Lottas Plauschbecken V – Die Links-Kraul-Schwäche

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Es gibt für jede komische Krankheit einen Namen: Menschen, die Probleme mit der Rechtschreibung haben, heißen zum Beispiel Legastheniker. Sie müssen sich bei der Orthographie keine Mühe mehr geben. Sie können ja nichts dafür. (Ich unterrichte im echten Leben Deutsch – ich darf so etwas sagen!)

Wenn man nicht gescheit rechnen kann, verdammt einen keiner dazu, das Einmaleins zu pauken, sondern es heißt einfach:

Man leidet an Diskalkulie. Warum gibt es so eine Ausrede nicht auch für mich?

Ich habe eine Links-Kraul-Schwäche. Klingt nicht so fancy, ich weiß.

Ich würde dafür lieber eine euphemistische lateinische Bezeichnung finden, so etwas wie „Dextranatationitis“ (zu deutsch: Der krankhafte Zwang, immer rechts zu schwimmen) – oder so ähnlich.

Am besten mit Bescheinigung vom Bademeister, damit ich mich nicht weiter damit quälen muss!

Warum der ganze Jammer?

Weil ich einfach nach meinen ersten glückseeligen 25 Metern feststellen mit Erschrecken feststellen musste, dass das Ziel noch lange nicht erreicht war.

Obwohl:

So schnell fiel mir das gar nicht auf. Ich musste einige 25-Meter-Bahnen hinter mich bringen, bis ich das realisierte.

Die Links-Kraul-Schwäche

Die schreckliche Gewissheit kam dadurch zustande, dass ich auf einem anderen Triathlonblog etwas von der Dreieratmung las.

Natürlich hatte ich davon schon einmal etwas gehört, es aber nicht für relevant erachtet, da ich ja schon heilfroh war, nicht bereits an der Zweieratmung zu ersticken.

Ich musste dann aber doch einsehen, dass eine einseitige Belastung auf die Dauer einen Quasimodo aus mir machen könnte…

Nun also ein erhöhter Schwierigkeitsgrad!

Ich tastete mich langsam heran.

Nachdem meine ersten 50-Meter-Kraul-Versuche durch die Untiefen des Schwimmbades kläglich gescheitert waren, beschränkte ich mich auf die Hälfte der Distanz.

Das hatte den Vorteil, dass ich mich nicht zur Stoßzeit mit sämtlichen Möchtegern-Triathleten und Schwimmern kloppen musste, sondern am Vormittag oder frühen Nachmittag ein fast leeres Becken genoss.

Zuerst schwamm ich stur eine Bahn links, eine Bahn rechts, eine Bahn Brust und eine Rücken.

So kam ich nach 100 Metern völlig außer Puste wieder am Beckenrand an. (Für mich fühlte sich das damals krasser an als heute Sprints!)

Das ganze wurde natürlich oft genug wiederholt.

Nicht ohne eine gehörige Pause zwischendrin.

 

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Irgendwann traute ich mich einen Schritt weiter.

Um der besagten Links-Kraul-Schwäche den Kampf anzusagen, erhöhte ich die Anzahl der Bahnen auf der linken Seite im Verhältnis zur rechten.

Ich war jedes Mal heilfroh, hinzu nicht komplett unterzugehen.

Dagegen hatte ich rückzu umso mehr das Gefühl, dass ich ja doch gar nicht soooo schlecht sein konnte.

Inzwischen kann ich mich ganz passabel sowohl rechts als auch links über Wasser halten.

Es hat lange gedauert, aber ich bilde mir ein bisschen ein, dass sich mein Lungenvolumen im Laufe der Zeit massiv vergrößert hat!

Und dass meine Verspannungen im Nacken jetzt wenigstens abwechslend auf beiden Seiten auftreten…

Das mit der Dreieratmung habe ich erst sehr viel später probiert. Allerdings mit Pullbuoy.

Da war ich dann doch erstaunt, wie schnell man wird, wenn man seine Zeit unter Wasser nicht Zeit sinnlos für das Atmen vergeudet.

Die muss man dann eben am Beckenrand fürs Verschnaufen aufwenden.

„Unterstütze

Da hat man auch nicht viel davon.

Inzwischen habe ich auch von den Profis gelernt, dass Dreieratmung für Triathleten eigentlich Bullshit ist.

Auf den Distanzen, die man nämlich im Freiwasser zurücklegen muss, können das die wenigsten wirklich konsequent durchziehen.

Also muss man sich nicht verrückt machen! Sinnlos sind die Bemühungen, auf beiden Seiten halbwegs vergleichbar zu schwimmen, trotzdem nicht.

Immerhin kann es ja mal vorkommen, dass man im Pazifik schwimmen muss und die Wellen von rechts kommen.

Aber bis dahin ist es wohl noch ein langer Weg…

Dieser Artikel ist Teil einer Schwimmkolumne. Die weiteren Beiträge findest du unter den hinterlegten Links!

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About Author

Mit einem geisteswissenschaftlichen Studium war Lotta nicht gerade prädestiniert für eine sportliche Karriere. Aber sie hat den Triathlon quasi auf dem zweiten Bildungsweg kennengelernt und betreibt dieses Hobby nun mit sehr viel Ehrgeiz. Und als waschechte Historikerin hat sie das Recherchieren und Schreiben im Blut. Wenn sie nicht gerade trainiert oder bloggt, traktiert sie Schüler aus aller Welt mit Dativ und Genitiv!

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