Lottas Plauschbecken IV: Der Schwimmbad-Blues

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So ein Schwimmbad hat irgendetwas Abstoßendes an sich. Zumindest zeigt es sich meistens von seiner hässlichsten Seite, wenn ich mich zu einer Runde Planschen aufmache.

Schon, wenn ich die Tür öffne, komme ich mir sprichwörtlich vor wie in einer – wie auch immer gearteten – Anstalt. Zuerst trifft mich ein Schwall gechlorter Luft, der sich mit leisen Düften der Inkontinenz anderer Besucher mischt…

An der Eintrittsschranke habe ich dann so meine liebe Mühe. Da diese Geräte ja alle Nase lang erneuert oder die Preise erhöht werden, muss ich erst den schlecht gelaunten Bademeister um Hilfe bitten, bevor ich mit meiner 20er-Karte Zutritt bekomme. Habe ich mich dann einmal zu den Kabinen vorgekämpft, treffe ich dort eine Klasse vorpubertierender Mädels. Die einzige Rettung vor ihren Gesprächen sind Einzelumkleiden, die ich dankend annehme. Da sie für alle meine zu verstauenden Utensilien kaum Platz bieten, erdreiste ich mich auch -ab und zu – eine ganze Familienkabine zu besetzen!

In der Dusche brüllt sich ein Baby so die Seele aus dem Leib, dass mir fast die Ohren abfallen.

Nach der Dusche – so kalt wie möglich, um den Schock im Becken zu verringern – geht es in den Hauptraum der Anstalt. In den Nichtschwimmerbecken tummeln sich Baby-Schwimmkurse oder Aerobic-tanzende Mittfünzigerinnen, die bei grausamen 90er-Beats versuchen, ihren Speck loszuwerden. Im Schwimmerbecken, das zu meiner Enttäuschung natürlich auf 25 Meter verkürzt ist, hält eine Horde Renter einen kleinen Plausch am Beckenrand, während die Profis sich zu viert auf einer Bahn voll die Kante geben.

Ich stehe wie so oft vor der Überlegung, ob ich mich zu ihnen wagen oder doch lieber die kaffeeklatschenden Omas und Opas im Kauf nehmen soll. Da mich jedoch Drängler unglaublich stressen, entscheide ich mich für Letzteres. Hier falle ich wenigstens nicht so auf, wenn ich nach 100 Metern hechelnd den Kopf auf dem Becken recke. Außerdem kann ich mich dort in Ruhe einschwimmen, ohne mich für meine eigenartigen Methoden schämen zu müssen.

Nach einem kurzen Slalom um sämtliche verfügbaren Popos und Badekappen, liebäugele ich dann doch mit der Schwimmerbahn. Die Kinder am Beckenrand drohen mir ohnehin schon ständig auf den Kopf zu springen. (Natürlich schauen die unfähigen Bademeister immer weg, wenn das passiert..) Und ein Typ von der Nebenbahn tritt mich sowieso schon alle Nase lang. Dann kann ich mich auch gleich zu ihm und den anderen Verrückten wagen.

Doch ich will ja auch wieder niemanden belästigen. Also reihe ich mich in eine mir groß genug erscheinende Lücke ein. Die ersten 2 Bahnen funktionieren. Dann wird es eng. Jemand hinter mir will eindeutig überholen. Doch auf der Gegenbahn ist kein Platz, weil irgendein Idiot meint, auf der vollen Bahn Rückenschwimmen zu müssen…

Diese Möchtegern-Triathleten sind mir sowieso ein Rätsel! Nehmen keine Rücksicht auf niemanden, wenn es darum geht, ihre Bahnen durchzuballern. Aber wenn sie Techniktraining machen, dann haben sie die Ruhe weg. Rücken, Brust, mit Paddles, mit Flossen und natürlich mit dem geliebten Pullbuoy tingeln sie vor sich und anderen dahin. Mir hat diese Art Mensch schon viele Kopfschmerzen bereitet. Denn wie will man in Ruhe die Angst vorm Wasser überwinden, wenn man jederzeit Gefahr läuft, von jemandem überschwommen zu werden, der naturgemäß am Hinterkopf keine Augen besitzt? Warum geht man für solche Spirenzchen nicht einfach an die Seite?

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Weiterschwimmen, nicht drüber nachdenken. Ein eigenes Schwimmbad müsste man haben! Einfach eine Bahn ganz für sich alleine. Oder noch besser: Eine Gegenstromanlage! Wär das ein Luxus.

Während ich mich weiter abmühe, spricht mich ein älterer, etwas untersetzter Herr an. Ich solle doch den Kopf tiefer nehmen und die Arme stärker durchziehen. Und überhaupt: Mein Beinschlag müsse mehr aus den Hüften kommen… Etwas perplex frage ich mich, ob auf meiner Stirn so etwas steht wie „Anfängerin! Bauche unbedingt Ihren Ratschlag!“ Aber da ich höflich bin, nicke ich natürlich und versuche, so schnell wie möglich aus seiner Reichweite zu gelangen.

Bevor ich gänzlich aufgebe, kann ich nur staunend die Kinder aus dem Schwimmkurs beobachten, die ohne Probleme an mir vorbeiziehen. Sie machen sich offenbar keine Gedanken über Schubser, Drängler, Trödler und Belehrer. Sie haben es einfach drauf. Hätte ich nicht meine Fähigkeiten aus dem Babyteich auch so konservieren können?

So sehr mich die Gerüche, die Geräuschkulisse und die durchwachsene Klientel im Schwimmbad auch belasten: Am allermeisten ärgert es mich immer noch, wenn die Tür ganz verschlossen bleibt und mein Training ins Wasser fällt! Vielleicht ist diese Hassliebe ja doch nicht zum Scheitern verurteilt!?
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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...