“
  • Störfaktoren ausschalten! Es soll ja Menschen geben, die multitaskingfähig sind. Ich gehöre sicherlich nicht zu dieser Spezies und wage zu behaupten, dass es der Konzentration generell eher abträglich ist, mehrere Dinge parallel erledigen zu wollen. Mir geht es zum Beispiel so, wenn ich einen Blogpost verfassen will und nebenher das Radio dudelt. Um arbeiten zu können, brauch ich meine Ruhe. Genauso ist es auch mit dem Training. Wenn es was bringen soll, musst du dich da voll und ganz reingeben. Wenn du bei deinem Workout im Gym zum Beispiel zu lange Pausen machst, weil du zwischendurch kurz was bei Instagram posten willst, sind die Effekte am Ende wahrscheinlich eher gering. Also konzentriere dich auf das, was deine Priorität ist und zieh es durch!

Wenn du sowieso schon 1000 Listen schreibst..

  • Variiere dein Training! Immer dasselbe Workout am Beintag oder das Laufband im Studio sind nicht nur keine Herausforderung für deinen Körper, sondern auch ein Faktor, der deinen Geist anöden kann. Es ist also ratsam, sich ein Repertoire an Übungen oder Trainingsstrecken zurechtzulegen, die man nach Lust und Laune vairieren kann. Frischen Wind bringt es auch, wenn du dein Training nach draußen verlegst, oder Kraft und Ausdauer kombinierst, zum Beispiel auf einem Trimm-Dich-Pfad im Wald. Für Training draußen braucht man zwar ein bisschen mehr Ausrüstung, wie zum Beispiel wetterfeste Kleidung oder eine Lauflampe im Winter. Aber wenn es dir Spaß macht, wirst du das bestimmt öfter nutzen können und so das richtige Maß finden.
  • Steck dir neue Ziele: Melde dich zu einem Wettkampf an! Ein sportlicher Wettkampf hat den Vorteil, dass er beflügelt, im Vor- so wie im Nachhinein! Du bist vielleicht aufgeregt und überlegst dir, wie du dich gut darauf vorbereiten kannst. Du lernst neue nette Leute kennen und machst hoffentlich eine wunderbare Erfahrung, die dich beflügelt und zu mehr anstachelt. Eine Liste mit Triathlon– und Marathonveranstaltungen gibt es übrigens auch auf unserm Blog!
  • Pobier neue Sportarten aus! Wenn du eigentlich ein passionierter Rennradfahrer bist und im Winter normalerweise auf die Rolle steigst, ist es dir vielleicht auch schon einmal untergekommen, dass du keine Lust auf eineinhalb Stunden Trampeln bei Trittfrequenz XY hattest. Wie wär es also mit einer kleinen Tour auf dem Mountainbike, mit einem Nachmittag in der Boulderhalle oder einem Tanzworkshop? Das sind zwar vollkommen andere Anforderungen, aber du kommst mal raus, lernst neue Facetten (möglicherweise auch einige Schwachstellen) deines Körpers kennen und kriegst bestenfalls auch noch etwas anders zu sehen als nur deinen heimische Keller. Man kann sich auf verschiedene Arten fit halten und es ist absolut keine Schande, für ein kleines Abenteuer mal den Rollentrainer stehen zu lassen! 😉
  • Such dir einen Trainingspartner! Andere Sichtweisen und Ideen können eine Bereicherung sein. Deinen Kopf kennst du ja schon! 😉 Es ist nicht so, dass ich dir jetzt erklären will, dass andere Menschen oder soziale Kontakte im Allgemeinen eine Herausforderung darstellen oder dass deine Ansichten langweilig wären, aber ein Trainingspartner hat einfach mehrere Vorteile: Zum Einen sorgt er dafür, dass du auf jeden Fall zum Training gehst; denn du bist ja verabredet. Zum anderen kann er/sie vielleicht einige Tricks beibringen, die du noch nicht kanntest. Ganz abgesehen davon ist es natürlich immer schöner, nicht allein durch den Wald zu traben, auch, wenn sich auf die Dauer auch eine gewisse Gewöhnung einstellen sollte.
  • Hol dir Inspiration – auf Blogs, bei Youtube, in Zeitschriften oder in persönlichen Gesprächen! Zugegeben: Es gibt im Netz eine Menge Bullshit, aber es gibt auch Videos und Berichte, die eine Bereicherung darstellen und dir helfen das richtige Maß zu finden. Sei es der Youtube-Kanal eines bekannten Bodybuilders oder die regelmäßigen Updates eines Ultramarathoni. Schau dich doch mal um und wenn du Tipps brauchst, meld dich einfach!

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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...