Nachhaltigkeit zum kleinen Preis? Sportklamotten bei Aldi, Lidl und co.

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In den letzten beiden Artikeln ging es darum, wie sich der Gedanke der Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren auf die Sportbranche ausgewirkt hat. Es war festzustellen, dass sich erstens bereits einige Marken mit hohen Standards in diesem Bereich etabliert haben und zweitens auch die großen Sportartikelhersteller wie Adidas, Puma und Nike langsam beginnen, an Umwelt- und Sozialverträglichkeit zu arbeiten. Doch das ist noch nicht alles. Aldi, Lidl und Tchibo haben seit eh und je Textilien, darunter auch Sportbekleidung, in ihrem Sortiment. Sie gehören mit einem Umsatz von je etwa 1 Milliarde Euro inzwischen zu den zehn größten deutschen Textilhändlern. Daher ist es interessant, auch hier näher hinzuschauen, wie nachhaltig es bei der Produktion zugeht. Die Angebote im untersten Preissegment werden häufig kritisch beäugt. Aber sind die Discounter in Sachen Nachhaltigkeit tatsächlich die Schmuddelkinder in der (Sport)-Textilbranche?

Das eigene Bild

Diesem verbreiteten Urteil versuchen die Aldi, Lidl und Tchibo entgegen zu halten. Alle drei Discounter besitzen ihre eigenen Codes of Conduct, bzw. Verhaltensstandards. Aldi sieht seine Verantwortung für Mensch und Umwelt über die gesamte Lieferkette, bleibt aber bezüglich der Umsetzung recht allgemein. Mit dem Slogan „Woran erkennt man eigentlich gute Qualität“ wirbt Lidl schon seit längerem für seine Lebensmittel. Bezüglich der Textilien und Schuhe werden im firmeneigenen Bereich konkrete Maßnahmen zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit hervorgehoben. Ebenso wie Lidl setzt auch Tchibo auf verbesserte Brandschutzmaßnahmen in asiatischen Textilfabriken. Zusätzlich gibt das Unternehmen an an, dass das Unternehmen im Jahr 2015 zum weltweit drittgrößten Bio-Baumwolle-Händler aufgestiegen ist und beschreibt sich auf dem Weg zu einer 100% nachhaltigen Geschäftsführung. Den Firmenprofilen nach zu urteilen, spielen also Nachhaltigkeit, Verantwortung und Qualität bei den Discountern eine herausragende Rolle.

Nachhaltigkeit – Was Greenpeace dazu sagt

Noch im Herbst 2014 sah Greenpeace die Sache etwas anders. Bei einer Untersuchung von Kleidungsstücken und Schuhen ergab sich, dass mehr als die Hälfte der Proben chemische Schadstoffe enthielt. Diese seien zum Teil gesundheitsschädigend oder sogar toxisch, verschmutzten aber auf jeden Fall das Grundwasser in den Herstellerländern. Als Reaktion auf den Bericht hatte Tchibo noch im selben Monat seine Teilnahme bei der DETOX-Kampagne erklärt. Damit verpflichtete es sich zur Eliminierung schädlicher Chemikalien aus seiner Kleidungsproduktion bis 2020. Lidl und Aldi folgten kurz darauf im Dezember 2014, bzw. März 2015. Aufgrund des hohen Marktvolumens der Discounter sieht Greenpeace dies als einen bedeutenden Schritt hin zur vollkommenen Entgiftung der Textilbranche.

Die Einschätzung der Clean Clothes Campaign

In Sachen ökologischer Nachhaltigkeit tut sich also einiges hin zu einer schadstofffreien Produktion. Wie es bezüglich der Sozialstandards bei den Discountern aussieht, das bewertet die Kampagne für saubere Kleidung oder auch Clean Clothes Campaign. Diese prüft die vor allem die Haltung der Unternehmen zu Mindestlöhnen und Arbeiterrechten in den Produktionsstätten und veröffentlicht detaillierte Infomationen mit einem abschließenden Urteil. In den einzelnen Firmenprofilen der Discounter werden sehr unterschiedliche Noten vergeben. Während Aldi nur 1 von 40 Punkten erhält, sammelt Lidl 6 und Tchibo sogar 15 Punkte. Damit liegen Supermarktketten im Durchschnitt beinahe gleich auf mit den Sportmarken Adidas (8 Punkte), Puma (10 Punkte) und Nike (12 Punkte). Was die soziale Komponente der Nachhaltigkeit angeht, bleibt allerdings noch eine Menge Spielraum nach oben.

Fazit

Der Forderung nach Nachhaltigkeit kann sich kaum ein Unternehmen mehr entziehen. Auch diejenigen nicht, die als qualitativ niedrigwertiger, weil billiger gelten. Vergleicht man die Discounter Aldi, Lidl und Tchibo mit den teureren Sportmarken Puma, Adidas und Nike, so wird deutlich, dass Letzte zwar bezüglich ökologischer Standards einen zeitlichen Vorsprung haben – die DETOX-Kampagne begann bereits im Jahr 2011 – aber hinsichtlich der sozialen Bedingungen nicht unbedingt besser abschneiden. Für alle Sportartikelhersteller gilt jedoch gleichermaßen, dass Worten Taten folgen müssen. Auch wenn Discounter inzwischen wie die ganz Großen auf einem guten Weg sind, liegt das Ziel einer vollkommen nachhaltigen Produktion noch längst nicht in greifbarer Nähe.

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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...