Fitness für alle – aber für welchen Preis?

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Die Fitness-Industrie boomt, und das seit Jahren schon. Kein Wunder, wenn man sich die Popularität von Fitness und Gesundheit in der heutigen Gesellschaft anschaut. Alle wollen gut aussehen, schlank sein und möglichst lange leben.

Im Jahr 2015 waren ca. 9,5 Millionen Menschen in über 8.000 Fitness-Anlangen im gesamten Bundesgebiet  angemeldet. Der Umsatz lag bei 4,8 Mrd. Euro, was im Vergleich zu 2010 ein Zuwachs von 1 Mrd. Euro bedeutet. 4,1 Mrd. machten die Studios dabei alleine mit Mitgliedsbeiträgen gut.

Aber das ist noch nicht alles auf dem Fitnessmarkt. Hinzu kommt nämlich noch der riesen Anteil der Sportartikelhersteller (Adidas steigerte den Umsatz im vergangen Jahr um 10% auf 16,9 Mrd. Euro weltweit), die Onlinekurse und natürlich der ganze Markt der Produktplazierung bzw. Werbung in unzähligen Youtube-Kanälen, Blogs und Internetseiten.

Obwohl fast jeder 5. in Deutschland in einem Fitnessstudio angemeldet ist und die Branche von einem Umsatzhoch zum nächsten jagt, werden die Menschen immer dicker!
Die Zahl der Übergewichtigen ist in den Jahren von 2000 bis 2013 von 20% auf 24% gestiegen. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der OECD-Staaten liegt bei 18%.

Wo liegt also der Fehler?

Grundsätzlich muss man natürlich sagen, das die wachsende Fitnessindustrie auf der einen und die Zunahmevon Übergewicht auf der anderen Seite nicht in direkter Verbindung stehen. Dass dennoch einiges im Argen liegt, belly-2354_640wird in letzter Zeit besonders im Internet mehr und mehr thematisiert. Denn wo ein großer Markt ist, gibt es auch viele, die daran verdienen wollen.

Und da gilt es, jedes Mittel auszunutzen.

Ein einfaches Beispiel ist der Januar im Fitnessstudio. Alle starten mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. „Diesmal mach ichs echt! Gesundes Essen und viel Sport.“ Schon ist die ersten Wochen des neuen Jahres im Studio die Hölle los.

Im Februar sieht das meist ganz anders aus. Daran wird auch deutlich, was mit den 9,5 Mio. Abonnenten in hiesigen Studios gemeint ist: Sie sind eben angemeldet! 

Fitnessprodukte in Verbindung mit harter Arbeit?

Oftmals wird mit Slogans wie „Einfach gut aussehen“ oder Versprechen, wie „Sixpack in 10 Minuten“ Werbung gemacht. Schnell und leicht, am besten ohne Arbeit und Verzicht zum Traumkörper.

Das scheint das allgegenwertige Heilsversprechen der (meist selbsternannten) Fitnessgurus zu sein. Wer sich allerdings nur annähernd als Fitnessexperte versteht, sollte wissen, was an diesem Versprechen nicht stimmt.

Wenn wir alle mit 10 Minuten Fitness am Tag aussehen würden wie Brad Pitt zu seinen besten Zeiten, würden wir das wahrscheinlich jetzt schon tun, oder?

Okay, okay. Es sei denn, man mag Herrn Pitt nicht!

Täuscht die Fitness-Industrie uns also bewusst?

Das ist natürlich immer Auslegungssache. Zum Beispiel schafft man es niemals mit 10 Minuten Aufwand am Tag zu einem Sixpack, wenn man sich sonst absolut nicht bewegt und nur ungesund isst.

Wer aber nebenher täglich noch zwei Stunden anderes Kraft- und Ausdauertraining absolviert, bekommt das locker hin. Selbst bekannte „Fitnessmodels“ verschaffen sich mit der ansprechenden Version dieser Geschichte Aufmerksamkeit.

Schneller Erfolg mit wenig Aufwand verkauft sich eben einfach gut.

Man kann natürlich auch argumentieren, dass die Mehrheit der Kunden diese Geschichte nur zu gerne glauben möchte. Aber damit wird der Bock zum Gärtner gemacht!

Denn natürlich freut sich der unwissende Anfänger über einen „Experten“, der ihm eine Methode zum schnellen Erfolg verspricht. Und oftmals ist der Wunsch nach einem schönen und vorzeigbaren Körper einfach sehr groß.

Der Kritiker mag einwenden, dass jeder Mensch in seinen Entscheidungen frei ist und sich vor dem Kauf eines Produkts kundig machen kann! Das entbindet den Anbieter jedoch nicht davon, seiner Verantwortung gegenüber dem Kunden nachzukommen!

Sich für Sport zu entscheiden ist nämlich mehr als der Kauf eines neuen TV-Gerätes. Es ist der Versuch, sein Leben zu ändern, sich bewusster mit sich selbst auseinander zu setzen und im besten Fall der Weg aus einer Krankheit.

Und für solche Menschen können falsche Versprechungen fatale Folgen haben. Ähnlich wie bei Diäten verliert man mit jedem weiteren, vergeblichen Versuch die Hoffnung, irgendetwas bewirken zu können.

Jeder kann heute Fitness verkaufen

Und da verbirgt sich das nächste Problem. Denn jeder kann heute einen eigenen Blog erstellen oder bei Youtube seine „besten“ Tipps und Tricks anpreisen. Wie die Personen dann im einzelnen genau zu ihrem Traumkörper gekommen sind, bliebt oft im Verborgenen.

Hier darf man auch die Möglichkeiten der Bildbearbeitung nicht vergessen. Je nach Ausrichtung der Seite und je nach Publikum kann man sich dicker, dünner, fitter oder auch male-719539_640angestrengter darstellen. Kaum ein Leser hat die Möglichkeit, das Dargestellte zu überprüfen.

Mit diesen Mitteln lässt sich sehr schnell eine Basis schaffen, auf der man dann (meist nicht als Werbung gekennzeichnet) die unterschiedlichsten Produkte als eigene, natürlich jahrelang getestete Empfehlung unter die Leser bringt.

Natürlich gilt das nicht für alle Blogger, Instagrammer oder Youtuber. Der überwiegende Teil all jener, die ihre Leser über eine lange Zeit mit einer Menge an Infos zum Thema Fitness versorgen, macht das, weil er von Fitness, Sport und/oder einem gesunden Leben überzeugt ist. Meist gibt es auch mehr als eine Möglichkeit, diese Personen im Laufe der Zeit kennenzulernen, um sich dann sein eigenen Bild machen zu können. Ganz ohne Filter.

Also lieber Hände weg vom Sport?

Auf gar keinen Fall. Sport ist gut für das Wohlbefinden und wichtig für unsere Gesundheit. Wer sich überhaupt nicht bewegt, sollte es vielleicht tatsächlich lieber mit dem 10-Minuten-Sixpack-Workout versuchen. Denn täglich 10 Minuten Bewegung sind besser als gar keine Bewegung. Den Sixpack kann man so natürlich nicht erreichen. Aber wenn man das weiß, gibt es auch keine Enttäuschung.

  • Also liebe Anfänger: Schreckt nicht vor Sport und Bewegung zurück. Aber seid kritisch. Die Traumfigur können nur die begnadetsten unter uns (mit super guten Genen) einfach so erreichen. Für alle anderen ist es harte Arbeit. Über Monate. Mit vielen Entbehrungen, Schweiß und Muskelkater. Aber der Lohn ist groß. Neben einer schöneren Figur gibt es Spaß, neue Freunde, ein gutes Lebensgefühl und mehr Gesundheit gratis dazu.
  • Liebe Fitnessindustrie: Vielleicht solltest du einmal anfangen, etwas ehrlicher zu deinen Kunden zu sein! Sag ihnen, dass sie auch in deinem Studio oder mit deinen Produkten schwitzen und kämpfen müssen. Sag ihnen, dass sie auch mit deinen Schuhen ohne Training nichts erreichen werden. Möglicherweise werden sie dir die Offenheit und Ehrlichkeit mit Treue danken und freiwillige Botschafter in deinem Namen werden.
  • Und liebe Fitnessblogger, Youtuber, Instagrammer: Auch ihr solltet euch überlegen, ob ihr objektiv über das Thema berichtet. Die meisten von uns haben nämlich nur ihre Glaubwürdigkeit.
    Und wer die verliert, verliert schnell seine Leserschaft. 

Quellen zum Wachstum in der Fitnessindustrie: adidas, Übergewicht, Wiwo, Statista

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Über den Autor

Vom Sportmuffel zum Fitnessfreak! Angefangen mit einfachem Krafttraining gings übers Joggen und Rad fahren zum Triathlon und zum funktionalen Training. Wenn er nicht gerade beim Sport ist, studiert er vergleichende Geschichte der Neuzeit.

  • Senta

    Super Post… es überrascht mich auch immer wieder was anscheinend alles in nur 10 Tagen möglich sein soll.. das gleiche ist es mit dem Thema Nahrungsergänzungsmittel im Sport. Die Fülle und Masse was es auf dem Markt gibt und was angeblich helfen soll kräftiger und stärker zu werden ist fast schon ein Unding. Ich kann hier von mir selber sprechen.. ich weiß langsam nicht mehr wie und was ich essen soll und welche Ergänzung wirklich sinnvoll ist um Fett zu verlieren. Ich habe fast alles durch und bin nur noch demotiviert.

    • Hallo Senta,
      ich kann dich voll verstehen. Es ist schwer in diesem Dschungel durchzublicken. Obwohl es ja eigentlich sehr einfach sein sollte. Im Prinzip müsste es ja reichen, wenn man weniger Kalorien zu sich nimmt als man verbraucht. Aber selbst daran kann der Körper sich gewöhnen. Was ist denn genau dein Ziel? Und wie ernährst du dich denn?
      Schöne Grüße