Produkttest: Fitbit Surge

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Die Surge ist eine der neueren und aufwändigeren Entwicklungen aus dem Hause Fitbit, zu deren Produktpalette ansonsten noch diverse Fitnessarmbänder sowie eine weitere Smartwatch, die Fitbit Blaze (Hier unser Testbericht), gehören. Sie ist Fitnesstracker, Smartwatch und Puls-Uhr mit integrierter GPS-Funktion in einem. Gedacht ist sie nicht nur für fitte und aktive Leute, sondern, um „Höchstleistungen“ zu erfassen. Der Hersteller Fitbit nennt sein Modell sogar „Die ultimative Fitness-Superwatch“. Was das genau beinhaltet, und ob das gute Stück hält, was es verspricht, haben wir sie uns einmal genauer angeschaut.

Fitbit hat uns für diesen Test die Surge, die im Handel stolze 250 Euro kostet, dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

Zunächst ein paar Details zu den technischen Daten:

Die Surge ist zum einen ein Fitnesstracker, mit dem unter anderem Schritte gezählt, Kalorien berechnet, und zurückgelegte Etagen angezeigt werden. Zusätzlich zu diesem Aktivitätsprotokoll bietet sie auch eine Schlafmessung mit automatischer Schlaferkennung und stummem Vibrationsalarm. Des weiteren funktioniert sie auch als Multisportuhr, die Aktivitäten wie Laufen, Radfahren im Freien oder Training mit Gewichten zum Teil selbst erkennt, zumindest aber als Training wahrnimmt und auswertet. Dabei misst die Surge sowohl die Strecke per GPS als auch die Herzfrequenz am Handgelenk, also ohne Pulsgurt. Weitere nennenswerte Vorteile sind die verhältnismäßig lange Akkulaufzeit von bis zu 7 Tagen, die kabellose Synchronisierung über Bluetooth sowie die Steuerung von Musik und eingehenden Anrufen oder SMS-Nachrichten.

Versuchsaufbau: Ablauf des Tests

Um die Surge einschätzen zu können, habe ich sie vier Wochen lang ausgiebig getestet. Ich habe sie beinahe rund um die Uhr getragen und dabei Daten über Daten über meine Bewegungen im Alltag sowie im Training – vom Laufen übers Radfahren und Gewichtestemmen bis hin zum High-Intensity-Training – gesammelt. Selbst beim Schlafen und Duschen habe ich die Surge anfangs am Handgelenk behalten, mich später aber wegen verschiedener Hautreizungen dafür entschieden, sie wenigstens nachts und unter der Dusche abzunehmen.

Surge_ganz_nahIn der Testphase habe ich die Uhr mit verschiedenen anderen Messgeräten verglichen: dem Laufband im Fitnessstudio, der Runtastic-App, dem Garmin Forerunner 15 (Pulsuhr mit Gurt und GPS) und mit der offiziellen Messung bei einer Laufveranstaltung. Auch wenn ich nicht behaupten will, dass meine Vergeichsmöglichkeiten unbedingt genauer waren, wollte ich einfach die Abweichung zu unterschiedlichen anderen Apps oder Uhren anschauen, um die Surge besser einordnen zu können.

Testergebnis Surge: Und was kam raus?

Design und Handhabung

Gut gefallen hat mir das Design. Ich hatte ein schlichtes schwarzes Armband (Zur Auswahl hätten außerdem noch blau und orange gestanden.) An meinem Handgelenk wirkte dieses zwar ziemlich breit, aber bei Sportuhren lege ich nicht ganz so viel Wert auf Eleganz. Die Uhr hat vier verschiedene Zeit-Anzeit (analog, digital, „Orbit“ und „Flare“ – bei letzterem ist eine Aktivitätsanzeige der letzten Stunde integriert), die meiner Meinung nach sehr ansprechend gestaltet sind. Auch die Handhabung von Tasten und Touch-Screens war in der Regel immer einfach und schnell möglich.

Tragekomfort und Hautverträglichkeit

Weniger gut als mit dem Aussehen kam ich mit dem Tragekomfort des Armbands klar. EkxemEntweder ich habe es zu eng getragen oder zu selten abgemacht. Mag sein, dass auch meine empfindliche Haut dazu beigetragen hat, dass ich nach 2 Wochen extreme Ausschläge bekommen habe. Ich muss dazu sagen, dass ich die Surge anfangs sogar unter der Dusche anbehalten habe, wovon Fitbit wegen eben dieser Problematik abrät. Denn durch Wasserablagerungen und Schweiß kann die Haut entsprechend gereizt reagieren. Abgesehen davon gibt der Hersteller an, dass die Surge nicht wirklich wasserdicht ist. Das kann ich zwar nicht bestätigen -jedenfalls hat meine mehr als nur Spritzwasser ausgehalten. Zum Schwimmen würde ich sie sicherheitshalber aber nicht benutzen.

Anruf und SMS

Anruf- und SMS-Steuerung werden einwandfrei angezeigt. Allerdings muss man natürlich auf sein Handy zurückgreifen, um den Anruf entgegenzunehmen beziehungsweise zu antworten. Und ohne ständiges Bluetooth kann man diese Funktion also nicht nutzen. Meiner Meinung nach etwas ungünstig, wenn man Akku sparen möchte. Außerdem habe ich mich gefragt: Wer schreibt heutzutage noch SMS? Whatts-App-Nachrichten wären da sicherlich die cleverere Variante gewesen.

Musiksteuerung

Zur Musiksteuerung kann ich nur sagen, dass die funktioniert. Ich habe sie einmal ausprobiert, trainiere aber in der Regel am liebsten ohne Stöpsel im Ohr, sodass ich sie nicht weiter benutzt habe. Für Leute, die die Musik im Gym nicht ertragen oder gerne lange Strecken unterwegs sind, ist diese praktische Funktion aber sicherlich ein Pluspunkt.

Akkulaufzeit

Die normale Akkulaufzeit der Fitbit wird mit bis zu 7 Tagen angegeben, wobei die Dauer je nach Einstellungen variieren kann. Ich persönlich habe sie im Durchschnitt alle 5-6 Tage für ein paar Stunden ans Stromnetz angeschlossen. Vielleicht war ich auch einfach zu aktiv!? 😉

Trackingfunktion

Zu den Trackingfunktionen gehören vornehmlich ein Schrittzähler, ein Etagenzähler und eine Funktion, die automatisch Trainingseinheiten erkennt und aufnimmt. Daraus ergeben sich dann weitere Kategorien wie „aktive Minuten“ oder „Stunden mit über 250 Schritten“, die aber eher der Motivation dienen. Etwas seriöser ist dagegen der Kalorienzähler, dessen Daten sich aus Pulsmessung und Grundumsatz ergeben, der wiederum anhand von Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht ermittelt wird.

Schritte und Etagen

SchritteSchritte und Etagen werden nicht gerade genau erfasst. Ich habe manchmal bei Spaziergängen feststellen müssen, dass der Schrittzähler stockte. Ebenso war die Schrittbilanz nie so gut, wenn ich nebenher ein Fahrrad schob (Die Hand am Lenker bewegt sich ja kaum.). Umgekehrt wurden aber Bewegungen des Handgelenkes im Stehen oder so mancher Tritt in die Pedale als Schritt verbucht. Fitbit erklärt diese Abweichungen für minimal, zumal man die Empfindlichkeit der Schrittmessung auch je nachdem, welches Handgelenk das dominantere ist, erhöhen beziehungsweise verringern kann. Als Etagen werden einfach alle 3 zurückgelegten Höhenmeter erfasst, egal, ob auf dem Rad oder zu Fuß. So kommt bei einer Radtour in den Weinbergen schonmal ein „Schwarzwaldabzeichen“ (entspricht 25 Etagen pro Tag) zusammen. Das ist alles aber relativ verzeihlich, da es bei solchen „Motivatoren“ schließlich mehr darum geht, in Bewegung zu bleiben und nicht jeden Zentimeter zu tracken.

Aktive Minuten

Eher enttäuschend als motivierend empfand ich dagegen die Berechnung der aktiven Minuten. Darunter versteht Fitbit eine Spanne von mindestens 10 Minuten überdurchschnittlicher Aktivität. Diese Formulierung ist natürlich für den Nutzer etwas undurchsichtig, auch wenn der Messung genauere Berechnungen zugrunde liegen. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass körperliche Aktivitäten, die unterbrochen waren, nicht wahrgenommen wurden. So galt etwa das Training mit Gewichten, das ja für gewöhnlich Pausen beinhaltet, nicht als aktive Minuten. Selbst wenn die Trainingsfunktion im Vorhinein ausgewählt worden war, ergaben sich aus 45 Minuten Squats, Kreuzheben und Bankdrücken lediglich 16 aktive Minuten. Ähnlich ging es mir mit hochintensiven Trainingseinheiten, bei denen mein Puls für mehr als 10 Minuten ziemlich in die Höhe schnellte, was wegen kurzer Pausen von etwa 30 Sekunden jedoch nicht als aktive Minuten erkannt wurde.

GPS-Messung

Die GPS-Messung habe ich exemplarisch mithilfe der Runtastic-App Vergleichsowie dem Garmin Forerunner 15 überprüft. Bei einem Test, der ein Lauf-ABC, 3 kurze Sprints, zwischendrin einige Gehminuten, einen lockeren Dauerlauf, eine kurze Pause an der Ampel und einen abschließenden Sprint beinhaltete, konnte ich feststellen, dass die beiden Pulsuhren deutlich genauer maßen als die Lauf-App. Mit 3,68 km (Surge) beziehungsweise 3,74 km (Garmin Forerunner) unterschied sich die Länge der Strecke nur marginal. Laut Runtastic bin ich 4,06 Kilometer gelaufen.

Runtastic

Zusammenfassung der GPS-Daten aus der Runtastic-App

Bei der Laufveranstaltung betrug die Abweichung bei der Surge auf 10 Kilometer 250 Meter, was möglicherweise auch daran lag, dass ich nicht den idealen Streckenverlauf gewählt habe. Auch bei sonstigen Läufen sind mir in Bezug auf die GPS-Messung keine nennenswerten Abweichungen aufgefallen.

Pulsmesser

Nun zum Herzstück und Aushängeschild der Uhr, der Herzfrequenzmessung ohne Pulsgurt! Für manche, vor allem die Frauen unter uns, mag es ja durchaus eine Überlegung wert sein, sich ein Gerät ohne störenden Brustgurt zuzulegen. Bisher haben sich noch nicht allzu viele Hersteller an die neue Technologie gewagt, die im Allgemeinen noch nicht voll ausgereift ist. Daher gilt sie unter Läufern meist als nicht verlässlich.

Vorab ein paar Worte zur Funktionsweise einer Pulsuhr mit integrierter Herzfrequenzmessung:
  • Anders als bei Pulsuhren mit Brustgurt, die mit elektronischen Sensoren arbeiten, wird der Puls hier optisch erfasst.
  • Dabei senden LEDs, die an der Rückseite des Gerätegehäuses eingebaut sind, Lichtimpulse aus, die vom Blut am Handgelenk reflektiert werden.
  • Je nachdem, wieviel Blut gerade durch die Adern fließt, werden bestimmte Teile des Lichtes absorbiert. So kann auf die Pumpphase (Systole/Diastole) des Herzens geschlossen und letztendlich aus der Zeitspanne zwischen den einzelnen Herzzyklen der Puls ermittelt werden.
  • Behindert wird eine solche Herzfrequenzmessung eventuell durch dunklen Teint der Haut, starke Behaarung oder einen zu großen Abstand zwischen Haut und Messgerät. Verbessert wird die Messung dagegen, trägt man den Sensor an der Innenseite des Gelenks (, weil dort die Adern besser sichtbar sind).

Insgesamt ist die Messung aufgrund der Technik minimal zeitverzögert. Auch die Genauigkeit der optischen Messung ist etwas geringer als bei einer Messung mittels Elektroden (Pulsgurt). In der Regel reicht sie jedoch für Hobby-Sportler und Gelegenheitsläufer vollkommen aus. Bei bestimmten Sporteinheiten wie beim Intervalltraining jedoch kommt es unter Umständen gerade auf diese genaue Herzfrequenzangabe an, sodass sich eher der Pulsgurt empfiehlt.

Doch nun zur Praxis! Ich habe die Surge – wie schon erwähnt – parallel zum Garmin Forerunner 15 und zur Runtastic-App benutzt, wobei letztere natürlich keine Pulswerte lieferte. Dabei fiel auf, dass die Messung mit Pulsgurt um einiges genauer war, wie die folgende Graphik verdeutlichen soll. (Es handelt sich hierbei nicht um eine maßstabsgetreue Darstellung; es geht lediglich um die Visualisierung.)

Vergleich

in blau bzw. rot der Garmin Forerunner 15, schwarze Linie stellt die Fitbit Surge dar

Der Unterschied am Anfang der Kurve kam dadurch zustande, dass die Garminuhr beim Lauf-ABC in den Pausenmodus überging und erst später wieder einsetzte, als das Training intensiver wurde. Die Dauer der Trainingseinheit und die Durchschnittspace sind auch davon betroffen. (Interessanterweise stimmt aber die Durchschnittsgeschwindigkeit bei Garmin und Runtastic fast exakt überein (7,41 beziehungsweise 7,42 km, während die Dauer bei Runtastic und Fitbit besser zusammenpasst (31,20 Min beziehungsweise 31,23 Min)). Insgesamt vier Sprints, dazwischen einige Gehminuten, ein lockerer Dauerlauf und eine Minute Halt an der Ampel sind aber auf beiden Uhren mehr oder weniger zu erkennen. Die Aussetzer der Surge im ersten Drittel kann ich mir dagegen nicht erklären.

Die Abweichung der Herzfrequenz von 5,4% Prozent scheint nicht allzu dramatisch. Der Kalorienunterschied – 288 kcal bei der Garmin-Uhr und 264 kcal bei der Surge – beträgt dagegen knapp 9%, was sicherlich auf die Pulsfrequenz zurückzuführen ist.

Auch wenn die Pulsmessung nachweislich nicht ganz so genau ist; ein nettes Bonbon bietet die Surge trotzdem. Im Gegensatz zum Pendant von Garmin werden im Online-Portal von Fitbit nämlich verschiedene Herzfrequenzzonen (Fettverbrennung, Cardio und Höchstleitung) aufgeschlüsselt und ein paar Zusatzinformationen über die Tagesbilanz gegeben.

Versuch_2

Die Fitbit-App

Ein großer Pluspunkt ist meines Erachtens die Fitbit-App, die sowohl auf dem Handy als auch auf dem Computer installiert werden kann. Die bessere Übersicht hat man natürlich auf einem größeren Bildschirm; die meisten Angaben kann man aber auch mithilfe des Smartphones überprüfen. Neben den genannten Übersichten zur Schrittanzahl, Herzfrequenz, zurückgelegten Kilometern, Kalorienverbrauch, gesammelten Etagen, aktiven Minuten beziehungsweise Stunden mit über 250 Schritten und Zusammenfassungen zu Trainingseinheiten gibt es hier die Möglicheit, Abzeichen zu sammeln, in den Wettbewerb mit Freunden zu treten und ein Ernährungstagebuch zu führen.

Mehr Infos dazu gibts übrigens in unserem Video zur App:

FitbitApp Review

Wir haben uns für euch die FitbitApp mal ganz ausführlich angeschaut und vorgestellt. Fragen einfach in die Kommentare Abonieren: http://tinyurl.com/pc64dol Mehr Artikel von uns Lesen: http://www.tri-it-fit.de Folge uns doch bei Facebook: http://facebook.com/triitfit

Fazit

Meine persönliche Einschätzung der Fitbit Surge fällt gemischt aus. Der größte Pluspunkt ist meines Erachtens ihre Funktion als Fitnessmotivator. Für Menschen, die ab und zu einen Arschtritt brauchen, um sich zu bewegen, wirklich keine schlechte Idee! Selbst ich als sportlicher Mensch bin zum Beispiel abends oft nochmal ein Stündchen spazieren gegangen, um das Tagesziel der 10.000 Schritte voll zu bekommen.

Das Design ist natürlich aufgrund des dicken Gehäuses, das wiederum dem GPS-System geschuldet ist, nicht ganz so chic wie eine Smartwatch oder andere Modelle von Fitbit. Ich finde es aber dennoch ansprechend. Insofern kann man die Uhr im Alltag und im Training durchaus tragen – sofern keine Hautreizungen auftreten.

Auch die Abweichungen im Puls- und GPS-Bereich halte ich für den normalen Hobbyläufer für absolut vertretbar. Ambitionierten Triathleten würde ich die Surge allerdings nur bedingt empfehlen – zum Einen wegen der fehlenden Wasserfestigkeit, zum anderen wegen der ein oder anderen Ungenauigkeit in der Puls-Messung (Stichwort Intervalltraing). Crossfittern oder Menschen, die viel mit Gewichten zu tun haben, scheint die Surge nicht allzu viel zu bringen, zumal die Zerstörungsgefahr natürlich relativ hoch ist, wenn man mit Kettlebells am Handgelenk hantiert. 😉

Insgesamt hält die Surge, was sie verspricht. Sie bietet die Motivation eines Fitnesstrackers, die Bequemlichkeit einer Smartwatch und im Großen und Ganzen die Genauigkeit einer Pulsuhr. Wer genau diese Kombination haben will, kann bei der Surge beruhigt zugreifen!

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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...