Rennbericht: Der Freiburg Triathlon 2019

Mit Wettkämpfen ist das immer so eine Sache: Erst trainiert man monatelang dafür, fiebert eine Woche lang darauf hin. Un wenn dann endlich der Tag X kommt, sind sie ratzfatz wieder vorbei. So auch beim Freiburg Triathlon 2019.

Doch damit dieser besondere Tag nicht in Vergessenheit gerät, gibt es hier einen kleinen Einblick in die Erfahrungen und Learnings aus dem Wettkampf.

Mit fotografischer Untermalung versteht sich – auch wenn uns leider in Ermangelung eines Fotografen die Bilder auf der Strecke fehlen. Schicksal, wenn man zu zweit startet…

Warum der Freiburg Triathlon?

Wie immer beginnt so ein Rennen in Gedanken ja schon ein Weilchen vorher. Man wählt seine Saisonziele, den Ort und die Distanz.

Für mich (Lotta) stand die Entscheidung, beim Freiburg Triathlon zu starten, schon sehr früh fest.

Zum einen, weil wir hier nur einen Kilometer vom Platz des Geschehens entfernt wohnen. Zum anderen, weil ich meine Zeit aus dem letzten Jahr angreifen und verbessern wollte.

Was liegt also näher, als den Startplatz zu buchen?

Glücklicherweise ist man bei so kleinen regionalen Veranstaltungen nicht gleich ein Vermögen los und so fiel der Klick auf den Button nicht schwer!

Für Schorsch sollte es ein Test für die Mitteldistanz in wenigen Wochen sein. Für mich persönlich war der Freiburg Triathlon quasi der Saisonhöhepunkt.

Freiburg Triathlon 2019

Die Spannung steigt – beim Startnummernabholen

High Hopes

Ziel war es, das Ergebnis des letzten Jahres um ein paar Minütchen zu verbessern.

Letztes Jahr hatte ich mir ausgerechnet, dass ich mindestens auf dem Rad und beim Laufen noch ordentlich Luft nach oben hatte.

Schließlich war ich damals mit einem gebrauchten Rennrad mit Stahlrahmen gestartet und hatte schon so ein paar Leute einsammeln können.

Nun, auf einem ebenfalls gebrauchten, aber superleichten Triathlonrad, das übrigens auch schon mal die Ehre hatte, auf Hawaii zu starten, wollte ich endlich etwas reißen.

Beim Laufen war eine langwierige Laufverletzung mein größtes Handicap. (Die Geschichte mit dem Schienbeinkantensyndrom ist leider immer noch nicht ausgestanden.)

Durch ein ziemlich minimiertes Lauftraining hatte ich einfach nicht so viel Kondition aufbauen können. Ganz zu schweigen von Intervallen…

Aber immerhin hatte ich in den Wochen vorher ein paar Tempoläufe absolviert, die etwas mehr versprachen als mein klägliches Schneckentempo.

Das Schwimmen ist bei uns nachgeborenen Triathleten ja immer so eine Sache, aber auch da machte ich im Laufe des Jahres Fortschritte und hoffte auf ein gutes Rennen.

Heimlich träumte ich schon von einer sub 2:30, wobei ich natürlich wusste, dass das schwer werden könnte…

 

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Die Tage davor

Freiburg Triathlon 2019

Haben wir etwas vergessen?

In den Tagen vor dem Wettkampf bin ich immer ein Nervenbündel.

Es ist fast so schlimm wie vor der Abiprüfung, bei der ich mir erst in die Hosen gemacht, und dann mit Bravour bestanden habe.

Aber irgendwie muss man auch diese Tage überstehen, tapern, sich gut ernähren und und und.

Dadurch, dass ich den Freiburg Triathlon ja schon einmal absolviert hatte, war der Knoten im Kopf auch nicht mehr ganz so groß.

Schließlich kommen einem da so allerhand Fragen in den Sinn, etwa:

  • Wie überlebe ich den Massenstart?
  • Was mache ich, wenn ich einen Platten habe?
  • Hoffentlich kann ich die 12 Meter Abstand (wegen des Windschattenfahrverbots) richtig einschätzen und werde nicht disqualifiziert!
  • Hält meine Blase auf der Laufstrecke durch?

usw.

Schließlich hatte ich auch den Luxus, die Strecken vom Freiburg Triathlon schon im Training auszutesten – mit Ausnahme der Bundessstraße versteht sich!

Also versuchte ich, positiv zu denken und es auf mich zukommen zu lassen.

Freiburg Triathlon 2019

Die Ruhe vor dem Sturm

Der Rennverlauf

Das Schwimmen

Am Wochenende war es dann endlich soweit: Startnummern abholen, Sachen zurechtlegen, bloß nicht zu viel Gemüse essen und noch einmal tief schlafen.

Am Rennmorgen dann Fahrräder in der Wechselzone einchecken, Rennbesprechung und ein letztes Mal aufs Töpfchen!

Freiburg Triathlon 2019

Beim Bike-Check-In. Wie beim letzten Mal hatten wir zwei Plätze nebeneinander. :)

Natürlich war mal wieder Gewitter angesagt, aber das ließ auf sich warten. Bis auf ein paar Tropfen in der Nacht blieb es trocken.

Freiburg Triathlon 2019

Zum Glück wurde es erst beim Bike-Check-Out bedrohlich dunkel

Somit war bei Lufttemperaturen um 20°C am Morgen auch klar, dass es ein Neoverbot geben würde. Zum Glück für uns, denn wir hätten sowieso keine Ganzkörperkondome parat gehabt.

Die Wassertemperatur von angeblich 24°C war anfangs trotzdem gewöhnungsbedürftig. Aber bei so einem Rennen wird einem ja schnell warm…

Erst recht bei einem Massenstart, der mal wieder eng zu werden drohte.

Schorsch und ich hatten uns extra ein wenig weiter hinten positioniert. Er, um am Rand am Pulk vorbeizuziehen, was sich im Nachhinein als cleverer Schachzug entpuppte.

Ich dachte, ich könnte mich irgendwie durchmogeln. Aber falsch gedacht. Ein Alphatier rechts, ein Alphatier links und du hast schon so viel Wasser geschluckt, dass es für den Rest des Tages reicht!

Also viele Umwege geschwommen, um wenigstens nicht ganz hinten zu versumpfen.

Immerhin schaffte ich es, halbwegs ruhig zu atmen und ein gleichmäßiges Tempo zu schwimmen. Was keineswegs bedeutet, dass ich mein Potential ausgeschöpft hätte.

Wegen des unfreiwillig genossenen Algencocktails – leider keine Superfood Algen – machte sich mein Magen unangenehm bemerkbar und ich hoffte einfach nur, bald aus dem Wasser steigen zu können.

Die Radstrecke

Als ich das tat, glaubte ich, Schorsch sei schon über alle Berge. Aber zum Glück haben wir uns in der Wechselzone wenigstens kurz gegenseitig anfeuern können.

Was ich allerdings vermisste, war die Musik in der Wechselzone. Letztes Jahr hatte mich diese so sehr gepusht, dass ich wirklich nur grinsend auf dem Rennrad saß.

Dieses Mal blieben die Lautsprecher still (Danke an die Anwohner für Nichts!).

Somit blieb mir nichts, als mich auf ein Lied zu konzentrieren, das mir der Schorsch vor dem Rennen noch vorgespielt hatte. Leider passet der Rhythmus nicht so ganz zu meinem Tritt.

Die Radstrecke war eigentlich der Part, auf den ich mich am meisten gefreut hatte.

Auf der abgesperrten Bundesstraße zu düsen, macht einfach einen Heidenspaß. Zumindest unter normalen Umständen.

Dass heute kein normaler Tag war, spürte ich schnell. Denn die Beine waren nicht die frischesten.

So hieß es, die Schmerzen zu ignorieren und herauszuholen, was es zu holen gab.

Schließlich wollte ich in meiner stärksten Disziplin nicht auch noch schwächeln.

Also brachte ich ordentlich Druck auf die Pedalen, auch wenn das an Stellen mit Gegenwind und kleiner Steigung kein Zuckerschlecken war.

Auf diese Weise konnte ich auch ein paar Damen und Herren der Schöpfung einsammeln. Einige davon missachteten das Windschattenfahrverbot leider sträflich.

Man sah zum Teil ganze Trauben zusammen fahren.

Ich hoffte also auf wachsame Wettkampfrichter und machte weiter mein Ding.

Dabei nippte ich ab und zu an meinem Trinksystem, dessen Inhalt ich natürlich fast umsonst spazieren fuhr.

Bis ich plötzlich von der anderen Straßenseite her jemanden ganz laut „Lotta“ hören rief.

Das konnte nur der Schorsch sein. Wer sonst hätte mich auf dem Rad erkannt?

Da es auf der Strecke mehrere Wendepunkte gab, war klar, wo ich zu suchen hatte.

Ich ging also auf Verfolgungsjagd. Weniger, um Schorsch zu überholen, als um noch ein paar nette Worte mit ihm zu wechseln.

Freiburg Triathlon 2019

Schorschs Rennrad. Mit Stahlrahmen. Sagt alles, oder?

Allerdings war es gar nicht so einfach, ihn zu finden. Denn interesssanterweise scheinen schwarz und rot gerade die Modefarben in den Einteilerkollektionen diverser Hersteller zu sein.

Als ich Schorsch dann endlich eingeholt hatte, brüllte er mir noch hinterher, ich solle Gas geben!

Das tat ich denn auch auf die letzten Kilometer.

Vielleicht ein bisschen zuviel.

Die Uhr zeigte bergauf und mit Gegenwind an die 34 km/h an. Das konnte nicht gut gehen.

Zumindest nicht bei meiner mäßigen Laufleistung.

Aber ich dachte mir: Auf dem Rad machst du mehr wett als beim Laufen – und es tut nicht ganz so sehr weh…

Die Laufstrecke

Dafür musste ich dann wohl bei der dritten Disziplin büßen.

Wie auch letztes Jahr überholte mich Schorsch noch beim Anfahren an die Wechselzone und zog los.

Ich fühlte mich schon beim ersten Schritt ausgepowert. Hatte nicht mehr allzu viele Körner übrig.

Ich wusste von meinen Koppeltrainings, dass ich eine 5:30er Pace anpeilen könnte.

Doch in meinem Bauch gluckerte und rumorte es.

Und vom ständigen Auf und Ab auf dem Kurs bekam ich Seitenstechen, sodass ich nicht wirklich pushen konnte.

Die Laufstrecke führte nämlich vier Runden zwischen zwei Wendepunkten hin und her und somit einen Hügel runter und dann wieder herauf.

Erst nach 3-4 Kilometern kam mir die glorreiche Idee, den Atemrhythmus umzustellen, damit ich nicht mehr ganz so im Lokomotivenmodus durch die Prärie zu schnaufen brauchte.

Das half zwar nach einer Weile. Jedoch hatte ich da schon kaum noch Power und wurde gefühlt scharenweise überholt.

Irgendwann zwischendurch kam auch das Führungsfahrrad mit der Aufschrift „1. Frau“ vorbei und hielt sich direkt vor mir. Ich wollte aber natürlich fremde Lorbeeren ernten und überließ der Dame den Vortritt. (Sie war sicher schon ein paar Runden weiter als ich.)

 

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An mein gestecktes Ziel glaubte ich da schon nicht mehr. Ich konzentrierte mich einfach nur darauf, irgendwie weiter zu laufen und das Ding zu finishen.

„Aufgeben kannst du im Ziel!“ dachte ich mir.

Immerhin konnte ich mir das Rennen in Runden einteilen und freute mich über jeden Meter, der nicht aufwärts führte.

Meine übliche Betriebstemperatur war allerdings bei 27° C im Schatten bereits deutlich überschritten.

Doch auch wenn ich bei jeder Runde an der Verpflungsstation eine Wasserdusche nahm und mich sogar Leute aus dem Publikum mit Namen anfeuerten, wurde ich von Mal zu Mal langsamer.

Eine kurze Begegnung mit Schorsch am Wendepunkt war für ihn wohl sehr deprimierend. Ich glaube, er hat sich wirklich Sorgen um meinen Zustand gemacht.

Der änderte sich nicht wirklich, bis ich endlich ins Ziel einlaufen und noch die letzten Meter einen kleinen Endpsurt hinlegen konnte.

Im Ziel

Im Ziel wäre ich am liebsten zusammengebrochen. Aber ich war so vernünftig, mir erst einmal ein paar Wasserbecher zur Akklimatisierung zu besorgen.

Freiburg Triathlon 2019

Die obligatorische Dusche danach! Unbeschreiblich!

Dann erst wagte ich einen ernüchternden Blick auf die Uhr.

2:39.

Nicht gerade meine Traumzeit.

Aber im Ziel zu sein, ohne angehalten zu haben, war schon ein Gewinn.

Schorsch war es leider ähnlich schlecht ergangen wie mir. So konnten wir uns wenigstens trösten und gegenseitig aufmuntern.

Doch enttäuschend ist so ein Ergebnis schon, wenn man bedenkt, wie viel Zeit man in das Training investiert hat.

 

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Bilanz: Was lernen wir daraus?

Zunächst einmal: es kann immer etwas schief laufen. Nicht für jeden Fehler gibt es einen Verantwortlichen.

Manchmal hat man einen schlechten Tag. Und Mal gibt es eben Pleiten, Pech und Pannen.

Aber als Triathleten, die ständig daran arbeiten, sich zu verbessern, wollen wir uns natürlich nicht auf Zufällen ausruhen oder entschuldigen.

Schließlich wollen wir ja aus dem Scheitern lernen, damit wir stärker werden!

Hier also unsere Schlüsse aus dem Finish:

1. Wettkämpfe brauchen Routine

Vor allem in meinem (Lottas) Fall gilt: ich muss irgendwie meinen Kopf in Zaum halten.

Im aufgeregten Zustand macht der leider, was er will und dann ist man sich schnell mal unsicher, wie man am besten tapern soll und macht alle möglichen Sachen im Vorhinein falsch.

Und dass ein Dickschädel auch nen Haufen Energie verbrennt, ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen.

Sicher hätten mir 1-2 Test-Triathlons dieses Jahr ganz gut getan. Dann hätte ich mit mehr Ruhe und vielleicht etwas realistischer an das Ding herangehen können.

2. Weniger ist mehr!

Das zeigt sich vor allem beim Masserstart. Man sollte Nerven schonen, wo man kann. So bleibt mehr Kraft zum Kraulen!

Also lieber ne halbe Minute warten und am Rand schwimmen als sich ständig mit den Mitstreitern zu prügeln.

Das gilt vielleicht auch auf dem Rad. Kleine Sünden sieht der liebe Gott gleich. Und Überpacen wird leider hart bestraft.

3. Ernährung ist eine Wissenschaft für sich

Während wir beide normalerweise auf nüchternen Magen gute Ergebnisse beim Laufen bringen, war es mit Kohlenhydraten zum Frühstück, Gels auf der Radstrecke bzw. beim Laufen überhaupt nicht easy.

Möglicherweise kehren wir doch wieder zu einer fettreicheren Ernährung zurück, bei der man sich auf kürzeren Distanzen gar nicht verpflegen muss und folglich auch keine Magenprobleme bekommt!

Vorausgesetzt natürlich, das mit dem Wasserschlucken bleibt in Zukunft aus!

4. Trotzdem: Jeder, der finisht, kann stolz auf sich sein!

Auch wenn manches nicht so lief wie gewünscht, haben wir den Freiburg Triathlon dennoch durchgezogen. Das ist gerade dann viel wert, wenn es schwer ist und weh tut!

Natürlich sollte man nie seinen Körper außer acht lassen oder die Gesundheit aufs Spiel setzen.

Aber etwas Hartes zuende zu bringen, ist definitiv ein Schritt weiter als einfach aufzugeben!

In diesem Sinne arbeiten wir weiter und freuen uns schon auf die nächsten Rennen!

Freiburg Triathlon 2019

Was zählt, ist das Finish

Trainingspläne & Co

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Über den Autor

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Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig - und mit Spaß - jedes Mal aufs Neue zum Training.

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