Blogparade: Was ist deine Motivation?

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Tja, gute Frage, die nach der Motivation! Zwar steht sie selten im Vordergrund. Meistens mach ich eben einfach, während die Sinnfrage so vor sich hindümpelt und sich daneben benimmt… Aber sie ist immer da und taucht dann unverhofft aus der Versenkung wieder auf. So wie jetzt, während ich das schreibe und krampfhaft herauszufinden versuche, was ich mache, warum ich da tue und ob das für irgendjemanden auch nur irgendeinen Mehrwert besitzt!?

Dieser Post ist Teil einer Blogparade. Martin Feigenwinter, ein Schweizer Olympionike im Eisschnelllauf und inzwischen Athletenbetreuer und Coach, hat dazu aufgerufen. Weitere Blogger-Beiträge zu dem Thema kannst du übrigens demnächst bei ihm auf der Seite nachlesen.

Und noch etwas: Wenn dieser Text sich ein bisschen wie aneinandergereihte lose Gedanken liest, dann liegt das daran, dass ich über das Thema doch ein bisschen ins Grübeln gekommen und selbst noch auf der Suche nach der Antwort bin… Also schreib ich mal los! 😉

Prokrastination

Ich weiß nicht, ob du das Video über Prokrastination kennst, aber es ist für mich der Inbegriff fehlender Motivation. Hä? Prokrastination? Ach so, ja: das ist der Versuch, sich selbst von einer Aufgabe abzulenken, die zu erledigen ist. Mir ist das immer passiert, wenn ich Hausarbeiten für die Uni schreiben musste. Aber auch beim Sport gibt es ja genug Möglichkeiten, sich abzulenken, Zeit zu schinden, bis es sich nicht mehr lohnt, sich zum Training aufzuraffen – oder Vorwände, warum das gerade jetzt nicht passt.

Procrastination – (Üşenme – Erteleme Hastalığı)

is making a cup of tea. I DO NOT own this video but I have no idea where I have just downloaded it. I’ll write down the author if I can find who created this fantastic video.

Es gibt so ein Sprichwort: „Wenn dir etwas wichtig ist, wirst du einen Weg finden; wenn nicht, findest du eine Ausrede.“ Also: Aufwand oder Vorwand? Wollen oder Sollen? Was ist mir wichtig und was ist mein Weg dahin? Was sind meine Motive und wie motivier ich mich?

Manche Dinge tun wir, ohne sie wirklich zu wollen, halbherzig, indem wir einfach so hineinstolpern. Man kann sich (und anderen) eine Menge vorgaukeln. Manche Dinge sind auch einfach nur bequem; die geschehen von alleine. Und manche Ziele reden wir uns ein, bis wir sie selbst glauben. Dass wir mit der Arbeit zufrieden sind, zum Beispiel, weil es zu viel Kraft kosten würde, sich um etwas neues zu bemühen. Bei mir ist es oft so, dass wenn ich etwas partout nicht will, mir mein Unterbewusstsein manchmal einen Strich durch die Rechnung macht und mein Körper oder Hirn setzen im entscheidenden Moment aus. Wo liegt also die Grenze? Ab wann muss man kämpfen? Wo entscheidet sich, was wirklich mir entspricht und was nicht?

Von allen möglichen Arten der Motivation

Mittel zum Zweck oder heiligt de Zweck die Mittel?

In der Schule habe ich im Zusammenhang mit Lernpsychologie mal etwas über Motivation gehört. Nämlich, dass es zum Lernen sinnvoll ist, intrinsische Motivation herzustellen, anstatt nur die extrinsische zu nutzen. (Dieses Argument, dass stures langweiliges Lernen sowieso nichts bringt, konnten die meisten dann gut als Ausrede für sich nutzen.;) Was zum Teufel sollen diese Fremdwörter schon wieder bedeuten?

Ganz einfach: die extrinsische Motivation entsteht durch äußere Zwänge, meinetwegen einen Trainer, der dich triezt; Trainingspartner und Freunde, die dich zum Sport überreden oder ein bevorstehender Wettkampf, der dich zwingt, etwas zu tun. Extrinsische Motivation regt dich dazu an, dir entweder durch eigene Leistung Vorteile zu verschaffen – meist in Form einer Belohnung – oder aber Nachteile, das heißt Strafen, möglichst zu vermeiden. Intrinsische Motivation kommt dagegen von innen, aus dir selbst heraus. Du hast Spaß an einer Sache, deshalb verfolgst du sie, quasi als Selbstzweck. Das klingt jetzt wie eine Unterscheidung positiver und negativer Motive. Ist es aber nicht zwangsläufig. Denn das Mittel entscheidet nicht über das Ergebnis. Manche Menschen können aus Angst vor negativen Konsequenzen eine ganze Menge erreichen. Eine Fußballmannschaft, die vom drohenden Abstieg in die 2. Liga dazu motiviert wird, nochmal alles rauszuholen, kann Großes leisten. Im Gegensatz dazu landet jemand, der abnehmen will und den Bogen dabei überspannt, womöglich in der Essstörung. Die Motivation war in dem Fall intrinsisch, riesengroß. Aber sie hat mehr kaputt gemacht als genützt.

Bevor ich jetzt aber eien psychologische Abhandlung über die Gründe und Abgründe der Motivation verfasse, kehre ich nochmal zur Anfangsfrage zurück. Die war nämlich persönlich fomuliert und nicht allgemein: Warum mache ICH das überhaupt?

Zunächst einmal: WAS mache ich denn so?

Wovon war nochmal die Rede? Na klar. Bevor man sich fragt, warum man etwas tut, sollte man wissen, was man da tut. 😉 Bei mir steht vornehmlich das Triathlontraining – also Laufen, Schwimmen, Radfahren – auf der Tagesordnung. Dazu gibts wöchentlich ein paar Krafteinheiten im Fitti, mit Eigengewicht oder als hochintensives funktionales Training. Durchschnittlich etwa ein bis anderthalb Stunden Sport pro Tag. Das klingt jetzt nicht nach übermäßig viel. Ist aber bei meinem Stundenplan doch schon eine ganze Menge.

Denn zusätzlich blogge ich ja über Wissenswertes und Relevantes auf diesem Blog. 😉 Und ganz nebenbei muss ich mir natürlich irgendwo meine Brötchen verdienen und mein Sozialleben pflegen. Sooo schrecklich viel Zeit bleibt also meistens nicht und das kann manchmal schon zum Problem werden. Es ist nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit, sondern zum Teil eine Kraftanstrengung, sich aufzuraffen – früh am Morgen, wenn es noch dunkel ist und das Bett gerade so schön warm; wenn ein anstrengender Arbeitstag bevorsteht oder gerade am Wochenende, wenn ich eigentlich gerne einmal ausspannen würde, anstatt die sportliche Routine zu verfolgen.

Was HINDERT mich?

Ich will nicht jammern. Es gibt Menschen, die mit größeren Hindernissen zu kämpfen haben: Muttis, die ihre Fitness irgendwo zwischen Küche, Kindergarten und Krabbelgruppe aufrecht zu erhalten versuchen. Menschen mit schweren Krankheiten, die trotzdem extreme Sportarten ausüben und daraus Kraft schöpfen. Im Gegensatz dazu sind meine Hürden wirklich pillepalle. Meine Erfolgserlebnisse aber auch. Ich kann leider nicht von mir behaupten, eine Toptriathletin zu sein. (Bisher habe ich noch nicht mal irgendeinen nennenswerten Wettkampf hinter mich gebracht.) Und ich bin auch nicht unbedingt optimistisch, dass das mal noch etwas wird. Dafür habe ich wahrscheinlich zu spät angefangen… Wozu also der ganze Aufwand, wenn es doch keine Lorbeeren zu verdienen gibt?

Bevor du aufhörst, erinnere dich daran, warum du angefangen hast!

Es gab Zeiten in meinem Leben, da habe ich wenig bis gar keinen Sport getrieben. Gut, ich habe mich immer viel bewegt und mein Weg mit dem Fahrrad bergauf nach Hause war auch nicht ganz ohne. Aber so richtig ins Schwitzen zu kommen, war mir unangenehm. Und Joggen sowieso zu anstrengend. Damals war ich immer unzufrieden mit meinem Aussehen, obwohl ich normalgewichtig war. Und total verkrampft aus Angst, ich könnte zunehmen. Heute wiege ich wahrscheinlich mehr als damals (alles Muskeln 😉 ), mache mir aber weniger Gedanken über mein Essen und meinen Bauch. (Wer die ganze Geschichte erfahren will, kann sie übrigens auf „Sport und ich“ nachlesen.)

Irgendwann wurde mir klar: wenn ich nicht bald etwas ändere, werde ich bestimmt nicht glücklich. Auf den Rat einer Freundin hin habe ich also mit kleinen HIT-Workouts aus dem Internet angefangen, mich dann nach und nach zum Laufen aufgerafft und durch Schorsch schließlich auch die anderen Sportarten kennengelernt. Ein Brocken extrinsischer Motivation. Es hat mir meistens überhaupt keinen Spaß gemacht, vor allem das Laufen. Nur hinterher war ich froh, dass ich etwas für meinen Körper getan hatte. Große Ambitionen hegte ich eigentlich nicht – außer der, fitter zu werden.

Sport hilft

Ich denke manchmal, es sei nicht das beste Motiv, nur Sport zu treiben, um abzunehmen. Wie gesagt, das kann ja auch nach hinten losgehen. Aber offenbar wirkt es als Köder – und nicht nur bei mir! Natürlich habe ich im Laufe der Zeit noch mehr positive Effekte des Trainings zu spüren bekommen. Ich bin selbstbewusster geworden, traue mir mehr zu und hab die (kindliche?) Freude am Kräftemessen wiederentdeckt. (Armer Schorsch!) Manchmal brauche ich den Sport auch mental, um Aggressionen abzubauen. Alles quasi in positive Energie umzuwandeln.
Ich merke einfach, dass Sport mir Kraft gibt, unabhängig von Fitness und Trainingserfolgen, die natürlich auch einen gewissen Stolz hervorrufen. Durch den Sport beweise ich mir immer wieder von neuem, dass ich etwas erreichen kann. Dass ich nicht willkürlich irgendeinem Schicksal ausgeliefert bin und dass es sich lohnt, an mir zu arbeiten.

Klingt jetzt fast ein bisschen nach Psycho-Philosophie. Oder nach Ersatzreligion. Ich bin mir natürlich dessen bewusst, dass meinem Ehrgeiz Grenzen gesetzt sind und ich nicht als Champion geboren bin. Aber ich versuche es immerhin. Es gibt Menschen mit Multipler Sklerose oder Krebs, die überqueren mit dem Rennrad die Alpen. Warum sollte ich also stillsitzen, nur weil ich mir nicht zutraue, wie Frodeno oder Ryf Weltmeister auf Hawaii zu werden? Früher habe ich Dinge gleich gelassen, wenn jemand besser darin war, weil ich glaubte, ihn ohnehin nicht schlagen zu können. Dadurch, dass ich perfekt sein wollte, habe ich mir manche Chance verbaut. Beim Sport ist das (hoffentlich) anders. Es nützt sowieso niemandem außer mir (und früher oder später vielleicht meiner Krankenkasse), dass ich mich mal ausgepowert und fit gehalten habe. Also, wenns niemanden interessiert, kann ich den Sport doch auch einfach nur für mich betreiben. Weil es mir gut tut und Spaß macht. Und ich mich dadurch besser fühle!?

Horrorvisionen

Wenn ich mal einen Tag zu Hause verbringe, ganz ohne Sport, merke ich schon nach dem Mittagessen das Kribbeln im Hintern. Mehrere Tage hintereinander ohne Sport verursachen bei mir das unangenehme Gefühl einzurosten. So viel Anstrengung Sport im Alltag auch kosten und so viel Verzicht er manchmal abverlangen kann: Wenn ich nicht trainieren gehe, fehlt mir eindeutig was! Ich glaube, bei mir dreht sich der Spieß um. Es muss nicht heißen: „Warum mach ich das überhaupt?“, sondern: „Was würde ich ohne das tun?“. In diesem Sinne!

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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...