Sport zahlt sich aus – auch bei der Krankenkasse

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Vor Kurzem geriet die AOK Nordost positiv in die Schlagzeilen: Die gesetzliche Krankenkasse hatte bekannt gegeben, dass sie den Kauf einer Apple-Watch mitfinanzieren wolle. Ähnliches gilt auch für andere zu Fitnesszwecken nutzbare Geräte wie Pulsmesser oder GPS-Uhren. Jeder registrierte Kunde, der sich ein Gerät zulege, das Daten wie die Herzfrequenz, Streckenlänge, Höhenmeter, Geschwindigkeit und Kalorienverbrauch erfasse, habe alle zwei Kalenderjahre Anspruch auf 50 Euro von der Kasse.

Ähnliche Anreize setzen auch die anderen Krankenversicherungen. Die Barmer GEK  beispielsweise bietet eine App namens Fit2Go, die auch Nicht-Versicherte zur Bewegung anreizen soll. Auch die Techniker Krankenkasse will bis Ende des Jahres einen Gesundheitscoach herausbringen. Das Angebot der AOK ist jedoch bisher einmalig.

Das ist noch nicht alles

Der Zuschuss ist eins von mehreren attraktiven Angeboten, die die gesetzlichen Krankenkassen im Zuge ihrer Bonusprogramme – inzwischen schon seit mehreren Jahren – machen. Neben Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen gehören auch die Teilnahme an bestimmten Bewegungsmaßnahmen oder Sportkursen dazu. Gegen entsprechende Nachweise wird so u.a. auch der Besuch im Fitessstudio honoriert. Die Prämie, deren Höhe je nach Krankenkasse variiert, kann dann entweder in bar eingefordert oder als Bonus angerechnet werden, sodass sich der Beitrag für den Versicherten einmalig verringert.

Gegenseitiger Nutzen

Dahinter steckt natürlich die Überlegung, dass Menschen, die sich regelmäßig bewegen und viel Sport treiben, in der Regel gesünder leben und somit geringere Kosten für die Versicherung verursachen. Die Teilnahme an einem Bonus-Programm lohnt sich allerdings nur dann, wenn mindestens drei Maßnahmen innerhalb eines Jahres wahrgenommen werden. (Zum Vergleich hier eine Übersicht über die Konditionen der Bonusprogramme von einzelnen Krankenkassen.) Nur die Kombination aus ärztlichen Untersuchungen, Gesundheitskursen oder der Mitgliedschaft im Sportverein wird nämlich belohnt. Für die meisten lohnt sich das nicht, weil es viel Zeit und zum Teil auch Geld kostet. Schließlich müssen der Sportkurs oder das Fitnessstudio weiterhin selbst bezahlt werden. Für diejenigen aber, die ohnehin schon in der Muckibude trainieren, kann es nicht schaden, den Bonus einzustreichen. Gleiches gilt natürlich auch für den Zuschuss zur Apple-Watch: Wenn man bedenkt, wie teuer ein solches Messgerät ist, stellt der Fuffi sicherlich keinen Wechselgrund zur AOK, aber immerhin ein nettes Bonbon für die Fitnessbewussten, dar.

Hintergedanken?

Soweit alle Beteiligten die Bedingungen kennen, ist nichts gegen das Angebot einzuwenden. Trotzdem äußern sich Datenschützer skeptisch. Sie befürchten, dass Informationen über den körperlichen Zustand der teilnehmenden Personen von den Fitnesstrackern an die Krankenkassen übermittelt werden könnten. Diese hätten dann die Möglichkeit,  persönliche Daten auszuwerten und sportunwillige Menschen in Zukunft zu benachteiligen. Laut Pressesprecherin der AOK ist dies jedoch nicht der Fall. Es bestehe kein überhaupt kein Interesse daran zu erfahren, welche sportlichen Ziele ein Kunde mit der Apple-Watch erreiche. Allein der Anreiz zu einem gesunden Lebensstil zähle. Bleibt zu hoffen, dass sich das in Zeiten der totalen Überwachung nicht ändert und weitere Krankenversicherungen nachziehen!

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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...