Superfood – Ein undurchsichtiger Trend oder echte Hilfe?

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Nicht erst seit gestern gibt es mehr und mehr Lebensmittel, denen besondere Fähigkeiten zugeschrieben werden. Meist von einem weit entfernten Naturvolk nutzbar gemacht und über Generationen als Nahrungsmittel konsumiert, haben es diese aus dem Urwald endlich zu uns in die westlichen Kulturen geschafft. Selbstredend sind diese Lebensmittel der Grund, warum diese Völker sehr gesund sind und meist lange leben.

So oder so ähnlich hören sich die Geschichten meist an, wenn es um ein Superfood geht. Und wenn man ehrlich ist, ist das auch so ziemlich die Geschichte, die man hören möchte, wenn es um ein neues und super gesundes Lebensmittel geht. Aber was ist dran am Ruf der Superfoods?

Gibt es tatsächlich Lebensmittel mit besonderen Eigenschaften? Dem einen oder anderen Superfood wird jedenfalls nachgesagt, dass es Krebs heilen oder wenigstens davor schützen könne. Auch die Verhinderung von Alzheimer wird erwähnt. Und tatsächlich gibt es Gegenden, in denen bestimmte Lebensmittel konsumiert werden und die Menschen dort besonders gesund sind.

Aber meist werden bei diesen Einschätzungen die restlichen Ernährungsbestandteile dieser Gruppen, die tägliche Bewegung und andere Umwelteinflüsse völlig außer Acht gelassen. Wie kann ein Nahrungsmittel dann aber als Superfood gelten?

SuperfoodWer im Oxford English Dictionary nachschaut, findet dort die Beschreibung: „Nährstoffreiches Lebensmittel, das als besonders förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden erachtet wird.“ Damit wird schnell deutlich, dass so gut wie alles als Superfood bezeichnet werden kann. Denn eine einheitliche, genauere und offizielle Bezeichnung  gibt es nicht. Und hier liegt der große Vorteil.

Denn mit dieser Definition könnten theoretisch auch Schokolade und Wein als Superfood gelten. Schokolade trägt mit Sicherheit zum Wohlbefinden bei! Und in Rotwein stecken eine Menge Antioxidanzien, die bei Superfoods besonders wichtig sind.

Antioxidantien

Sie sind fast immer der ausschlaggebende Inhaltsstoff. Sie schützen unsere Zellen nämlich vor freien Radikalen, denen eine schädigende Wirkung auf unser Körperzellen nachgesagt wird. Auch, wenn dies nie wirklich zweifelsfrei nachgewiesen wurde, wird häufig damit argumentiert.

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Davon ausgehend wird dann oft eine Verbindung von so geschädigten Zellen zu Krankheiten wie Krebs hergestellt. Und das bedeutet dann im Umkehrschluss oft: Wenn Antioxidantien gegen freie Radikale helfen sollen, müssten sie eine super Krebsvorsorge sein. Folgt man dieser Logik, halten die Antioxidantien auch jung und verlangsamen den Alterungsprozess.

Freie Radikale

Was ist aber dran an diesem Wunderstoff im Superfood? Bei dieser Frage wird es ziemlich kompliziert. Wie schon erwähnt ist die These der schädlichen freien Radikalen aus den 50er Jahren nie belegt worden. Damals ging man davon aus, dass die hochreaktiven Moleküle das Erbgut in den Zellen schädigen und somit den Alterungsprozess, Zerfall etc. voran treiben.

Allerdings führte schon Mitte der 90er Jahre eine Studie mit hochdosiertem Vitamin A und E (Antioxidantien) zu einem ganz anderen Ergebnis. Eigentlich sollten die Antioxidantien die freien Radikalen abhalten und somit Raucher vor Lungenkrebs schützen.
Völlig unerwartet stieg dann aber die Tumorrate an. Auch andere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Offensichtlich passten diese aber nicht zur These aus den 50er Jahren.

Warum erhöhen Antioxidantien die Tumorrate?

Eine hochdosierte Prophylaxe mit Vitamin A und E sorgt eben dafür, dass die freien Radikalen abgefangen und blockiert werden. Nun ist jedoch mittlerweile bekannt, dass das Immunsystem mit Hilfe der freien Radikalen unkontrolliert wuchernde Zellen abtötet, den Zellmüll somit beseitigt. Ergo: Hat das Immunsystem keine Unterstützung, kann es Tumore wesentlich schlechter (oder überhaupt nicht) bekämpfen.

Allerdings bedeutet das nicht, dass freie Radikale jetzt das Heilmittel sind. Denn Dauerbeschuss, wie ihm zum Beispiel Kettenraucher ausgesetzt sind, kann ebenfalls negative Auswirkungen haben. Damit verbunden ist nämlich tatsächlich eine erhöhtes Tumorrisiko. Damit steigt aber nicht nur die Krebsrate. Auch die Anfälligkeit für Diabetes Typ-2, Alzheimer oder Parkinson nehmen zu.

Welchen Vorteil hat Superfood nochmal?

Um nun wieder zurück zum Thema zu kommen. Der ORAC-Wert (Oxygen Radical Absrbing Capacity), welcher anzeigt, wie gut eine Nahrungsmittel mit Antioxidantien versehen ist, verliert somit ein wenig seine Wichtigkeit. Natürlich sind Vitamine (daraus bestehen Antioxidantien nämlich zum Großteil) wichtig.

Sie sorgen dafür, dass unser Körper den freien Radikalen nicht zu stark ausgesetzt ist. Diese jedoch ganz „auszusperren“ kann ebenso gefährlich für die Gesundheit sein. Die Mitte machts also. Und damit ist die ausgewogene Ernährung wieder im Spiel. Viel Obst und Gemüse in den Speiseplan einzubauen sollte den Körper mit genügend Antioxidantien ausstatten und ihm helfen, die freien Radikalen in einem gesunden Level zu halten.

Gezielt nur sogenannte Superfoods zu sich zu nehmen kann dagegen eher schaden als nützen. Besonders bedenklich wird deren Einsatz in konzentrierter Pulver- und Tablettenform.

Die Menge machts

Superfood_FazitWer allerdings noch immer nicht auf Avocado, Chiasamen, Mandelmilch etc. verzichten möchte, sollte sich davon nicht abbringen lassen. Viele dieser Nahrungsmittel haben selbstverständlich ihre Vorteile. Sei es ein guter Mix an Vitaminen, viele gesunde Fette oder viele Ballaststoffe.

Man sollte sich aber im Klaren sein, dass es für viele Superfoods auch gute, einheimische Alternativen gibt, die ebenso gesund sind. Diese haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie durch kurze Transportwege die Umwelt weniger belasten. Dasselbe trifft zudem oft auch auf den Geldbeutel zu. 😉

Fazit: Superfood ja. Aber nicht als Allheilmittel und nicht um jeden Preis!

5 Superfoods und ihre Alternativen haben wir übrigens auch für euch.

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Über den Autor

Vom Sportmuffel zum Fitnessfreak! Angefangen mit einfachem Krafttraining gings übers Joggen und Rad fahren zum Triathlon und zum funktionalen Training. Wenn er nicht gerade beim Sport ist, studiert er vergleichende Geschichte der Neuzeit.