Crossfit – Warum wir die Philosophie nicht mehr teilen!

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr +

Viele, die uns schon etwas länger folgen, wissen, dass wir große Crossfit-Fans sind. Crossfit, diese neumodische Art des Krafttrainings, ist eines der Phänomene im Bereich des funktionellen Trainings. Für alle, die diese Sportart nicht kennen, haben wir einen ausführlichen Artikel, in dem auch schnell deutlich wird, dass wir bisher sehr begeistert waren. Und wir sind noch immer überzeugt davon, dass Crossfit eine großartige Form des Trainings ist. Denn man trainiert auf eine ideale Weise Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit. Außerdem hat dieser Sport den Anspruch, für einen fitten und gesunden Lifestyle einzutreten. Nicht wenige Crossfitter achten besonders auf ihre Ernährung. Die Paleo-Bewegung zum Beispiel ist zu einem beträchtlichen Teil im Crossfit verwurzelt. Der Sport verbindet also gesunde Bewegung (im Crossfit wird viel Wert auf saubere Ausführung gelegt) gutes Aufwärmen und maximale Beweglichkeit mit gesunder Ernährung. Ideal, um das Beste aus sich herauszuholen.

Sport als Lifestyle?

Beim Crossfit geht es, wie man nun unschwer erkennen kann, auch stark um Selbstoptimierung. Wie kann ich noch effizienter trainieren, wie meine Trainingsergebnisse durch die richtige Ernährung und einen gesunden Lebenswandel verbessern? Natürlich kann man diesen Drang zur Verbesserung als „Optimierungswahn“ kritisieren. Und auch wir sehen die Gefahr, dass man sich im Crossfit mit falschem Ehrgeiz überfordern kann und sich dann selbst schadet. Das System Crossfit besitzt allerdings einige Mechanismen, die dies verhindern sollen. Darauf werde ich jedoch erst später eingehen.

Für uns gehört Sport, sei es Crossfit, Triathlon oder andere Sportarten, immer zu einem Lebensgefühl. Viel Bewegung, gesunde Ernährung und das richtige Maß an Entspannung sind die wichtigsten Punkte in diesem Konzept. Denn Sport, verbunden mit dieser Lebensauffassung, soll dem Menschen gut tun, ihm helfen Probleme zu überwinden und sein Leben lebenswerter machen. Wir sind der festen Überzeugung, dass Sport für viele Menschen in vielen schweren Lebenslagen ein wichtiger Anker sein kann. Wir glauben auch, dass Sport in vielen Fällen tolle „Medizin“ sein kann und wir glauben, dass er das Leben aller bereichern kann.

Nicht alles Gold, was glänzt

Nun gibt es im Crossfit einmal im Jahr die Games. Der Höhepunkt einer jeden Saison, auf den alle hinarbeiten oder -fiebern. In den Vorläufen kann sich jeder Crossfitter weltweit registrieren, bestimmte Prüfungen ablegen und sich für die nächste Runde qualifizieren. Meines Wissens eine einmalige Sache im Sport und wahnsinnig gemeinschaftsstifftend. Alle Crossfitter sind eben gleich. Allerdings wurden dieses Jahr nicht nur Geldpreise für die Sieger ausgegeben. Im Juli gab man bekannt, dass der Sieger und die Siegerin der Games, ebenso wie das Gewinner-Team im Team-Wettbewerb, eine Pistole der Marke Glock überreicht bekommen würden.

Und diese Preise passen für uns absolut nicht zu Crossfit!

Wir haben viel von der Diskussion im Netz verfolgt und natürlich gibt es für unsere Haltung eine Menge Gegenargumente.

  1. Crossfit ist ein Sport aus den USA und dort hat man ein anderes Verhältnis zu Waffen.
  2. Crossfit kommt aus dem militärischen Bereich und es wurden auch schon kugelsichere Westen für Wettbewerbe verwendet.
  3. Es gibt auch Workouts, die gefallenen Soldaten gewidmet sind.
  4. Außerdem geht es ja im Crossfit auch um Härte und darum, sich allen Aufgaben stellen zu können.

Und wir sehen auch die Berechtigung für diese Meinungen. Natürlich kommt Crossfit aus den Staaten. Und natürlich hat man dort ein anderes Verhältnis zu Schusswaffen. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Auch in den USA gibt es genug Menschen, die sie ablehnen. Und es gab auch dort große Empörung über diese Entscheidung. Vielleicht auch, weil Amokläufe und Schießereien dort noch viel stärker im Fokus stehen.

Und natürlich kommt Crossfit aus einem militärischen Bereich. Das Internet aber zum Beispiel auch! Dennoch würden viele nicht unterstützen, wenn das Internet demnächst nur noch von Militärs beherrscht werden und jeder das beim Surfen sofort wahrnehmen würde. Crossfit hat sich zudem in den letzten Jahren in ein ganz anderes Gewand gekleidet. Gesund und fit zu sein ist in unseren Augen nicht mit Waffen zu vereinbaren, die auf das Töten von Menschen ausgelegt sind. Auch, wenn nun viele argumentieren, dass man sie ja auch zur Selbstverteidigung nutzen kann. Dafür tuts aber auch ein Stein! Klar, nicht, wenn der andere eine Schusswaffe hat. Aber da liegt ja das Problem!

Was die WODs angeht, kann man einen gefallenen Soldaten mit einem Training auch ehren, wenn man Krieg und Schusswaffen ablehnt! Der Gefallene verdeutlicht den Grund für die Ablehnung ja auch auf die extremste Weise.

Der Umstand, dass es beim Crossfit um Stärke und Widerstandsfähigkeit geht, ist nicht ausschließlich in einer militärischen oder kämpferischen Denkweise zu deuten. Hier kann es auch um das Austesten der eigenen Grenzen gehen. Nichts anderes machen Triathleten oder Ultraläufer. Für viele, wie das auch bei uns der Fall war, steht der Fitness- und Gesundheitsaspekt im Vordergrund. Einen positiven Lebensstil an den Tag zu legen und eine Community zu haben, die diesen mit einem teilt, hat wiederum wenig mit Militär zu tun. Kann aber natürlich auch so ähnlich interpretiert werden.

Unser Fazit

Waffen als Preise bei Wettkämpfen auszugeben entspricht jedenfalls nicht unserer Philosophie von Sport und einem gesunden Lebensstil. Daher ist Crossfit als Marke (ein Franchise-Unternehmen mit gewaltigem Umsatz), die auf großen Protest im Bezug auf die Glocks nicht eingegangen ist, keine Heimat mehr für unsere sportliche Zukunft.
Wir hängen natürlich nicht der Vorstellung an, dass alle Crossfitter so denken wie wir. Einige der Profis in den USA machen keinen Hehl daraus, dass sie Waffen-Fans sind und in ihrer Freizeit gerne mal ballern. Das ist auch kein Problem für uns. Es ist ihre Freizeit. Viele von ihnen sind auch sehr biebeltreue Christen. Und das ist auch ok. Solange sie niemandem ihre Weltsicht aufdrängen wollen, können wir damit gut leben.

Aber genau das ist eben nun passiert. Waffen sind im Crossfit keine Privatsache mehr. Sie sind nun Teil des Wettkampfs. Heute nur als Preise, morgen vielleicht als Teil eines WODs.

Das ist Grund genug für uns, Crossfit den Rücken zu kehren und uns mit funktionellem Training in Kraft-Ausdauer-Einheiten zu widmen. Denn vom Trainingseffekt sind wir nach wie vor mehr als überzeugt.
Vielleicht entwächst der Community ein neuer Zweig, der sich diesem Trend entzieht. Wir wären jedenfalls gerne mit dabei.

Share.

Über den Autor

Vom Sportmuffel zum Fitnessfreak! Angefangen mit einfachem Krafttraining gings übers Joggen und Rad fahren zum Triathlon und zum funktionalen Training. Wenn er nicht gerade beim Sport ist, studiert er vergleichende Geschichte der Neuzeit.

  • Hallo!

    Ich bin seit gut einem Jahr Crossfit verfallen. Es ist einfach genial, welche Leistungen man in kurzer Zeit schaffen kann. Welche Gewichte man möglich ist zu stemmen. Auch die Community in derBox ist ein toller Mehrwert. Man fühlt sich einfach wohl.
    Waffen als Preis sind bei uns unvorstellbar, in Amerika müsste man vielleicht recherchieren, wie üblich das dort generell ist. Auch würde mich interessieren, ob alle Athleten diesen Preis angenommen haben oder eventuell zurückgegeben haben.
    Für mich ist das allerdings kein Grund, mit Crossfit aufzuhören. Viel mehr ist es für mich ein Anstoß, die Entscheidungen und die weitere Entwicklung von Crossfit zu beobachten und gegebenenfalls zu hinterfragen und nicht alles mit zu tragen, was sich diese Maschinerie einfallen lässt.

    LG,
    Stefanie

    • Hallo Stefanie,

      Wie ich ja auch im Artikel geschrieben habe, halte ich Crossfit auch für einen sehr tollen Sport. Allerdings ist Crossfit ja eigentlich ein Franchise-Unternehmen, bei dem sich die affiliates über eine jährliche Gebühr das Recht erkaufen, den Namen CrossFit tragen zu dürfen. D. h. mit den Monatsbeiträgen der Mitglieder unterstützt man dieses Unternehmen. Ebenso tuen wir dies auf eine andere Art, wenn wir hier über unsere Begeisterung und unsere positiven Erfahrungen schreiben. Wie ich im Artikel auch geschrieben habe passt eine Kooperation mit einem Waffenhersteller für mich nicht in meine (oder unsere) Vorstellung von Sport, einem gesunden Lebensstil etc. Aus diesem Grund wollen wir dieses Unternehmen nicht weiter Unterstützen.
      Selbstverständlich ist das nur unsere Meinung. Uns war es einfach wichtig diesen Schritt und unsere Meinung unseren Lesern mitzuteilen.
      Wir haben natürlich auch versucht einiges über die Preisverleihung in Erfahrung zu Bringen. Gefunden haben wir leider nichts genaueres. Selbst ein Video von der Siegerehrung haben wir nicht auftreiben können. Auch Kritik von Athleten haben wir kaum finden können. Von Matt Frazier ist allerdings bekannt, dass er ein großer Waffenfan ist. Er wird die Pistole sicher nicht abgelehnt haben. Und natürlich ist das Verhältnis zu Waffen in den Staaten etwas anders. Aber die Games sind ja eher wie eine Weltmeisterschaft und mir fällt keine WM ein, bei der es vergleichbare Preise gibt.

      Und um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die Trainingsmethoden, eine gesunde Ernährung und das Ziel fit und gesund zu bleiben halten wir aber noch immer für einen tollen Ansatz. Nur die Firmenpolitik eben nicht. Und leider lässt sich der Sport noch kaum von dieser Firma trennen.

      Schöne Grüße

      Schorsch