Wie ich einen Langdistanz-Triathlon schaffte und was du davon lernen kannst

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Dieser Beitrag über die Triathlon-Langdistanz ist ein Gastartikel von Torsten vom Ausdauerblog.

Nur noch zwei Kilometer – läppische 2 Kilometer von 226, die ich heute zurücklegen werde. Es ist mein längster Tag und so langsam realisiere ich, dass ich es schaffe.

Unglaublich – meine Beine sind leer. Es ist kaum noch Energie im Körper vorhanden, doch meine Gedanken beginnen zu kreisen. Vor 6 Jahren war ich nicht einmal in der Lage, 15 Minuten am Stück zu joggen und heute laufe ich über den Marktplatz von Roth, dem Ziel eines Langdistanz-Triathlons über 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und 42km Laufen entgegen.

Noch einmal verlangsame ich meine Schritte und gehe ein paar Meter. Weniger aus Erschöpfung, wie noch Minuten zuvor, sondern um den Moment zu genießen. Zuschauer hat es hier zum Glück nur noch sehr wenige, denn die, die hier noch vor wenigen Stunden da waren, hat ein kräftiges Gewitter vertrieben.

Ein Gewitter, was mich bei hohen Temperaturen um die 30 Grad beim Laufen trotzdem frösteln ließ. Wenn ein Körper an der Grenze der Belastbarkeit ist, kommt es manchmal zu merkwürdigen Reaktionen. Vor meinem Auge läuft das Rennen in einem Film ab. Der aufregende Gang im Morgengrauen zum Schwimmstart, die sensationelle Stimmung an der Radstrecke und schließlich der Solarer Berg, der mir jetzt wieder ein Lächeln und eine Gänsehaut beschert.

Unglaublich, wie die Menschenmassen diesem eigentlich wenig steilen Hügel ein Tour-de-France-Flair verpassen und jeder Sportler den Berg hinauf gebrüllt wird. Wie rief mir am Fuße eine amerikanische Sportlerin zu, als sie ich sie überholte: “Hell, that’s why I’m here!”

Und ehrlich – dafür kann man tatsächlich auch einmal um die halbe Welt reisen. Später beim Wechsel zum Marathon stand meine ganze Familie am Rand und ich sah den Stolz in den Augen meines Vaters. Bisher hatten sie mich für verrückt erklärt, freiwillig eine solche Strapaze auf mich zu nehmen.

An der Halbmarathon-Marke sah ich sie wieder und hier konnte ich ihre Bedenken schon eher verstehen. Es würde jetzt richtig zäh werden und das wurde es auch. Wenn etwas in der Vorbereitung nicht optimal lief, dann war es das Laufen und das rächte sich.

Die zweite Hälfte des Marathons wurde richtig hart und vor allem mental eine schwere Prüfung. Eine Prüfung, die ich abwechselnd laufend und gehend gemeistert habe. Bis jetzt – bis zu den letzten beiden Kilometern und dem Marktplatz in Roth.

Der Regen setzt wieder ein und ich bin ganz froh darüber. So sieht man meine Tränen der Rührung nicht und ich trabe wieder los, dem ganz großen Ziel entgegen.

Der große Traum entsteht

Wie schon erwähnt, war ich 6 Jahre davor ein richtige Couchpotato gewesen. Die Arbeit bestimmte mein Leben und mit dem Stress einhergehend Essen und auch Zigaretten und Bier. Doch das sollte sich ändern – falsch – das WOLLTE ich ändern. 15 Minuten Laufen war zu dieser Zeit eine unschaffbare Herausforderung und trotzdem gab es den Traum Triathlon. Nach ein paar Monaten des Trainings stand ich mit meinem alten klapprigen MTB und brustschwimmend am Start eines Volkstriathlons. Ein Ereignis, das mich richtig angefixt hat. Im Folgejahr und ein paar Sprinttriathlons später war ich erstmals persönlich bei der Challenge Roth. Erlebte die geniale Stimmung, jubelte den Athleten zu, die für mich echte Helden waren. Dabei sahen mache eigentlich gar nicht heldenhaft, sondern eher normal aus.

Für mich gab es ab diesem Zeitpunkt nur einen Traum – da will ich einmal selbst starten.

Beginne mit kleinen Schritten und überspringe keinen

Ich begann mit einigen Volksdistanzen – kleinen Triathlons mit 500m Schwimmen, 20km Radfahren und 5km Laufen. Absolvierte die ersten 10km-Läufe und es lief richtig gut. Ich fühlte mich bereit für mehr. Die größte Schwierigkeit, die viele Hobbysportler bei einem so großen Traum haben, ist, dass sie zu viel auf einmal wollen. Und natürlich tappte auch ich in diese Falle.

Die erste Halbmarathon und auch die erste Mitteldistanz kamen viel zu früh. Schaffte ich es bei Ersteren noch gerade so ins Ziel, so erreichte ich dieses bei der Mitteldistanz nicht einmal. So bitter das in dem Moment war, so erkannte ich meine Schwächen und trat einen Schritt zurück. Meine Begrenzer waren das Schwimmen – Kraulen konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht richtig – und auch meine Kondition war längst nicht da, wo sie sein sollte.

Aus einem Traum wird ein konkretes Ziel

Nach knapp 3 Jahren Training, in dem ich Stück für Stück immer längere Strecken und Wettkämpfe zurückgelegt hatte, wurde der Traum von Roth schließlich zum Ziel. Passiert ist es kurz nach meinem ersten Marathon 2011, den ich ohne Probleme und in für mich exzellenter Zeit absolviert hatte. Der Traum vom Ironman wurde immer konkreter und so formulierte ich ein Ziel: 2014 werde ich 40 und genau das wird das Jahr sein, an dem ich bei der Challenge Roth starte. Das Datum und der Ort standen fest – konkreter geht es nicht, auch wenn es zu dem Zeitpunkt noch 3 Jahre bis zum Rennen waren.

Kein Ziel ohne einen Plan

Ich bin ein Planungsfreak, das muss ich zugeben. Sicher eine Art “Berufskrankheit”, wenn man seine Brötchen mit Projektmanagement verdient. Nach der Formulierung meines großen Ziels machte ich mich an die Planung. Im Folgejahr sollte ein halber Ironman das Highlight sein und im Jahr darauf sogar deren zwei. So steigerte ich Stück für Stück die Belastung. Aber natürlich plante ich nicht nur den groben Weg dahin, sondern ging mehr ins Detail. Ich holte mir Unterstützung von einem Online-Coaching. Einen eigenen Trainer wollte ich dagegen nicht. Dafür war ich selbst zu tief im Thema Trainingsplan drin und auch mein Leben ließ nie zu, dass ich alle Einheiten wie geplant absolvierte.

Optimiere dein Leben (auch) abseits vom Sport

Als ich mit Sport angefangen hatte, kam ich schnell an meine zeitlichen Grenzen. Unmöglich, dass ich mehr als 2-3 Stunden in der Woche Zeit für Sport investieren konnte. Mein aufwändiger Job und das persönliche Umfeld würde das unmöglich zulassen. Und trotzdem wollte ich mehr. Das Dilemma erwies sich als Glücksfall, denn wenn ein Problem auftaucht, suche ich nach einer Lösung.

Ich fand sie in den Methoden des Zeit- und Selbstmanagement. Kein Witz – ich hatte die Zeit für mehr als 10 Stunden Sport in der Woche, weil ich meine Zeit einfach falsch einsetzte. Ich arbeitete zu viel, weil ich viel zu wenig effizient war. Vertrödelte unnötig Zeit vor Laptop und vor allem vor dem TV, weil ich dachte, dass würde Erholung für mich sein. Je mehr ich mich mit der Materie befasste, umso mehr Optimierungsmöglichkeiten sah ich und desto qualitativ hochwertiger wurde mein Leben und Arbeiten. Es profitierte längst nicht nur der Sport davon.

Räume Hindernisse aus dem Weg und sei kreativ

Was sich hier so leicht und locker anhört, war es natürlich nicht. Kein Weg ist ohne Hindernisse – absolut keiner! Und so war es natürlich auch bei mir.

Da gab es sportliche Niederlagen – Rennen bei denen es nicht wie geplant lief. Wie bei meiner ersten Mitteldistanz. Bereits beim Schwimmen quälten mich einige Wadenkrämpfe. Doch das blieb nicht das einzige Malheur. Weit abgeschlagen lag ich beim Radfahren hinter dem Feld und so dachte sich wohl eine Katze, dass das Rennen schon vorbei sein würde und rannte mir voll vors Rad. Ich kam zu Fall, rappelte mich fluchend auf und vor die verbleibenden Kilometer in die zweite Wechselzone. Die Katze hatte übrigens auch noch eines ihrer sieben Leben übrig. In der Wechselzone herrschte bei meinem Anblick große Aufregung und erst hier begriff ich, warum. Meine Beine waren blutüberströmt und gaben so gar keinen schönen Anblick her. Also ab ins Sanitätszelt und dort war dann das Rennen für mich vorbei. Das verkraftete meine Psyche in dem Moment nicht. Die Lektion, die ich an diesem Tag lernte: Ich muss dringend vernünftig kraulen lernen.

Auch bei einer der nächsten Mitteldistanzen lief es nicht wie geschmiert. Im Land der 1000 Hügel, wie das Kraichgau auch genannt wird, schoß ich mich auf dem Rad ab und kam mit üblen Rückenschmerzen zum Laufen. Aus dem geplanten Halbmarathon wurde ein Wandertag, denn Aufgeben wollte ich nicht. Erst im Laufe der Wanderung löste sich die Verkrampfung und so konnte ich dann ab der Hälfte sogar wieder laufen. Die Erfahrung dieses Tages: Ohne unterstützendes Stabitraining werde ich den Langdistanz-Triathlon nicht schaffen.

Doch auch abseits vom Sport gab es natürlich Hindernisse. Das größte kam zu einem Zeitpunkt, als ich nicht damit rechnete. In Roth muss man sich ein ganzes Jahr vorher online anmelden und hat dann so ziemlich genau zwei Minuten Zeit, bis alle Plätze vergeben sind. Diese Challenge meisterte ich und so war ich euphorisiert, als ich das Ticket in den Händen hielt. Kurz nach diesem Zeitpunkt gab es in meinem Unternehmen riesige und überraschende personelle Veränderungen und damit einhergehend eine große berufliche Chance für mich. Eine Chance, die sich aber keinesfalls mit Roth vereinbaren ließ. Was für ein Dilemma! Schließlich entschied ich mich für Roth und gegen die Beförderung.

Doch das war nicht alles – auch merkte ich schnell, dass in meinem aktuellen Job 15-20 Stunden wöchentliches Training und ein funktionierendes Sozialleben nicht kompatibel sind. Da war guter Rat teuer und die Lösung ein Sabbatical. Noch nie hatte das jemand bei mir im Unternehmen gemacht und so war ich der erste. 3 Monate nahm ich mir im Frühjahr frei, reiste umher und trainierte mit hoher Motivation an meinem großen Ziel – der Challenge Roth.

Die letzten Meter Langdistanz – genieße das Rennen…

Bei aller Leidenschaft und allem Engagement, dem du deinem großen Ziel entgegenbringst, vergiss nicht dem Spaß am Leben. Das Training für einen Ironman verlangt dir einiges ab und es wird dir auf Dauer nichts nützen, immer nur fokussiert zu sein. Das gilt für die Vorbereitung, als auch für das Rennen. Lächle und genieße die Atmosphäre und nimm deinen großen Tag bewusst wahr.

Ich höre schon die Musik im Rother Triathlonstadion, als ich um eine der letzten Kurven biege. Längst sind hier wieder die Straßen gesäumt von Menschen und nicht wenige feuern mich mit meinem Namen an. Es tut so gut – auch wenn sie ihn natürlich von der Startnummer ablesen.

Das Grinsen geht mir ab hier nicht mehr aus dem Gesicht und Schmerzen spüre ich längst keine mehr, als ich in den Zielkanal einlaufe. Eigentlich will ich so langsam wie möglich laufen, will jeden dieser kostbaren Augenblicke in mich aufsaugen. Doch unmöglich – in dieser Stimmung kann man einfach nicht langsam laufen.

Wo kommen auf einmal die Kräfte her, die mich noch einmal beschleunigen lassen – natürlich von der Energie der Massen. Auch wenn mein Blick verschwommen ist, meine Familie entdecke ich kurz vor dem Torbogen ins Stadion. Ich juble ihnen zu, reiße die Hände hoch und laufe ins Glück.

Die Runde im Stadion ist einfach unbeschreiblich. Worte dafür zu finden fällt mir schwer. Und so soll zum Schluss einfach ein Bild sprechen:

Challenge Roth

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Über den Autor

Torsten Pretzsch ist 2008 von der Couch aufgestanden, um ein sportlicheres Leben zu führen. Begonnen mit einer Laufrunde von nur 15 Minuten ist er Jahre später am Ziel. Er lief mehrere Marathons und absolvierte auch einen Ironman. Als vielbeschäftigter Projektmanager war dieser Weg nur durch gutes Selbstmanagement möglich. Seit 2015 unterstützt er in seinem ausdauerblog Menschen dabei, endlich mehr Sport zu machen. Und das mit Spaß und Leidenschaft!