Die Faszienrolle – Was ist dran am Faszientraining?

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Die Faszienrolle ist zwar nicht erst seit gestern ein Thema in der Sportwelt. Aber gerade, weil sich der anfängliche Hype mittlerweile gelegt hat, wollen wir einen nüchternen Blick auf das Thema werfen.
Ausgelöst wurde der Medienrummel um so genannte Faszienrollen durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Früher ging man davon aus, dass Laktat für Muskelkater verantwortlich ist. Mittlerweile weiß man aber, dass Überlastungsschäden im Sportbereich nicht das rote Muskelfleisch betreffen. Vielmehr wird dabei das kollagene Fasernnetzwerk (faszales Gewebe) des Körpers in Mittleidenschaft gezogen. Dieses Netzwerk ist aber eines unserer wichtigsten Sinnesorgane und die Basis unserer koordinativen Körperwahrnehmung.

Faszien

Die Faszien sind zähe Häute des Bindesgewebes, wie man sie zum Beispiel aus der Zubereitung von Hühner- oder Rindfleisch kennt. Oftmals ist dieses Fleisch noch von einer dünnen, weissen Haut überzogen. So in etwa kann man sich die menschlichen Faszien vorstellen. Sie hüllen Muskeln ein und trennen sie so auch voneinander. Fasziales Bindegewebe trennt nicht nur Muskeln. Es leitet auch Abbauprodukte aus den Zellen (zum Beispiel Lymphe) ab und führt ihnen wiederum Aufbauprodukte zu. Hierbei können dann aber Problemen auftreten. Kommt es nämlich beim Abtransport aufgrund von Verspannungen zum Stau der Lymphe, können die Faszien verkleben.

Ein Körper umspannendes Netz

Die Faszien sind ein Netz im menschlichen Körper, das jeden Muskel, Knochen, Organe und Nerven umschließt. Sie sind zahlreich mit  dem sympathischen Nervenendungen verwoben. Über diese Verbindung wirken sie auf unser vegetatives Nervensystem und sind somit auch Teil des autonomen Nervensystems. Dieses steuert zum Beispiel die Atmung, die Verdauung oder einzelne Organe.
Das autonome Nervensystem hat umgekehrt auch Einfluss auf die Faszienspannung. Stehen die Faszien also unterFaszien_Grafik Druck (zum Beispiel durch eine Verspannung), spürt der Körper diesen auch. Bedeutet also: Wenn auf Faszienebene nicht entspannt wird, kann sich das auf  den ganzen Körper auswirken.

Unbeweglichkeit und erhöhte Verletzungsgefahr

Unbeweglichkeit und erhöhte Verletzungsgefahr sind Folgen dieser Entwicklung. Stress, Schonhaltung, Bewegungsmangel und starke Beanspruchung sind hierfür die Auslöser. Wenn Faszien sich verhärten und verkürzen, gehen die Elastinanteile zurück und die Anteile von Kollagen (weniger dehnbar) steigen an. Dadurch wird der Bewegungsspielraum von Muskeln und Gelenken eingeschränkt, was zu Schmerzen führen kann.

Krafterzeugung

Faszien spielen auch bei der Krafterzeugung eine wichtige Rolle. Durch eine auf den Faszien lastende Dehnspannung wird Kraft erzeugt, weitergeleitet und von den Muskeln weiter verstärkt. Die Dehnspannung entsteht zum Beispiel beim Aufsetzen des Fußes auf dem Boden. Ballen und Ferse werden etwas auseinander gedrückt, Spannung entsteht. Beim wieder Anheben löst sich diese Spannung und unterstützt die Bewegung.

Auch Faszien kann man trainieren

Die Grundlagen für ein Faszientraining liegen in fernöstlichen Techniken. Tai Chi, Qi Gong oder auch Pilates beinhalten ruhige, achtsame Bewegungen, die die Köperwahrnehmung erhöhen und die Faszien positiv ansprechen. Auch mit Dehnungsbewegungen können die Faszien trainiert werden. Damit fordert man die Faszien und sie beginnen, wie Muskeln, sich an die täglichen Anforderungen anzupassen. Die positiven Folgen sind bessere Beweglichkeit, sinkende Verletzungsgefahr und ganz allgemein Entspannung.

Die Faszienrolle

Nach dem Training oder bei Muskelkater an sich kann mit eine Faszienrolle die Verspannung oder Verklebung in den jeweiligen Faszien_3Körperteilen gelockert oder gelöst werden. Unter Umständen soll dieses Training auch konventionelles Dehnen verstärken und somit für mehr Beweglichkeit sorgen. Auch Leistungssteigerungen können möglich sein. Das ist aber bis jetzt durch keine Studie belegt worden. Dasselbe gilt für einen „Verjüngungseffekt“. Bei Versuchen mit Tieren wurde zwar eine beschleunigte Kollagen-Erneuerung festgestellt. Diese wurde aber beim Menschen bis jetzt nicht nachgewiesen.

Abschließend kann man also sagen, dass der Hype um die Faszienrolle nicht ganz zu unrecht entstanden ist. Zwar hat ein spezielles Faszientraining keinen „verjüngenden“ Effekt auf den Körper. Für eine massageähnliches  „Nachsorge“ nach dem Training, bei Verspannungen und bei Muskelkater ist die Rolle aber in jedem Fall ein nützliches Gadget.

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Über den Autor

Vom Sportmuffel zum Fitnessfreak! Angefangen mit einfachem Krafttraining gings übers Joggen und Rad fahren zum Triathlon und zum funktionalen Training. Wenn er nicht gerade beim Sport ist, studiert er vergleichende Geschichte der Neuzeit.

  • Hallo,
    erst mal großes Lob für den tollen Artikel.
    Hätte aber noch eine Frage. Welche Rolle sollte ich jetzt eigentlich kaufen? Es gibt ja härtere und weichere Rollen. Und muss es eine Markenrolle sein oder sind no name marken genauso gut?
    Würde mich über eine Antwort sehr freuen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Simon

    • Hallo Simon,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Was deine Fragen angeht, hab ich mich zur Sicherheit noch etwas belesen. Welche Rolle du nun kaufen sollst (oder kannst) hängt davon ab, wieviel Schmerz du erträgst. 😉 Die weicheren sind für Hobbysportler mit wenig Pensum und die Profis nutzen mehr die härteren Modelle. Dabei ist es eigentlich egal, welcher Name auf der Rolle steht. Wir haben eine Noname-Rolle vom Discounter und sind ziemlich zufrieden.
      Schöne Grüße

  • Interessanter Artikel!
    Haben in letzter Zeit auch schon einige gute Erfahrungen mit Faszienrollen machen können und bin von ihrer Wirkung/Anwendung echt überzeugt! Gerade für die Regeneration und fürs Mobility Training sehr gut geeignet.

    Gruß,
    Daniel

    • Hey Daniel,
      Vielen Dank für deinen Anmerkung. Die Faszienrolle ersetzt zwar eine Massage nicht komplett. Aber vergleichbar ist es schon. Also auch ganz angenehm nach einem harten Arbeitstag. 😉
      Schöne Grüße
      Schorsch