Who made my clothes? – Nachhaltigkeit bei Sportartikelherstellern

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Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde – so zumindest will es uns die H&M-Werbung glaubhaft machen. Dass die Siegel „bio“ und „fair“ nicht mehr nur die Nahrungsmittelverpackungen zieren, ist wohl den wenigsten entgangen. Längst gehört es bei Kleidungsherstellern zum guten Ton, entsprechende Standards einzuführen. Inwiefern diese jedoch eingehalten werden, ist vonseiten der Verbraucher nicht leicht zu überprüfen. Daher ist die Frage berechtigt, ob es auch im Sporttextilbereich „sauber“ zugeht, bzw. welchen Marken man diesbezüglich vertrauen kann. Es geht dabei nicht darum, die ethische Keule zu schwingen oder den Moralapostel spielen. Letzten Endes muss jeder selbst entscheiden, was er kauft. Aber um diese Entscheidung treffen zu können, ist es sicher gut zu wissen, was überhaupt im Angebot ist, bzw. ob man als Sportler fair produzierte und ökologisch vertretbare Kleidung finden und möglichst auch bezahlen kann.

Nachhaltig = okölogisch + fair !?

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist sehr komplex und beinhaltet je nach Definition unterschiedliche Aspekte. Im Grunde genommen geht es darum, (wirtschaftlich) so zu handeln, dass auch künftige Generationen noch etwas von unserem Planeten haben und dass dieser die Fähigkeit zur Regeneration behält. Zu dem Prinzip gehört zum Einen die Umweltverträglichkeit, also z.B. umweltschonender Abbau und energieeffiziente und ressourcensparende Verarbeitung von Rohmaterialien, möglichst kurze Lieferwege, um die CO2-Bilanz niedrig zu halten, sowie die Möglichkeit zur Wiederverwertung gebrauchter Textilien. In diesem Zusammenhang geht es auch darum, gesundheitliche Risiken für Hersteller und Verbraucher auszuschalten, indem beispielsweise gewisse toxische Verfahren oder Chemikalien verboten werden. Zu guter Letzt wird auch darauf geachtet, dass soziale Mindeststandards erfüllt sind, also existenzsichernde Löhne in einem rechtlich geregelten Arbeitsverhältnis, das Verbot von Kinderarbeit oder das Recht auf Gewerkschaftsbildung. Nach dieser weiten Definition gehören sowohl okönomische als auch ökologische und soziale Komponenten zum Begriff der Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit – Befund positiv

Es gibt im Sportbereich einige Unternehmen, die es sich schon vor Jahren zur Aufgabe gemacht haben, nach diesen Standards und mit entsprechenden Zertifikaten und Siegeln als Nachweis zu produzieren. Das Vorurteil, dass fair hergestellte Kleidung nicht ansprechend und modern gestaltet sei, ist dabei unbegründet. Inzwischen gibt es auf dem Markt verschiedene – zumeist kleinere – Anbieter mit ganz ansehnlichen Modellen. Vor allem Läufer und zum Teil auch Radsportler haben eine gute Chance, etwas für den eigenen Geschmack zu finden.

(Kl)eine Auswahl an nachhaltigen Sportartikelherstellern

Wer speziell faire und ökologische Kleidung, am besten noch in Bio-Qualität sucht, sollte sich bei den Onlineshops von Monagoo und Avocadostore umschauen. Nachhaltigkeit wird bei Ersterem groß geschrieben. Der Transparenz halber sind für jedes einzelne Bekleidungsstück die entsprechenden Zertifikate (wie Ökotex100 für schadstoffgeprüfte Materialien) oder das Siegel der Fair Wear Foundation aufgeführt, die strenge Auflagen bezüglich der Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern macht. Der Avocadostore hat eigene Kriterien bezüglich Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit zusammengestellt. Dazu gehört, dass Produkte nach Möglichkeit vegan sind, oder dem Cradle-to-Cradle-Prinzip entsprechen, d.h. recycle- oder zumindest kompostierbar sind. Die Produkte sind in der Regel mehr oder weniger erschwinglich – auf jeden Fall vergleichbar mit den bei Nike, Adidas und Puma üblichen Preisen.

Speziell für Läufer und Radsportler produziert auch die Thüringer Firma RONO. Die Kleidungsstücke sind nicht gerade billig, dafür gehört das Unternehmen der Fair Wear Foundation an, die vor allem auf sozialer Ebene höchste Standards garantiert. Verkauft werden auch Textilien der Marke thoni Mara, die  ihren Stammsitz im Erzbgebirge hat und auf faire Produktion in Deutschland setzt. Durch kurze Lieferwege und wenig Ausschuss wird auch die Umweltbelastung so niedrig wie möglich gehalten.

Das Konzept, vor Ort zu produzieren, vertritt auch Kossmann Laufdesign. Dieser pfälzische Betrieb bietet ausschließlich Laufkleidung im Onlineshop oder über regionale Händler an und wirbt mit Langlebigkeit und hoher Qualität. Das Sortiment ist zwar begrenzt, dafür sind die Preise mit den üblichen Sportmarken vergleichbar. Dadurch, dass die gesamte Herstellung in Deutschland stattfindet, sind Mindestlohn und Schadstoffkontrollen natürlich garantiert.

Was Laufschuhe angeht, ist man bei der Firma Lunge gut beraten. Die Brüder legen Wert auf Verantwortung für die Umwelt, weshalb sie u.a. schadstofffrei (Ökotex100-zertifiziert) und energiesparend (mit im Kaltprozess hergestellten Sohlen) in Deutschland produzieren. Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal ist der Verzicht auf Leder: Alle Modelle sind komplett vegan und somit nicht nur menschen- sondern auch tierfreundich. Für ein Paar Schuhe muss man schon tiefer in die Tasche greifen, dafür gibt’s aber einen Neubesohlungsservice, der die Treter auch nach längerem Gebrauch wieder flott macht.

Fazit

Es stellt sich heraus, dass die Liste der nachhaltig produzierenden Sporttextilienhersteller hierzulande gar nicht einmal sooo kurz ist. Wer darauf Wert legt, kann also auf jeden Fall zertifizierte Sportkleidung finden. Doch Nachhaltigkeit hat ihren Preis. Man muss sich entsprechende Mode immer noch leisten können und wollen. Da aber die Qualität stimmt, hat man in der Regel länger etwas von einem Kauf. Insofern stellen die Marken vielleicht doch eine Alternative zu den herkömmlichen Sportmarken dar.

Mehr Infos dazu, wie es um die Nachhaltigkeit bei Nike, Adidas & Co. steht oder was oder ob die Discounter nachhaltig Sportkleidung produzieren kannst du in den verlinkten Artikeln nachlesen.

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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...