Nein, ich bin keine pinke Lady! – Geschlechterklischees in der Sportwelt

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Manches in der Sportwelt nervt gewaltig. Vielleicht ist es ja nur ein gesamtgesellschaftliches Problem, aber mir sticht es in letzter Zeit immer mehr ins Auge. Und zwar geht es um die Geschlechterklischees, die sich leider auch im Sport manifestieren. Frauen treiben traditionell Ausdauer-, Männer Kraftsport. Wer als Mann schmal wie ein Triathlet aussieht, gilt als Spargel oder Lusche. Frauen mit starken Oberschenkeln gelten dagegen als dick und unattraktiv. Aber sind wir nicht alle Menschen mit ganz individuellen Stärken und Vorlieben – unabhängig von den uns zugeschriebenen Geschlechterrollen?

Geschlechterklischees in der Sportwelt

Eines vorweg: Dieser Artikel ist sehr persönlich und gibt nur meine derzeitige Sichtweise wieder. Da ich eine Frau bin, gehe ich auch vornehmlich auf die mir bekannten Aspekte ein. Männer müssen sich da vielleicht ihren Teil denken. Vieles von dem, was ich schreibe, ist als Frage formuliert, um es bewusst offen zu lassen. Es mag sein, dass sich viele hiervon nicht angesprochen fühlen oder mir in manchen Punkten widersprechen. In diesem Fall weise ich wie immer, auf die Kommentarfunktion hin und freue mich auf Rückmeldungen!

Fall 1: Fotos auf Instagram – Sind die andern alle komisch?

Vor kurzem hieß es noch „strong is the new skinny“. Ein netter Slogan, wie ich finde – allerdings nur selten wahr. Seitdem ich auf Instagram aktiv bin, werde ich täglich damit konfrontiert: BarbieBodybuilderinnen, die ihren Hintern in die Kamera halten oder Bikinimodels, die eher abgemagert als fit aussehen. Das ist nichts Neues und damit muss ich mich wohl oder übel in so einem Bild-Medium abfinden. Was mich aber am meisten stört, ist, dass diese Mädels genauso wie die Werbung auf Plakaten oder im Fernsehen, ständig mein Frauenbild beeinflussen – und wie ich finde, nicht unbedingt im positiven Sinne. Es mag sein, dass ich mich irre, aber für mich stellen sich solche „Sportlerinnen“ eher als Sexobjekte statt als selbstbewusste Personen dar und degradieren sich damit selbst. Weiß ja nicht, wie das auf das andere Geschlecht wirkt….

Ich persönlich könnte eigentlich mit meinem Körper zufrieden sein. Aber trotzdem ist da immer dieser Drang, dünner zu werden, abzunehmen und einen flachen Bauch zu haben. (Die vielen Frauen und Mädchen mit einer Essstörung können davon sicher ein Lied von singen.) Mein Bauch ist in der Regel nicht flach. Er wirkt sogar meistens  aufgeblasen, weil ich immer ziemlich viel trinke und eben auch sehr gerne große Portionen esse. Aber an guten Tagen sieht man mein Sixpack und da bin ich ziemlich stolz drauf! Trotzdem habe ich manchmal Schiss, dass ich durch den Kraft-Sport zu viel an Muskelmasse zulege und dann nicht mehr weiblich aussehe.

Gegen ein bisschen Pumpen hat niemand was – abgesehen von den Geschlechterklischees. Es gibt genug Mädels, die in den Kraftraum gehen und Hanteln stemmen. Das gibts auch in Hülle und Fülle bei Instagram zu bestaunen. So wie ich das wahrnehme, passiert das aber oft nur, um gut auszusehen, um definiert zu sein, um gemocht zu werden. Natürlich spielt das eigene Aussehen eine große Rolle dabei, ob man sich selbst leiden kann. Aber leider wirkt es in manchen Fällen doch eher ungesund und künstlich.

Gerade, wenn ich mir Videos von Crossfitterinnen ansehe, die ich für ihre Leistungsfähigkeit und Willensstärke bewundere, kommen mir die Zweifel, ob ich mich selbst wirklich noch leiden könnte, wenn ich ein paar Kilo zulegen würde. Dabei finde ich ihre Körper noch nicht einmal so unästhetisch. Sie sind nur bei den heutigen Sehgewohnheiten wenig verbreitet und gelten daher eher als abnormal. Aber was ist normal? Muss ich als Frau nur gut aussehen – oder kann ich durch den Sport wachsen und innerlich und äußerlich an Kraft zunehmen? Die Frage ist hier nicht nur: „Wird mir das von außen auch zugestanden?“, sondern „Bin ich auch bereit, dazu zu stehen und mich anzunehmen, auch wenn ich nicht wie die „typische“ Frau bin und aussehe?“.

Fall 2: Sportklamotten einkaufen – Oder bin ich nicht normal?

Folgendes Problem ist in den letzten Tagen und Wochen mehrmals aufgetaucht: Schorsch und ich wollten uns ein paar neue Outfits zulegen, um für den Sommer ausgestattet zu sein. Also liefen wir von einer Sportabteilung zur nächsten, wobei wir die völlig unbezahlbaren Läden mal außen vor ließen. Schorsch fand absolut nichts, das halbwegs passend geschnitten war, geschweige denn annähernd cool aussah. Er steht eher auf knallige Designs als ich und wäre in der Mädelsabteilung wohl glücklicher geworden. Ich dagegen kann pink nicht ausstehen, kam aber zum Beispiel bei meinen lachsfarbenen Laufschuhen nicht drumherum, weil es sonst nur noch grau und lila zur Auswahl gab! Beim Online-Shopping genau dasselbe Dilemma: Die Männer haben meiner Meinung nach die cooleren Farben und lässigeren Schnitte. Was für Frauen als stylisch angepriesen wird, ist meiner Meinung nach höchstens hello-Kitty-Style!

pinke_ladyIst es denn so schwer, etwas zu designen, das nicht auf den hergebrachtem Geschlechterklischees beruht? Ich kann mir kaum vorstellen, dass alle Mädels früher Prinzessinen sein wollten und wie ich mir habe sagen lassen, soll es auch Jungs geben, die verspielte Blumenmuster ansprechend finden. Ich kenne einige starke Frauen, die im Alltag gerne Holzfällerhemden tragen – und genügend Männer, die nicht nur nix dagegen haben, sondern das sogar mögen. Warum muss dann gerade im Sport so ein Unterschied gemacht werden?

Zugegeben, die biologischen Unterschiede sind nicht zu leugnen. Sähe vielleicht komisch aus, wenn ein Mann taillierte Frauen-Oberteile tragen würde. Aber das verlangt ja auch niemand. Ich fordere auch keinen Totenkopf-Aufdruck auf allen meinen Assesoirs. Die Geschmäcker sind da vielfältig. Es würde mich persönlich einfach nur freuen, wenn ich im Sport, der für mich vor allem Stärke und Leistungsfähigkeit bedeutet, optisch zeigen könnte, dass ich kein Püppchen bin. Und dass ich nicht als pinke Barbie verkleiden muss, um als Frau akzeptiert zu werden! In der normalen Mode kommt das meiner Meinung nach langsam an – Warum nicht in der Sportbranche?

Mädels, Jungs: Was sagt ihr dazu? Übertreibe ich? Sehe ich das zu sehr durch meine anti-rosarote Brille oder ist an der Kritik was dran? In welchen Sportarten und -klamotten fühlt ihr euch wohl? Was denkt ihr über Geschlechterklischees?

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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...

  • Laissez faire… – jeder wie er mag.
    Sowohl auf instagram als auch im realen Sport begegnen mir immer wieder ganz unterschiedliche Körpertypen. Und oft denke ich WOW! sehr oft aus unterschiedlichen Gründen, das kann wegen der Ästhetik des Körpers sein, für das ausgestrahlte Selbstbewusstsein oder auch für das, was da gerade geleistet wird. Ich mag die Vielfalt der Menschen. Wobei es häufig die ungewöhnlichen Erscheinungen sind, die mich ansprechen und Aufmerksamkeit erregen. Entsprechend gilt die Bewunderung dann auch oft dem Umstand, dass da jemand ->sein Ding<- durchzieht.
    Was jetzt die Klamotten angeht, pink kann ich nicht leiden. Aber bei den Laufsachen (das Zeug, dass ich primär kaufe) macht sich für Männer gähnende Tristesse breit. Wenn mal nicht schwarz, gibt es maximal was unifarbenes, aber gedeckt, bitteschön. Und so häufig denke ich mir, was täte den Männer-Laufklamotten ein bisschen mehr Punk gut…

    • Lotta

      Hallo Thomas,

      Da kann ich dir nur Recht geben. Vielfalt liegt beim Menschen ja eigentlich in der Natur der Sache. Nur fühlen sich manche leider in ihrer Möglichkeit eingeschränkt , sich so auszudrücken, wie sie wollen. Oder sie werden automatisch ausgeschlossen, weil sie keinem Stereotyp entsprechen. Ob pink oder Punk ist im Prinzip egal: Von mir aus soll jeder seinen eigenen Stil pflegen! Nur müsste sich dafür eben die Unterschiedlichkeit der Menschen auch in der Buntheit der Klamotten zeigen…

  • Absolut wichtiger und cooler Beitrag! Ich mag deinen Schreibstil 🙂
    Und ja, du hast Recht. Ich find im Alltag pink furchtbar, allerdings steh ich inzwischen auf pinke Sportklamotten, weshalb ich es leichter habe 😀 Aber die Sexualisierung geht zu weit. Frauen in Sport BH und Lauftights im Mcfit, seriously? Fitnessmodels, die noch nie eine Langhantelstange in der Hand hatten? Aber Hauptsache, wir sehen alle geil aus. No Pain, No Gain, wissen wir ja.

    • Lotta

      Hey Paula,
      Danke für dein Feedback und das Kompliment! Sowas hört man gerne! 😉
      Und ich bin auch froh zu hören, dass es nicht nur mir so geht. Wahrscheinlich stört es insgeheim noch viel mehr Mädels (und Jungs), aber keiner traut sich, was zu sagen, weil er denkt, er/sie sei vielleicht zu verklemmt/habe die falschen Ansichten!?
      Ich glaube, wir (Menschen im Allgemeinen) passen uns oftmals zu sehr an, weil es leichter ist, als sein Ding durchzuziehen – und Anerkennung gibt, wenn man dazugehört… Nur so ein paar philosophische Gedanken am späten Abend! 😉
      Beste Grüße!
      Lotta

    • Da muss ich mich anschließen: Finde den Eintrag wirklich extrem wichtig und hab den gleich meiner Freundin geschickt. wir haben uns nämlich gerade erst darüber unterhalten, wie seltsam es ist, dass fast ausnahmslos alle Frauen Sportklamotten eng anliegend sind (von der Farbe natürlich abgesehen).
      Ich möchte beim Sport nicht „geil“ aussehen. Ich mache nicht Sport, um ein dürres Ding zu werden, sondern um fit zu sein und gesund und um mich wohl zu fühlen. Ich trinke und esse nicht Eiweisspulver, weil ich abnehmen will, sondern weil es mir beim Muskelaufbau hilft. Mit dieser Einstellung bin ich glücklicherweise sehr gut weiter gekommen, mittlerweile teste ich nebenberuflich für verschiedene Firmen Hanf/Eiweiss/Mandelpulver.
      Ich finde das eine besorgniserregende Entwicklung den sozialen Medien. Gerade auf junge Mädchen wird viel zu viel Druck aufgebaut: Du sollst fit, schön, dünn und bereit sein. Das ist sexistisch.

      Danke für deinen Artikel!

      • Lotta

        Danke für deinen Kommentar! Freut mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat! ;0) Ich trainiere zwar selten zu den Zeiten, wo die richtigen Fitness-Chicks unterwegs sind, aber ich beobachte auch so oft das Imponiergehabe der Jungs und Mädels im Studio. Das ist wirklich lächerlich… Noch schlimmer finde ich allerdings die sexistischen Videos in diversen Studios, wo die Frauen ständig nur ihren Busen raushängen lassen, wenn sie Pushups oder was auch immer für Übungen machen. Für mich hat das nichts mit Fitness zu tun. Und ich schäme mich dafür, wie man sich so zum Objekt degradieren kann. Aber gut. Jeder muss selbst entscheiden, wie er/aussehen möchte und sich nicht davon abhängig machen, was gerade „in“ ist. In diesem Sinne: Finde deinen Weg und box dich durch! Beste Grüße,
        Lotta