Der Breisgau Triathlon aus der Helfer-Perspektive

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Wer schon länger auf unserer Seite liest, fragt sich vielleicht: „Wo ist denn das `Tri´ abgeblieben?“ – Keine Wettkampfberichte, keine Ergebnisse, geschweige denn Bestzeiten – das ist die traurige Bilanz dieser Saison. Was ist los bei „Tri it Fit“? Motivation verloren? Alle, die treu unser Trainingstagebuch anschauen, kennen den wahren Grund. Ursprünglich hatten wir geplant, diesen Sommer voll durchzustarten, bei Läufen dabei zu sein und vielleicht auch bei der ein oder anderen überregionalen Triathlon-Veranstaltung aufzutauchen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt… Manchmal ist man dann eben Helfer für andere! 😉

Wenn der Körper nicht so mitspielt…

Wegen einer langwierigen Zahngeschichte konnte Schorsch Anfang des Jahres nicht so richtig ins Training einsteigen. Ich (Lotta) kämpfte derweil noch mit dem Schienbeinkantensydrom, das nun hoffentlich so langsam auskuriert ist. Und dann kamen ein Masterabschluss, der darauffolgende Arbeitseinstieg und ein mehr oder weniger spontaner Umzug dazu, sodass wir die Wettkampfvorbereitung wieder schleifen lassen mussten.

Für mich persönlich ist das besonders schade. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, 2016 die erste Kurzdistanz anzutesten. Aber daraus wird nun – fast schon am Ende der Saison – wohl nichts mehr. Mein erster Triathlon muss also leider bis nächstes Jahr warten.

Motivationsloch?

Um uns trotz diverser Missgeschicke bei Laune zu halten, haben wir uns neulich kurzfristig als Helfer angemeldet: Beim Breisgau-Triathon, an dem Schorsch schon 2 Mal teilgenommen hat. Ich als Möchtegern-Einsteigerin sah darin eine gute Chance, mal etwas mehr Triathlon-Luft zu schnuppern. Ich habe mich zwar schon letztes Jahr beim Freiburg-Triathlon unter die Zuschauer gemischt, der jährlich mehr oder weniger direkt vor meiner Haustür stattfindet, doch das, was ich diesmal gesehen habe, war ein anderes Kaliber. Aber immer der Reihe nach!

Lotta&Schorsch

Der Breigau-Triathlon in Malterdingen

Der Breisgau-Triathlon mag den wenigsten ein Begriff sein. Tatsächlich sieht der Austragungsort Malterdingen, etwas nördlich von Freiburg gelesen, eher unscheinbar aus. Aber er hat Tradition. Dieses Jahr veranstaltete der Triathlonverein Nördlicher Breisgau, kurz TNB, seinen Wettkampf bereits zum 26. Mal. Und wie ich mir habe sagen lassen, war der Breisgau-Triathlon zu seinen guten Zeiten sogar als Qualifikationswettkampf für größere Veranstaltungen wie die Challenge Roth anerkannt.

Auch wenn das in grauer Vorzeit liegt, fürchten erfahrene Triathleten das Breisgau noch immer! Denn gerade die Mitteldistanz hat es in sich! Deshalb wird seit einigen Jahren zusätzlich zu der Mitteldistanz (mit 2,0 km | 80 km | 21 km) auch eine Jedermann-Distanz (über 0,7 km | 32 km | 7,2 km) angeboten.

Weinberge

Für Teilnehmer weniger idyllisch – die Laufstrecke in den Weinbergen

Was macht den Breisgau-Triathlon jetzt so besonders? Das Streckenprofil ist extrem anspruchsvoll. Sowohl die Radstrecke, als auch der finale Halbmarathon führen über die Weinberge, die in der hiesigen Gegend ordentliche Steigungen enthalten. Also nix für Flachlandtiroler wie mich…

Ruhe vor dem (An-)Sturm

Über die Weinberge musste ich mich mit meinem AusrüstungStadtrad trotzdem quälen. Denn als Streckenposten war ich direkt an der Laufstrecke der Mitteldistanzler eingeteilt, während Schorsch ein paar hundert Meter weiter die Stellung hielt. Wir sollten eventuelle Fahrzeuge davon abhalten, den Weg zu benutzen. Und Fußggänger aufklären, dass gleich der Wettkampf stattfinden würde. Zunächst mussten wir jedoch erstmal zwei Stunden warten. Es blieb also genügend Zeit für ein Nickerchen und Sefies mit meinem neuen Helfer-T-Shirt.

Bis die Mitteldistanzler endlich an uns vorbeizogen, mussten wir allerdings eine kleine Husche über uns ergehen lassen. Zum Glück war ich vom Veranstalter bestens ausgerüstet. Mit Camping-Stuhl und Regenschirm konnte ich dem allem standhalten. 😉

Als Helfer immer auf der richtigen Seite

Trotzdem: Bei dem Wetter war ich froh, nicht in den Baggersee im nahe gelegenen Riegel springen zu müssen! Morgens um 9.50 Uhr war es nämlich noch empfindlich frisch da, weshalb Neos erlaubt waren. Zum Laufen waren die Temparaturen dann aber ideal, zumal die Sonne es im dritten Abschnitt besser mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern meinte.

LaufstreckeNachdem der erste Mann kurz vor 12 endlich vorbeigejoggt kam, folgte erst einmal 10 Minuten niemand, bis nach und nach weitere Teilnehmer eintrudelten. Für meine Begriffe waren erstaunlich wenige Frauen dabei, was sicher dem Niveau des Wettkampfes geschuldet war. Jeder musste die Strecke zweimal absolvieren. Im Gegensatz zu mir erkannten manche der Läufer mich beim zweiten Mal wieder. 😉 Ich versuchte derweil, mit Rufen und Klatschen die Teilnehmer anzufeuern. Ich hatte wirklich vor jedem höchsten Respekt, der den steilen Anstieg hinter sich brachte. Manche konnten sich sogar scherzhaft noch über die Strapazen beschweren; andere bedankten sich sogar mit einer Geste, einem Lächeln auf den Lippen oder einem netten Wort bei mir für die Motivation.

Nichts zu danken!?

Dabei hatte ich zu danken, denn diese Tapferen haben eher den Triathlon-Funken zu mir überspringen lassen als andersherum. Besonders bewundernswert fand ich den Mann, der als Letzter an uns vorbeilief. Auch wenn er gut drei Stunden hinter dem Sieger ins Ziel kam, gab er nicht auf. Und das, obwohl ihn die meiste Zeit das Besenfahrrad begleitete, das die letzten Teilnehmer sozusagen von der Bahn fegt, wenn sie nicht mehr können. Ich kann nur erahnen, was für Kraft und vor allem Willensstärke so ein Wettkampf erfordert! Für mich sind gerade solche Menschen Helden, die auch dann nicht aufgeben, wenns nichts mehr zu holen gibt!

Da kommt keine Langeweile auf

Zurück zum Streckenposten. Irgendwann gesellte sich noch ein Rennradfahrerpärchen zu mir, das einen MalterdingenKumpel auf der Laufstrecke beobachten wollte. Dann brachte mir ein Versorgungsfahrrad die Verpflegung für den Tag vorbei. Später kam noch der Krankenwagen mit dreiköpfiger DRK-Besatzung, die mir eine Lektion in Allemannisch erteilte, sodass die Zeit glücklicherweise doch etwas schneller verstrich. Wir mussten nämlich noch ein paar Stunden ausharren, bis der Letzte zum zweiten Mal an uns vorbeilief. Gegen 16.30 Uhr konnten wir den Streckenposten räumen und uns wieder nach Malterdingen begeben, wo bald die Siegerehrung stattfand uns wir noch eine Bratwurst und ein Freigetränk abstauben konnten.

Super Orga, nette Leute, immer wieder gern!

SelfieInsgesamt habe ich sehr viel mehr vom Breisgau Triathlon gehabt als er von mir. Die Verpflegung war super – wahrscheinlich habe ich mehr zu Futtern gehabt, als die Finisher nach dem Wettkampf verdrücken konnten! 😉 Die Leute dort, ob Organisatoren aus dem TNB-Team, freiwillige Helfer oder die Teilnehmer selbst, waren extrem nett und dankbar. Und irgendwie hat das ganze Event mir mega Bock auf Triathlon gemacht. Jetzt wird erst einmal wieder ordentlich ins Training eingestiegen! Und wer weiß? Vielleicht starte ich nächstes Jahr ja auch beim Breisgau Triathlon – nicht gleich die Mitteldistanz, aber vielleicht ja als Jedermann?

Und du so?

Welche Erfahrungen hast du beim Triathlon schon gemacht – ob als Teilnehmer, Helfer oder in den Zuschauerrängen? Was hat dich am meisten motiviert? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

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Über den Autor

Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig jedes Mal aufs Neue zum Training. Da ich inzwischen beruflich Halbwüchsige domptiere, schadet es ohnehin nicht, sich fit zu halten...

  • TriTim

    Danke für die tollen Ausführungen, hätt nie gedacht, dass es als „einsamer Streckenposten“ doch so spannend sein kann.
    Ich habe letztes Jahr meine erste MItteldistanz gemacht, in Zell am See, und hab mich am Folgetag als Helfer bei der 70.3 WM eintragen lassen. Ein super Erlebnis, morgens in der Wechselzone den Teilnehmern bei all ihren Fragen und Problemen geholfen, später Wasser an der Verpflegungsstation gereicht. Eine super Erfahrung, Leute zu motivieren, dankbare lächelnde Gesichter zu sehen. – Würde ich jederzeit auch wiedermachen.

    • Lotta

      Ja, interessanterweise ist das eine Win-Win-Situation! Man investiert Zeit und Energie und bekommt dafür Dank und Motivation viel zurück. Ein echt schönes Gefühl!

  • Hi Lotta,

    ich hab immer wieder größten Respekt vor allen Helfern, die für eine durchschnittliche Triathlonwurst wie mich den ganzen Tag die Strecke bewachen. Da ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, mich auch im Rennen zu bedanken. Und sei es nur durch eine Geste.

    Viele Grüße
    Torsten

    PS: Hab dieses Jahr auch Triathlonpause gemacht. Freiwillig um den Akku aufzuladen. Nächstes Jahr geht es wieder los!

    • Lotta

      Hey Torsten,
      wie gesagt, jede einzelne „Triathlonwurst“ ist zu bewundern – gerade die, die es nicht so aus dem Ärmel schütteln wie die Sieger.
      Und vielleicht trifft man sich dann ja mal auf dem ein oder anderen Triathlon? ;0)
      Bis dahin erhol dich gut!
      Beste Grüße,
      Lotta

  • Feli

    Helfer sein macht mir meistens sogar mehr Spaß als die WKS zu machen 🙂 Liebe Grüße, Feli von http://www.felinipralini.de

    • Lotta

      Genau das dachte ich mir auch, als sie alle hechelnd um die Ecke bogen… 😛 Aber trotzdem, so ein bisschen Lust bekommt man schon!