Erfahrungsbericht: 30 Tage + x Paleo-Ernährung

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Seit dem 1. März diesen Jahres bin ich nun dabei, die Paleo-Ernährung zu testen. (Was das genau ist und aus welchem Grund es sinnvoll sein kann, sich nicht nur auf eine bloße „Diät“, sondern auf eine komplette Ernährungsumstellung einzulassen, erfahrt ihr in unserem Paleo-Artikel). Eigentlich sollte der Selbstversuch schon am Aschermittwoch – quasi als Fastenaktion für 30 Tage – starten, doch für mich bot sich das spätere Datum deshalb an, weil ich aufgrund eines Umzugs alle Getreideprodukte – also Mehl, Gries, Haferflocken und dergleichen – leicht aus meiner neuen Wohnung verbannen konnte. Immerhin hatte ich mir vorgenommen, bis einschließlich Ostern keinerlei Müsli, Nudeln, Reis, Kuchen, Pizza oder Brot zu essen. Außer auf sämtliche Teig- und Backwaren aus herkömmlichem Mehl verzichtete ich auch auf raffinierten Zucker und so gut es ging auf weiterverarbeitete Produkte. Dafür machte ich bei Milchprodukten eine Ausnahme. Ich konnte es mir schlicht und einfach nicht vorstellen, so eine lange Zeit ohne Käse, Quark & Cottage auszukommen. Da ich bei mir bisher keine Anzeichen einer Laktoseintoleranz bemerkt hatte, war diese kleine Inkonsequenz für mich okay. Auch Kartoffeln habe ich ab und zu gegessen, zumal sie in der Paleo-Ernährung eigentlich nur ungeschält oder roh  kritisch gesehen werden.

Was sind also meine Erfahrungen? Worin bestehen für mich die Vorteile und worin die Nachteile der – zugegeben, in meinem Falle etwas abgespeckten – Paleo-Ernährung? Zunächst einmal fand ich es super, mich an allem, was „erlaubt“ war, nämlich Obst, Gemüse, Nüsse/Körner, Öle und tierische Erzeugnisse, d.h. Eier, Fleisch und Fisch – und in meinem Fall Milchprodukte -, satt zu essen. Sogar Schokolade ab einem Kakogehalt von 70% aufwärts ging als paleo durch, wobei ich es damit vielleicht doch ein bisschen übertrieben habe… Da mir frische Lebensmittel ganz einfach gut schmecken, haben mir die Getreideprodukte wenig gefehlt. Obwohl also jede Menge leckerer Dinge auf meinem Speisezettel standen, hatte ich nach dem Essen selten das Gefühl, voll und träge zu sein. Vorher hätte eine gute Portion schon öfter zum allseits bekannten Schlafkoma geführt.

Zwar brauchte ich nach dem Essen kaum mehr mein übliches Mittagsschläfchen, doch im Allgemeinen war ich nicht selten müde, hatte Schwindel oder fühlte mich ein bisschen schlapp. Das mag neben der berühmt berüchtigten Frühjahrsmüdigkeit aber auch daran gelegen haben, dass ich gleichzeitig mit der Ernährungsumstellung noch ein ordentliches Sportprogramm begonnen habe, weshalb ich eigentlich mehr Schlaf hätte gebrauchen können. Sicherlich hat meine anfängliche Skepsis gegenüber der Paleo-Ernährung auch dazu geführt, dass ich auf Signale wie Müdigkeit oder Kreislaufbeschwerden mehr geachtet habe. Dadurch habe ich meiner Meinung nach aber insgesamt ein besseres Gefühl für meinen Körper und seine Bedürfnisse entwickelt.

Während der geschmackliche Aspekt und das körperliche Wohlbefinden im Großen und Ganzen positiv zu bewerten sind, war der finanzielle Aufwand für mich nicht ganz unerheblich. Da ich darauf geachtet habe, nur Fleisch vom Metzger  meines Vertrauens und nicht aus dem Supermarktregal zu holen, wurden meine Einkäufe manchmal doch etwas teurer. Dafür hatte ich aber ein gutes Gewissen und immer hochwertige Nahrungsmittel auf dem Teller. Und für mich als Ex-Vegetarierin waren ein oder zweimal die Woche Fleisch ohnehin vollkommen genug.

Außer den beschriebenen physischen und finanziellen „Nebenwirkungen“ hatte die Paleo-Ernährung auch noch ein paar organisatorische Folgen. Wenn man abwechslungsreich  essen möchte, muss man nämlich schon einige Zeit in die Planung und Zubereitung der Mahlzeiten investieren. Einfach mal beim „Dönermann“ Mittag essen, geht nicht – es sein denn, der ist so freundlich und ersetzt das Brot oder den Couscous durch Fleisch. Will man nicht jeden Tag denselben Salat vorbereiten oder hängt einem das selbst gebackene Nussbrot nach einer Woche zum Halse raus, muss man kreativ werden, sich auf die Suche nach passenden Rezepten machen und meistens länger in der Küche stehen.

Zusammenfassend kann ich sagen: Die Entscheidung, sich paleo zu ernähren, kostet neben Geld und Zeit auch etwas Kraft und Selbstdisziplin. Gerade wer sich das Ziel setzt, damit abzunehmen, sollte darauf achten, nicht zu viele Fette aus Nüssen und Kernen, sondern stattdessn lieber Proteine aufzunehmen, auch wegen der körperlichen Fitness. Trotz oder vielleicht gerade wegen mancher anfänglicher Fehler hat mich das Experiment so sehr angespornt, dass ich es jetzt auf unbestimmte Zeit ausgedehnt habe. Und zumindest für eine Weile möchte ich es tatsächlich einmal ganz ohne Milchprodukte probieren!

Was als Schnappsidee begann, hat sich für mich inzwischen schon fast zur Gewohnheit entwickelt. Ich vermisse weder Nudeln noch Pizza; nur manchmal die Flexibilität bei der Wahl meiner Mahlzeiten oder die Freiheit, die man als „Otto-Normal-Verbraucher“ genießt, besonders wenn man zu einer Party eingeladen ist oder mal weggeht. Aber inzwischen achtet mein informiertes Umfeld auch schon ein bisschen darauf, was ich essen „darf“ und was nicht. Außerdem bin ich in Zeiten von Vegetarismus und Veganismus ja nicht die Einzige, die sich selbst absichtlich einschränkt.

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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...