Streakrunning – Macht jeden Tag laufen wirklich Sinn?

Vielleicht hast Du es auch schon mitbekommen: Seit mittlerweile vier Jahren ruft das Magazin Runnersworld im Januar dazu auf, jeden Tag laufen zu gehen. Das sogenannte Streakrunning ist für viele Läufer eine coole Challenge zu Jahresbeginn. Und es gibt sogar einige, die dieses Ziel nicht nur 31 Tage lang, sondern über Monate oder gar Jahre verfolgen.

Doch was steckt eigentlich dahinter?

Ist Streakrunning nur ein Trend oder eine sinnvolle Trainingsmethode?

Worin liegen die Vorteile des täglichen Laufens und welche Risiken gibt es eventuell?

 ❗️ Höre hier im Podcast mehr über Streakrunning 🎧👇 

Was ist Streakrunning?

Das englische Wort „streak“ heißt soviel wie Streifen, Strähne oder Spur – man könnte fast sagen „Glückssträhne“.

Beim Streakrunning handelt es sich also quasi um eine Serie von täglich aufeinander folgenden Läufen.

Die Regeln sind denkbar einfach:

Es gilt nämlich,

  • jeden Tag zwischen 0 und 24 Uhr
  • ohne künstliche Hilfsmittel oder Unterstützung von anderen
  • mindestens eine Meile (1,6 km) am Stück zu laufen

Idealerweise wird das Ganze dann auch dokumentiert, damit man später nachvollziehen kann, wann der Streak begann und wann er aufgehört hat.

Gemäß diesen Bestimmungen endet ein Streak immer dann, wenn eine Lücke zwischen zwei Lauftagen entsteht.

Es ist also auch nicht erlaubt, einen Lauf für den nächsten Tag vorzuziehen oder einen vom Vortag nachzuholen.

Ein neuer Trend? Die Geschichte des Streakrunnings

Auch wenn es hierzulande erst seit einigen Jahren im Kommen ist, ist Streakrunning an sich keine neue Idee.

Tatsächlich nahm dieser Trend in den USA schon in den 60er Jahren des letzten Jahrtausends seinen Anfang.

Im Jahr 2000 wurde dann auch eine Vereinigung für Streakrunner, die Unitaed States Streak Running Association geggründet.

Laut deren Liste startete Jon Sutherland die längste noch aktive Serie bereits am 26.05.1969.

Den bis dato gültigen Rekord hält noch der Brite Ron Hill. Er hielt vom 21.12.1964 bis zum 29. Januar 2017 durch – also 52 Jahre und 39 Tage!

Der dreimalige Olympiateilnehmer und Sieger des Boston-Marathon 1970 musste im Alter von 78 Jahren wegen Herzproblemen eine Laufpause einlegen.

Warum jeden Tag laufen?

Auch wenn 1,6 Kilometer nicht die Welt sind, fragt sich, warum man jeden Tag laufen sollte.

Die Gründe hierfür sind natürlich vielfältig und individuell verschieden.

Viele reizt wahrscheinlich die Herausforderung.

Schließlich gilt es, den viel beschworenen inneren Schweinehund zu überwinden und die Motivation dauerhaft aufrecht zu erhalten.

Mancher möchte sich vielleicht selbst beweisen, dass er/sie das kann – körperlich und mental!

Dazu kommt, dass man so eine Challenge ja meist in Gemeinschaft meistert, sich gegenseitig pusht und anspornt.

Immerhin wird auch von offiziellen Laufmagazinen oder größeren Accounts in den sozialen Medien dazu aufgerufen.

Gerade, wenn der Streak auf eine bestimmte Zeit begrenzt ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass viele mitmachen, ja besonders hoch.

Nebenbei lässt sich so ein Streak auch medienwirksam darstellen – und wer hat nicht gerne ein bisschen Insta-Fame?

Ganz abgesehen davon gibt es sicher auch Läuferinnen und Läufer, die sich einen besonderen Trainingsreiz vom Streakrunning versprechen oder tägliches Laufen als eine Art der Meditation ansehen.

Vor- und Nachteile von Streakrunning

Streakrunning als Training?

Eins vorweg: einen speziellen Trainingseffekt oder eine verbesserte Fitness wirst Du vermutlich nicht erreichen, wenn Du täglich läufst.

Es ist eher so, dass Streakrunning bestimmten Prinzipien wie der Superkompersation zuwiderläuft.

Wie das?

In der Regel braucht es einen aureichenden Trainingsreiz, um eine Anpassung im Körper zu erreichen.

Um Deine Leistungs zu verbessern, musst Du also immer wieder neue Reize setzen, indem Du zum Beispiel immer länger oder besonders schnell läufst.

Auf diesen Reiz muss allerdings eine Phase der Erholung folgen.

Sonst hat der Körper gar keine Zeit und Gelegenheit, neue Strukturen wie Muskeln oder Mitochondrien zu bilden.

Wenn Du nun aber jeden Tag laufen gehst, fehlt Dir diese Phase, in der Deine Leistung zunimmt.

Demzufolge könnte Streakrunning zu folgenden beiden Szenarien führen:

  1. Du setzt regelmäßig Reize, aber Dein Körper kann sie auf die Dauer nicht kompensieren. Letzten Endes führt das häufig zu Verletzungen oder Übertraining.
  2. Du setzt keine besonderen Reize, um Deinen Körper zu schonen, sondern läufst beispielsweise jeden Tag dieselbe Strecke im selben Tempo. Dadurch muss gar nichts kompensiert werden. Aber es geht leistungstechnisch auch nicht voran.

Vermutlich ist beides für Dich nicht erstrebenswert.

Du siehst also, dass Streakrunning nicht wirklich dazu geeignet ist, um sich läuferisch weiterzuentwickeln.

Das soll allerdings nicht heißen, dass es keine Berechtigung hätte.

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Die mentale Herausforderung täglich zu laufen

Auch wenn Streakrunning Dir für Deine Fitness also nichts bringen wird, kann es Dich mental stärker machen.

Schließlich musst Du Dich jeden Tag dazu überwinden, Deine Laufschuhe zu schnüren und bei jedem Wetter vor Die Tür zu gehen – es sei denn, Du hast ein Laufband zu Hause, aber selbst dann müsstest Du ja noch alleine laufen.

Und das kann einem nach einem harten Arbeitstag oder wenn man müde und k.o. ist, schon manchmal schwerfallen.

Es braucht Willenskraft, ja eine gewisse Disziplin, um sich jeden Tag zu motivieren.

Selbst, wenn Du schon eine Routine aufgebaut hast, wirst Du Dich vielleicht manchmal aufraffen müssen.

Insofern kannst Du mit Streakrunning sicherlich etwas für Deine mentale Stärke tun.

Bei Risiken und Nebenwirkungen…

Süchtig nach Laufen?

Allerdings hat die ganze Sache natürlich auch einen Haken: die Sogwirkung!

Nehmen wir an, Du nimmst Dir vor, von jetzt an jeden Tag zu laufen, ohne Pause.

Dann wird sich die Gewohnheit vielleicht nach ein paar Wochen oder Monaten einpendeln.

Aber wenn Du mal aus einem wirklich triftigen Grund – zum Beispiel wegen einer Erkältung – pausieren möchtest, sitzt Du in der Zwickmühle:

Solltest Du dann wirklich Deinen Streak beenden?

Bei 90 Tagen mag das ja noch angehen. Aber was, wenn Du bereits ein paar Jahre lang am Stück läufst?

Wie Du siehst, wächst die Hürde, einen Streak aufzugeben, eigentlich von Tag zu Tag.

Das birgt die Gefahr, dass Du bei einer ernsthaften Verletzung oder Krankheit zu lange daran festhältst und weiterer Schaden entsteht.

Auch bei einer langen Laufserie solltest Du aber niemals das Gefühl für Deinen Körper verlieren und auf seine Zeichen achten.

Die Dosis macht das Gift

Gleiches gilt natürlich, wenn Du mehr als die vorgegebene Meile laufen möchtest.

Im Advent gibt es immer wieder Läuferinnen und Läufer, die sich vornehmen, die Kilometeranzahl am Datum auszurichten.

Sprich: am 1. Dezember läuft man einen Kilometer, am 2. zwei, am 3. drei und so weiter.

Bis man dann irgendwann 22, 23 und 24 Kilometer an drei aufeinanderfolgenden Tagen hinter sich bringen muss.

Für sehr erfahrene Athletinnnen und Athleten, die vielleicht auch schon mehrere Marathons gelaufen sind, mag das ein netter Contest sein.

Bei den meisten führt das wohl eher zu Übertraining und Verletzungen.

Das passiert vielleicht nicht sofort, aber auf die Dauer melden sich die Achillessehne, das Schienbein oder das Knie ganz bestimmt.

Denn man darf nicht vergessen: auch wenn die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System sich schnell an die Belastung anpassen: die Sehnen, Bänder, Knochen, Knorpel und Gelenke brauchen bis zu 6 Mal so lange, um das zu verkraften!

Mit solchen Experimenten kannst Du Dir leider oft mehr kaputt machen als dass Du Dir selbst einen Gefallen tust!

Für wen ist Streakrunning geeignet?

Streakrunning ist auf jeden Fall mit Vorsicht zu genießen.

Und es ist nichts für jeden/jede.

Für Lauf-Anfänger ist Streakrunning ein absolutes No Go.

Wenn Du dagegen bereits längere Zeit – also mindestens ein komplettes Jahr ohne Verletzungen oder sonstige Zwischenfälle – läufst, ist es sicherlich okay es zu probieren.

Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Du die Zeichen Deines Körpers ganz genau im Blick hast und richtig deuten kannst.

Und auch dann solltest Du keine revolutionäre Leistung erwarten.

Das Ziel des Streaks liegt eigentlich darin, den Willen zu stärken und nicht Rekorde aufzustellen.

Trainingsempfehlung

Zu guter letzt wollen wir Dir noch ein paar praktische Tipps zum täglich laufen an die Hand geben.

1. Suche Dir ein realistisches Ziel (gemessen an Deiner bisherigen Leistung)

Wenn Du es mit Streakrunning probieren möchtest, bietet sich ein begrenzter Zeitraum von zum Beispiel einem Monat an.

So werden die Risiken minimiert und die positiven Aspekte verstärkt.

Ganz generell solltest Du Dich an der Faustformel „10% Steigerung pro Woche“ orientieren.

Wenn Du beispielsweise normalerweise auf eine Wochenkilometerzahl von 30 Kilometern kommst, solltest Du in der kommenden Woche maximal 33 Kilometer absolvieren.

Das gilt es auch beim Streakrunnning zu berücksichtigen.

Teile Dir die Tageskilometer entsprechend ein, sodass du diese Zahl nicht überschreitest.

2. Steige langsam ein

Meistens ist es keine gute Idee, von jetzt auf gleich jeden Tag laufen zu gehen.

Stattdessen solltest Du die Anzahl Deiner Laufeinheiten pro Woche langsam steigern, bis Du wirklich täglich eine Einheit absolvierst.

Wenn Du beispielsweise normalerweise 3 Mal läufst – sagen wir am Sonntag, Mittwoch und Freitag – empfiehlt es sich, die Anzahl der Läufe langsam anzupassen.

In den nächsten paar Wochen könntest Du auf ein alternierendes System umschwenken, bei dem Du jeden zweiten Tag läufst.

Wenn das eine Weile lang gut ging, kannst Du dann nach und nach noch einen Tag dazunehmen, bis Du irgendwann täglich läufst.

Mit der steigenden Anzahl der Lauftage solltest Du natürlich die Umfänge der einzelnen Läufe entsprechend verringern, wie im ersten Punkt beschrieben.

3. Achte auf die Zeichen Deines Körpers

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber es gibt leider genug Läuferinnen und Läufer, die das ignorieren.

Daher sagen wir es hier noch einmal ganhz ausdrücklich:

Wenn Du krank oder verletzt bist, ist Streakrunning Tabu!

Egal, wie lange Deine Laufseire schon anhält: Halte niemals daran fest, wenn Du eine Verletzung oder Krankheit hast.

Schon eine scheinbar harmlose Erkältung kann eine gefährliche Herzmuskelentzündung zur Folge haben.

Daher lass Dich niemals dazu verleiten, nur um der Zahlen willen oder aus falschem Stolz weiter zu laufen.

Du hast nur diesen einen Körper und diese Gesundheit!

Also geh verantwortungsvoll damit um.

4. Erhol Dich gut

Wenn Du Deinen Beinen schon keine Pause gönnst, dann sorge dafür, dass Du auf andere Art und Weise regenerieren kannst – sei es, in der Sauna, bei einer Massage oder einem Eisbad (eher was für den Sommer).

Die allerwichtigste und beste Regenerationsmaßnahme ist natürlich Schlaf.

Aber auch gute Ernährung mit genügend Mineralstoffen und Vitaminen ist wichtig, damit Dein Körper alle Reserven nach dem Training wieder auffüllen kann.

Fazit

Wie Du siehst gibt es die unterschiedlichsten Gründe, jeden Tag zu laufen.

Auf die Frage, ob es Sinn macht, können wir nur mit dem berühmt berüchtigten „Es kommt darauf an…“ antworten.

Was die mentalen Aspekte angeht, ist es sicherlich einen Versuch wert.

Zur Verbesserung der Leistung wird es dagegen wohl kaum beitragen.

Im Allgemeinen ist Streakrunning nur fortgeschrittenen Läufern zu empfehlen.

Und auch wenn Du erfahren bist, solltest Du immer vorsichtig sein und genau im Blick haben, wie Dein Körper auf dieses Experiment reagiert und ihn sonst schonen.

Wir wünschen Dir immer fröhliches und beschwerdefreies Laufen!

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Hinweis: All unsere Empfehlungen wurden sorgfältig ausgewählt, erarbeitet und geprüft. Sie richten sich an gesunde Erwachsene, die keine (Vor)Erkrankungen aufweisen. Keiner unserer Artikel kann oder soll Ersatz für kompetenten medizinischen Rat bieten. Bevor Du mit dem Training beginnst, konsultiere bitte einen Arzt und lass Dich durchchecken.

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Über Lotta

Mit einem geisteswissenschaftlichen Studium war Lotta nicht gerade prädestiniert für eine sportliche Karriere. Aber sie hat den Triathlon quasi auf dem zweiten Bildungsweg kennengelernt und betreibt dieses Hobby nun mit sehr viel Ehrgeiz. Und als waschechte Historikerin hat sie das Recherchieren und Schreiben im Blut. Wenn sie nicht gerade trainiert oder bloggt, korrigiert sie die Rechtschreibfehler von Autoren oder bringt Lehrern bei digital zu unterrichten.


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