Lottas Plauschbecken II: Trockenübungen und die Panik vorm Wasser

Technik ist das A&O. Das sagt man jedenfalls. Auch wenn ich bei den Triathleten, die ich so beobachte, selten die Bestätigung dafür bekomme. Die pflügen doch wie Mähdrescher durchs Schwimmbad.

Aber gut! Um schnell zu schwimmen, soll man die einzelnen Bewegungen erst einmal sauber draufhaben. Das leuchtet mir ja ein.

Zumal für mich als kleiner Perfektionist sowieso nichts anderes infrage kommt als üben, üben und nochmals üben.

Das habe ich früher schon immer getan. Allerdings auf dem Klavier.

Da hatte man wenigstens ne Rückmeldung in Form falscher Töne oder durch den Klavierlehrer, der einem bescheinigte, dass man ja überhaupt kein kein Gefühl besitzt…

Die Panik vorm Wasser

In Ermangelung eines solchen Lehrers blieb mir beim Thema Kraulen nur eines übrig:

YouTube-Videos! Man lebt ja nicht umsonst im 21. Jahrhundert. Da kann man sich doch das Kraulen auch irgendwie selbst draufschaffen, nicht?

Gesagt, getan.

Ich also alle verfügbaren Anleitungen inklusive der “10 schlimmsten Fehler, die du als Schwimmer nie machen solltest” durchgeklickt und auf meinem Bett immer fleißig Trockenübungen gemacht.

Naja, ständig nun auch wieder nicht.

Aber immerhin ab und zu mal den Armzug verinnerlicht: eintauchen, Arm abknicken, durchziehen, Ellenbogen über den Kopf heben, elegant am Oberkörper vorbei, wieder nach vorn strecken..

Fehlte noch der Beinschlag! Der machte ohne entsprechenden Wasserwiderstand allerdings wenig Sinn.

Im Becken war das Gelrnte leider nicht ganz so einfach umzusetzen.

Vor allem, weil ich nie wusste, wohin mit meinem Kopf.

Das Atmen stellte für mich immer noch eine der größten Herausforderungen dar.

Da half nur Isolierung der Schwierigkeiten! Zu gut Deutsch: jede Bewegung einzeln trainieren!

Also überwand ich mich und legte mir ein Schwimmbrett zu. (So eins, das man in der 3. Klasse benutzt, wenn die Lehrer glauben, dass man sich nicht über Wasser halten kann.)

Damit zog ich meine erste 25-Bahn, indem ich abwechselnd den Kopf unter Wasser steckte, um ihn dann panisch wieder zu heben – aus Angst, zu ertrinken.

Währenddessen sollte ich ja noch mit den Beinen paddeln. Was ein Stress!

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Irgendwann war ich soweit, dass ich mir zumindest nicht mehr vor Angst hyperventilierte.

Den Großteil des Schwimmtrainings machte zu dem Zeitpunkt sowieso noch das Brustschwimmen und somit die Gewöhnung an eine regelmäßige Atmung aus.

Die ersten Armzüge waren ähnlich dramatisch. Wieder mal mit Hilfsmitteln.

Diesmal habe ich mir einen Pullbuoy gegönnt!

Es heißt zwar immer, dass so ein Hilfsmittel mit Vorsicht zu genießen ist, weil es dir unnötig viel Arbeit abnimmt und dir somit vorgaukelt, du könntest etwas, was du in Wirklichkeit gar nicht draufhast..

Aber was soll man tun, wenn man die Wahl hat zwischen schlechter Körperspannung und gar keiner? Eben!

Abgesehen von Schwimmbrett und Pullbuoy hab ich es mit den Hilfsmitteln wirklich nicht übertrieben. Flossen oder künstliche Schwimmhäute hab ich mir nie zugelegt.

Kiemen übrigens auch nicht…

Nichtsdestotrotz mache ich diese isoliertem Technikübungen bis heute noch immer zum Einschwimmen.

Immerhin kann man so ja auch ein bisschen genauer auf einzelne Bewegungen achten und wenn nur ein Bruchteil des Trainings damit bestritten wird, geht das schon in Ordnung.

Nach wievielen verzweifelten Versuchen ich meine erste Bahn ohne Hilfsmittel gekrault bin, kann ich gar nicht mehr genau datieren.

Es muss Wochen, wenn nicht Monate nach meinen kläglichen Anfängen passiert sein.

Doch wer wie ich, unterirdisch beginnt, sollte sich nicht allzu sehr von den Profis auf Instagram & Co. beeindrucken lassen, wenn er endlich das erreicht, was andere längst können.

Die Entwicklung zählt, nicht das Ergebnis! Fürs erste zumindest!

Dieser Artikel ist Teil einer Schwimmkolumne. Die weiteren Beiträge findest du unter den hinterlegten Links!

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Über den Autor

Das Autorenbild

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig - und mit Spaß - jedes Mal aufs Neue zum Training.

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