Frauenbild im Triathlon – das übliche Geschlechterklischee!?

Manches im der Sportwelt nervt gewaltig! Natürlich ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem, aber mir sticht es immer wieder ins Auge. Und zwar geht es um das Frauenbild im Triathlon und die Geschlechterklischees, die sich leider auch im Ausdauersport manifestieren.

Ich spreche hier nicht von offensichtlichen Missständen wie der schlechteren Bezahlung von Frauen und dem Defizit an Aufmerksamkeit, wie sie etwa im Fußball gang und gäbe sind.

Es geht um subtilere Dinge, die (Selbst-)Darstellung von Frauen nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch in offiziellen Magazinen und bei Veranstaltungen.

Doch immer der Reihe nach!

Geschlechterklischees in der Sportwelt

Eines vorweg: Dieser Artikel ist sehr persönlich und gibt nur meine derzeitige Sichtweise wieder.

Da ich eine Frau bin, gehe ich auch vornehmlich auf die mir bekannten Aspekte ein. Männer müssen sich da vielleicht ihren Teil denken.

Vieles von dem, was ich schreibe, ist als Frage formuliert, um es bewusst offen zu lassen.

Es mag sein, dass sich viele hiervon nicht angesprochen fühlen oder mir in manchen Punkten widersprechen.

In diesem Fall weise ich wie immer, auf die Kommentarfunktion hin und freue mich auf Rückmeldungen!

Fallbeispiel Klamottenkauf: Es fängt so harmlos an…

Auf der Suche nach coolen Sport-Outfits oder einfach nur ein Paar gescheiten Laufschuhen stoße ich immer wieder auf dasselbe Problem:

Überall nur pinke Klamotten!

Ob beim Online-Shop oder im Einzelhandel ist da ganz egal: Als Frau hast du keine Wahl! Du bist scheinbar dazu verdammt, entweder Glitzer-Glitzer, Schickimicki-Leopardenlook oder knallig pinke Kleidung zu tragen.

Manchmal gibt es noch Lachsfarben im Angebot, aber das ist keine wirkliche Alternative.

Stehen wirklich alle Mädels auf diesen tussigen Barbie-Style?

Das Problem weitet sich übrigens auf alle Bereiche des sportlichen Lebens von Frauen aus: von der Badekappe über die Trinkfalsche bis hin zum Zeitfahrrad  – alles das macht den Anschein, als wären wir kleine Mädchen, die gerade in die erste Klasse eingeschult wurden!

Sebst offizielle Wettkampfveranstalter und Rennserien wie Irongirl prägen dieses Frauenbild im Triathlon.

Sie machen sich diese scheinbaren Lockmittel für weibliche Fans oft zu eigen und lassen alle Frauen in pinken oder wahlweise türkisen Shirts starten!

Sagt mal: Hakts noch?

Ich möchte niemandem zu nahe treten. Sicher gibt es durchaus Mädels, die genau das toll finden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie in der Überzahl sind.

Und selbst wenn: warum ist es für die meisten Hersteller denn nicht möglich, mal etwas Geschlechtsneutrales zu designen?

Manche Männer würden sich auch über Abwechslung in der Produkt- und Farmpalette freuen, hab ich mir sagen lassen.

Fallbeispiel soziale Medien: Dürfen Frauen einfach nur gut aussehen?

Bei Instagram & Co. findet man sie en masse: diese leicht bekleideten Damen, bei denen es ganz bestimmt nicht um Sport und Leistung geht.

Es geht um Reichweite, Likes und Kommentare.

Immer diese netten Bilder mit Knutschmund – von schräg oben, Ausschnitt weit geöffnet oder den Arsch vor der Kamera positioniert.

Wer nicht auf Anhieb eine lebendige Vorstellung vor Augen hat, kann sich unter dem Hashtag #girlsonbikes ein gutes Bild davon machen.

Wir kennen das zur Genüge.

Denn es ist ein weit verbreitetes Phänomen, das sicher nicht nur Triathletinnen betrifft.

Aber bei uns Frauen im Triathlon ist es besonders fatal:

Schließlich laufen wir nun einmal mit Badeanzug oder Bikini im Schwimmbad herum und schwitzen im Sommer oder beim Training auf der Rolle genauso wie unsere männlichen Gegenparts.

Nur, dass es scheinbar gleich einen sexuellen Beigeschmack hat – ohne, dass wir das beabsichtigen!

Selbst, wenn wir uns nichts dabei denken: diese Bilder können immer auch missbraucht werden.

Einmal hochgeladen macht sich so ein Foto gerne mal selbstständig.

Wir haben nicht im Griff, wem es in die Hände fällt.

„Unterstütze

Frauen und Leistung

Nur, um den Unterschied einmal klarzustellen: Wenn ein Mann ein Foto oberkörperfrei postet, wird er bewundert – für seine Disziplin, seinen Willen und seine Leistung. Er ist ein harter Kerl, wenn man seine Muskeln sieht.

Mädels in Sport-BH und Tights oder im Badeanzug – der ja nun einmal die offizielle Trainingskluft für die meisten Triathletinnen ist – sind dagegen schon grenzwertig.

Die Kommentare unter solchen Posts lassen oft erahnen, welche Gedanken diese Bilder wecken.

Dabei besteht objektiv gesehen kein Unterschied.

Die Frauen haben meistens sogar mehr Stoff am Leib.

Muss ich mich als Triathletin jetzt verschleiern, wenn ich Sport treibe, damit niemand auf falsche Gedanken kommt?

Oder warum werde ich so oft auf Körperlichkeiten reduziert und in manchen Fällen sogar zum Sexobjekt degradiert?

Zählt meine Leistung nicht genauso viel wie die eines Mannes?

Fallbeispiel Tritime: Darstellung von Frauen in Triathlon-Zeitschriften

Bei all diesen Voraussetzungen, ist es sehr verwunderlich, dass selbst Triathlon-Zeitschriften wie die Tritime Women sich sexistischer Rollenbilder und Geschlechterklischees bedienen.

Im Januar 2019 rief die besagte Zeitschrift sogar Frauen dazu auf, sich unter dem Motto “Triathlon macht sexy” für einen Beitrag nackt ablichten zu lassen.

Dass es offenbar nur um Aufmerksamkeit ging und nicht um eine durchdachte Aktion, in der Frauen als leistungsstarke Sportlerinnen dargestellt wurden, zeigte sich in der Diskussion, die dann entstand.

Letzten Endes wurden die Triathletinnen, die sich freiwillig meldeten, dann doch nicht ganz ohne Kleidung gezeigt.

Auch die Botschaft der Aktion wurde in “Be yourself” abgeändert und das Thema auf Triathlon-Muttis umgemünzt.

Aber schon die ursprüngliche Intention der Redakteure des Magazins spricht Bände über das Frauenbild im Triathlon.

Knallharte Fakten: Starke Frauen an der Spitze

Dabei gibt es so starke Vorbilder, die das Frauenbild im Triathlon nachhaltig prägen könnten.

Schaut man sich die Riege der Profi-Frauen an, so muss man feststellen, dass sie den Männern in kaum etwas nachstehen.

Im Gegenteil:

Trotz der immer beschworenen Unterlegenheit des weiblichen Geschlechts hat Daniela Ryf bei der Ironman WM auf Hawaii im Jahr 2018 unzählige Männer überholt und kam in der Rangliste unter die Top 25.

Und ihre Kontrahentinnen haben in den vergangenen Jahren ebenfalls nachgelegt.

Lucy Charles schwimmt schneller als der Großteil der Männer, wie sie bei der Challenge Roth 2019 deutlich zeigen konnte.

Und Daniela Bleymehl tritt im Durchschnitt ähnlich hohe Wattwerte wie viele Profi-Männer.

An starken Frauen im Triathlon mangelt es offenbar nicht.

Warum wird dann aber so wenig über die berichtet? Bei der offiziellen Übertragung der Rennen ist die Kamera in den meisten Fällen doch auf das Männerfeld gerichtet.

Machen die Frauen im Triathlon nur einfach nicht so viel Aufhebens um ihre Leistung?

Oder warum ist es so schwer, die Namen von Anne Haug, Laura Philipp und anderen in einem Atemzug mit denen von Jan Frodeno, Patrick Lange oder Sebastian Kienle zu nennen?

Fazit: das Frauenbild im Triathlon

Aus den oben erklärten Fallbeispielen sollte deutlich geworden sein:

Frauen haben auch im Triathlon mit diversen Vorurteilen zu kämpfen.

Im Amateursport werden sie scheinbar nicht ganz ernst genommen, wie kleine Mädchen behandelt oder lediglich als möglichst leicht bekleidetes Sexobjekt angesehen.

Was sie leisten, wird seltener thematisiert, es sei denn im Zusammenhang mit der Mutterrolle.

Und selbst die Profifrauen bekommen nicht immer dieselbe Bühne wie die Männer, obwohl sie vergleichbare Leistungen erbringen.

Da ist es kein Wunder, dass Frauen im Ausdauersport immer noch völlig unterrepräsentiert sind.

Unter den gegebenen Umständen wird das Ungleichverhältnis zwischen den Geschlechtern vermutlich weiterhin bestehen bleiben.

Das wäre mehr als schade.

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About Author

Mit einem geisteswissenschaftlichen Studium war Lotta nicht gerade prädestiniert für eine sportliche Karriere. Aber sie hat den Triathlon quasi auf dem zweiten Bildungsweg kennengelernt und betreibt dieses Hobby nun mit sehr viel Ehrgeiz. Und als waschechte Historikerin hat sie das Recherchieren und Schreiben im Blut. Wenn sie nicht gerade trainiert oder bloggt, traktiert sie Schüler aus aller Welt mit Dativ und Genitiv!

6 Kommentare

  1. Laissez faire… – jeder wie er mag.
    Sowohl auf instagram als auch im realen Sport begegnen mir immer wieder ganz unterschiedliche Körpertypen. Und oft denke ich WOW! sehr oft aus unterschiedlichen Gründen, das kann wegen der Ästhetik des Körpers sein, für das ausgestrahlte Selbstbewusstsein oder auch für das, was da gerade geleistet wird. Ich mag die Vielfalt der Menschen. Wobei es häufig die ungewöhnlichen Erscheinungen sind, die mich ansprechen und Aufmerksamkeit erregen. Entsprechend gilt die Bewunderung dann auch oft dem Umstand, dass da jemand ->sein Ding<- durchzieht.
    Was jetzt die Klamotten angeht, pink kann ich nicht leiden. Aber bei den Laufsachen (das Zeug, dass ich primär kaufe) macht sich für Männer gähnende Tristesse breit. Wenn mal nicht schwarz, gibt es maximal was unifarbenes, aber gedeckt, bitteschön. Und so häufig denke ich mir, was täte den Männer-Laufklamotten ein bisschen mehr Punk gut…

    • Hallo Thomas,

      Da kann ich dir nur Recht geben. Vielfalt liegt beim Menschen ja eigentlich in der Natur der Sache. Nur fühlen sich manche leider in ihrer Möglichkeit eingeschränkt , sich so auszudrücken, wie sie wollen. Oder sie werden automatisch ausgeschlossen, weil sie keinem Stereotyp entsprechen. Ob pink oder Punk ist im Prinzip egal: Von mir aus soll jeder seinen eigenen Stil pflegen! Nur müsste sich dafür eben die Unterschiedlichkeit der Menschen auch in der Buntheit der Klamotten zeigen…

  2. Absolut wichtiger und cooler Beitrag! Ich mag deinen Schreibstil :)
    Und ja, du hast Recht. Ich find im Alltag pink furchtbar, allerdings steh ich inzwischen auf pinke Sportklamotten, weshalb ich es leichter habe :D Aber die Sexualisierung geht zu weit. Frauen in Sport BH und Lauftights im Mcfit, seriously? Fitnessmodels, die noch nie eine Langhantelstange in der Hand hatten? Aber Hauptsache, wir sehen alle geil aus. No Pain, No Gain, wissen wir ja.

    • Hey Paula,
      Danke für dein Feedback und das Kompliment! Sowas hört man gerne! ;)
      Und ich bin auch froh zu hören, dass es nicht nur mir so geht. Wahrscheinlich stört es insgeheim noch viel mehr Mädels (und Jungs), aber keiner traut sich, was zu sagen, weil er denkt, er/sie sei vielleicht zu verklemmt/habe die falschen Ansichten!?
      Ich glaube, wir (Menschen im Allgemeinen) passen uns oftmals zu sehr an, weil es leichter ist, als sein Ding durchzuziehen – und Anerkennung gibt, wenn man dazugehört… Nur so ein paar philosophische Gedanken am späten Abend! ;)
      Beste Grüße!
      Lotta

    • Da muss ich mich anschließen: Finde den Eintrag wirklich extrem wichtig und hab den gleich meiner Freundin geschickt. wir haben uns nämlich gerade erst darüber unterhalten, wie seltsam es ist, dass fast ausnahmslos alle Frauen Sportklamotten eng anliegend sind (von der Farbe natürlich abgesehen).
      Ich möchte beim Sport nicht “geil” aussehen. Ich mache nicht Sport, um ein dürres Ding zu werden, sondern um fit zu sein und gesund und um mich wohl zu fühlen. Ich trinke und esse nicht Eiweisspulver, weil ich abnehmen will, sondern weil es mir beim Muskelaufbau hilft. Mit dieser Einstellung bin ich glücklicherweise sehr gut weiter gekommen, mittlerweile teste ich nebenberuflich für verschiedene Firmen Hanf/Eiweiss/Mandelpulver.
      Ich finde das eine besorgniserregende Entwicklung den sozialen Medien. Gerade auf junge Mädchen wird viel zu viel Druck aufgebaut: Du sollst fit, schön, dünn und bereit sein. Das ist sexistisch.

      Danke für deinen Artikel!

      • Danke für deinen Kommentar! Freut mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat! ;0) Ich trainiere zwar selten zu den Zeiten, wo die richtigen Fitness-Chicks unterwegs sind, aber ich beobachte auch so oft das Imponiergehabe der Jungs und Mädels im Studio. Das ist wirklich lächerlich… Noch schlimmer finde ich allerdings die sexistischen Videos in diversen Studios, wo die Frauen ständig nur ihren Busen raushängen lassen, wenn sie Pushups oder was auch immer für Übungen machen. Für mich hat das nichts mit Fitness zu tun. Und ich schäme mich dafür, wie man sich so zum Objekt degradieren kann. Aber gut. Jeder muss selbst entscheiden, wie er/aussehen möchte und sich nicht davon abhängig machen, was gerade “in” ist. In diesem Sinne: Finde deinen Weg und box dich durch! Beste Grüße,
        Lotta

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