Wattmessung auf dem Rad – Alles, was Du wissen musst!

Wenn Du schon ein Weilchen Triathlon machst, hast Du Dir sicher schon einmal Gedanken gemacht, wie Du Deine Leistung auf dem Rad am besten erfassen kannst. Schließlich ist es für viele Triathleten nach einer gewissen Zeit nicht mehr so zufriedenstellend, einfach nur vor sich hin zu radeln. Denn auch wir Hobbysportler wollen doch gerne Ergebnisse sehen, Daten analysieren und uns verbessern!

Wenn es Dir auch so geht, dann ist die Wattmessung am Fahrrad für Dich garantiert eine Überlegung wert!

Welche Vorteile diese Methode gegenüber anderen Möglichkeiten besitzt und worauf Du achten solltest, erfährst Du in diesem Artikel!

Leistung messen, aber wie? – Möglichkeiten der Leistungsmessung im Vergleich

1. Die Messung der Geschwindigkeit

Unter Läufern, Radfahrern und Triathleten ist recht üblich, sich an der Durchschnittsgeschwindigkeit zu orientieren und so mit anderen zu messen.

Häufig wird in diesen Communities nur die Frage gestellt: “Welchen Schnitt fährst Du denn so?”

Dabei ist die Geschwindigkeit an sich wenig aussagekräftig und eignet sich auch nicht ernsthaft für Vergleiche.

Denn ein 33-er Schnitt auf einer ebenen Strecke, noch dazu im Windschatten von starken Mitfahrern, ist fast ein Kinderspiel.

Dagegen bedeutet ein 22-er am Berg oder mit Gegenwind auf holprigem Untergrund vielleicht schon einen ganz anderen Kraftaufwand.

Ob Du nun einen einen 33-er Schnitt oder “nur” einen 22-er Schnitt fährst, sagt also rein gar nichts über Deine tatsächliche Leistung aus.

Zudem hängt diese ja auch davon ab, wie lange Du diesen “Schnitt” durchhältst. 20 Kilometer oder gar 180?

Einflussfaktoren auf die Geschwindigkeit

  • Windverhältnisse (Rückenwind, Gegenwind, kein Wind)
  • Windschattenfahren in der Gruppe (abwechselnd arbeiten oder ständig durchtreten)
  • Beschaffenheit der Strecke (Rollwiderstand durch den Untergrund)
  • Steigung (eben, bergab oder bergauf)
  • Sitzposition (Oberlenker, Unterlenker, Aeroposition)
  • Material (“schweres” Rennrad oder superleichtes Carbonrad)
  • etc.

Wie Du siehst gibt es eine Menge Faktoren, die den scheinbar so objektiven Schnitt verfälschen können.

Daher ist diese Messgröße auf die Dauer kein guter Anhaltspunkt, was Deine Leistung angeht.

Wenn Du Dich ausschließlich an der Durchschnittsgeschwindigkeit orientierst, läufst Du Gefahr, zu intensiv zu trainieren und Dich damit auf Dauer nur kaputt zu machen!

2. Die Pulsmessung

Vom Laufen ist Dir die Pulsmessung sicherlich bekannt.

In dieser Disziplin werden die Trainingsbereiche normalerweise nicht in Geschwindigkeit oder Pace, sondern in Herzfrequenzzonen  angegeben.

Das sind individuell bestimmbare Bereiche, anhand derer Du Dein Training strukturieren kannst.

Die Herzfrequenzmessung hat also ihre Vorteile gegenüber der Ermittlung der bloßen Geschwindigkeit.

Vorteile der Pulsmessung

Hierbei wird nämlich deutlich, was Deine Pumpe tun muss, um eine bestimme Geschwindigkeit auf einer bestimmten Strecke zu halten.

Es geht quasi um den Grad der Anstrengung.

Entsprechend kannst Du, wenn Du Deine Pulswerte in einer Leistungsdiagnostik ermittelt hast, gezielter trainieren.

Willst du beispielsweise Deine Grundlagenausdauer und den Fettstoffwechsel verbessern, ist ein niedriger Pulsbereich angebracht.

Um schneller zu werden, lohnt sich dagegen eher Intervalltraining mit einer Herzfrequenz im Spitzenbereich.

Die Messung der Herzfrequenz ist auf jeden Fall sinnvoll, um bestimmte Trainingsziele zu erreichen.

Beschränkungen der Pulsmessung

Allerdings lässt sich damit nicht wirklich die Leistung ermitteln.

Und die Werte sind schon gar nicht mit anderen vergleichbar!

Denn jedes Herz schlägt anders: Während der eine einen Maximalpuls von 178 besitzt, schießt der Puls beim andern schon beim ersten Schritt auf 180 und ist nicht zu beruhigen.

Der eine ist nicht per se fitter als der andere.

Du brauchst also nicht zu staunen, wenn ein Trainingsbuddy bei einer 5er-Pace auf 10 Kilometer nur einen Puls von 158 hat. Vielleicht ist das ja sein Spitzenbereich?

Natürlich sind diese Werte beim Radfahren nicht ganz so extrem wie beim Laufen.

Aber das Prinzip, dass Pulswerte in keinster Weise vergleichbar sind, ist denke ich klar geworden.

Natürlich kannst du über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten, ob Du fitter wirst. Wenn Dein Puls sinkt, obwohl alle anderen Faktoren gleich bleiben (Strecke, Tempo, ect.), dann spricht das für eine Verbesserung Deiner Fitness.

Ein niedriger Puls ist jedoch per se noch kein Zeichen für einen hohen Fitnessgrad.

Denn die Herzfrequenz an sich ist abhängig von vielen individuellen Faktoren.

Einflussfaktoren in Bezug auf den Puls:

  • Alter
  • Fitnessgrad (schon immer sportlich oder gerade erst angefangen)
  • Infekte
  • Übertraining
  • Stress
  • Hormone
  • Tagesform
  • Dauer der Einheit

Falls Du bereits Erfahrung mit Intervalltraining gesammelt hast, wirst Du zudem festgestellt haben, dass der Puls relativ träge ist.

Er reagiert nur mit einer gewissen Verzögerung auf stärkere Anstrengungen.

Daher solltest Du zur Leistungsmessung ein genaueres Hilfsmittel finden als allein eine Pulsuhr.

3. Wattmessung

Die Wattmessung bietet gegenüber den beiden vorher genannten Möglichkeiten einige Vorteile.

Denn sie ist weniger von äußeren oder individuellen Faktoren abhängig.

Dadurch ermöglicht sie Dir als ambitioniertem Triathleten oder Radsportler eine sehr genaue Auswertung Deiner Daten und entsprechende Rückmeldung über Deinen tatsächlichen Leistungsstand!

Doch erst einmal stellt sich die Frage:

Watt ist dat? – Definition

Watt ist streng genommen nur eine physikalische Größe.

In dieser Einheit wird nämlich die Leistung angegeben.

Diese wiederum definiert sich aus verrichteter Arbeit (beziehungsweise aufgebrachter Energie) und Zeit.

Zur Erklärung:

  • P steht für die Leistung.
  • E ist das Formelzeichen für die Energie
  • W bedeutet Arbeit
  • und t stellt die Zeit dar.

Wenn Du jetzt eine bestimmte Strecke fährst, musst Du eine gewisse Kraft auf Deine Pedale bringen, um voranzukommen.

Dafür benötigst Du eine gewisse Menge Energie und dabei verrichtest eine genau definierte Arbeit.

Je schneller Du diese Arbeit “erledigst”, umso großer ist Deine Leistung.

Je mehr Zeit Du dafür brauchst, umso weniger Watt hast Du getreten.

Im Vergleich zum Puls geht es hierbei nicht nur den Aufwand, den Dein System – in diesem Fall vor allem Dein Herz und Deine Muskeln – betreiben muss, sondern um den Output.

Kurz gesagt: Wie viele PS schafft Deine Pumpe?

Vorteile der Wattmessung

Gegenüber der Pulsmessung besitzt die Wattmessung deutliche Vorteile.

Zum einen ist sie viel genauer.

Während der Puls bei Intervallen nur schleppend – also eher im Minutentakt – reagiert, siehst Du den Anstieg der Leistung in Watt sofort.

Du kannst also an den Wattwerten erkennen, wieviel Du wirklich im Moment gibst.
Die Aufzeichnung der Wattwerte erlaubt Dir, eine Einheit besser zu analysieren und mit anderen Einheiten zu vergleichen.
Ob Du rechts und links gleich stark trittst, ob Deine Leistung von Intervall zu Intervall gleichgeblieben oder gesunken ist und ob Du im Vergleich zum letzten Training mehr erreicht hast – all das kann Dir die Wattmessung verraten.

Das wiederum wirkt sehr motivierend.

Denn wenn Du weißt auf welchem Level Du trainierst, kannst Du Dich besser pushen, als wenn Du nur einen ungefähren Wert kennst und gar nicht siehst, ob Du Dich verbesserst!

Außerdem gibt es weniger Messfehler oder Einflussfaktoren, die Deine Daten verfälschen könnten.

Somit bietet Dir die Wattmessung im Gegensatz zu den anderen Verfahren der Leistungserfassung einen deutlichen Mehrwert.

Noch einmal zusammengefasst handelt es sich um folgende Punkte:

  • schnelle Messung (sekundengenau)
  • exaktere/objektivere Werte
  • tatsächliche Leistungsentwicklung und Trainingseffekte besser zu bewerten
  • Motivationsschub

Der Haken an der Sache

Demgegenüber gibt es hauptsächlich zwei große Nachteile der Wattmessung.

Der eine liegt im Preis.

Denn je nach System und Hersteller solltest Du für ein gutes Gerät mindestens 500 Euro einkalkulieren.

Natürlich kannst Du gut und gerne auch mehr als das Doppelte bis Dreifache auf den Tisch legen.

Der zweite große Nachteil liegt in der Bedienung.

Zunächst ist die Montage um einiges komplizierter als eine Pulsuhr mit Gurt anzulegen.

Zudem musst Du ja auch wissen, wie Du die Daten bewerten kannst.

Dafür bedarf es auch einer gewissen Übung. Denn dadurch, dass die Werte sekundengenau aufgezeichnet werden, hast du keine schöne Kurve, sondern eher eine Zickzacklinie vor Dir.

Du kannst die Daten zwar mitteln, also nur alle 3, 10 oder 30 Sekunden aufzeichnen lassen. Doch auch um diese richtig zu deuten, wirst Du eventuell etwas Zeit zur Gewöhnung brauchen.

Die Schwierigkeit wird wahrscheinlich darin bestehen, Dich nicht zu sehr von den Wattwerten abhängig zu machen.

Wenn Du bloß die Steigerung Deiner Wattwerte im Kopf hast, kannst Du Deinen Körper nämlich genauso überlasten wie beim Training nach purer Geschwindigkeit.

Das kann auf die Dauer bei Übertraining oder Krankheit fatal wirken.

Du solltest also trotz allem Spaß weiterhin auf Deinen Körper achten und eventuelle Warnsignale rechtzeitig wahrnehmen.

Falls Du dazu tendierst, Dein Körpergefühl zu vernachlässigen, sind zusätzliche Hilfsmittel wie der Vitalmonitor eventuell angebracht.

Ansonsten empfiehlt sich zumindest für den Anfang tatsächlich ein Training mit paralleler Puls- und Wattmessung.

So hast Du beides im Blick: die gefühlte Anstrengung und den tatsächlichen Output.

Vergleichbarkeit

Da in diesem Artikel ja bereits die Vergleichbarkeit mit anderen Athleten angesprochen wurde, hier noch ein kleiner Nachtrag dazu.

Abgesehen davon, dass Vergleiche im Sport Dir sowieso selten nützen:

Streng genommen sind absolute Wattwerte gar nicht vergleichbar!

Was Du zusätzlich kennen musst, ist das Körpergewicht der entsprechenden Personen.

Zwei Personen sind also nur gleich stark, wenn sie in der selben Zeit gleich viele Watt pro Kilo treten.

Bei einem Mann mit 80 Kilogramm wären 240 Watt auf 5 Minuten zum Beispiel 3 Watt pro Kilo.

Zum Vergleich: Eine 60 Kilo schwere Frau, die 5 Minuten lang 180 Watt tritt, erreicht bezogen auf ihr Gewicht denselben Wert.

Wattmessung: Brauchst Du es wirklich?

Wenn Du Dir unsicher bist, ob die Wattmessung sich für Dich lohnt, solltest Du Dir folgende Fragen stellen:

  1. Wie lange und wie oft treibst Du bereits Rad- oder Triathlonsport?
  2. Wirst Du auf absehbare Zeit dranbleiben?
  3. Wie schätzt Du Dein jetziges Niveau selbst ein? Eher Hobbysportler oder Triathlet/Radsportler mit Ambitionen?
  4. Was ist Dein Ziel: Willst Du Dich stetig verbessern und bei Wettkämpfen starten oder betreibst Du den Sport eigentlich nur “aus Spaß an der Freude” oder um fit zu bleiben?

Sicher merkst Du selbst, wohin die Reise geht.

Wenn Du noch nicht allzu lange Rad fährst, würde ich Dir empfehlen, erst einmal 1-2 Jahre zu trainieren und dann zu schauen, wieviel Bock Du wirklich darauf hast.

Nichts ist ärgerlicher als wenn Du Dein Rad und den entsprechenden Wattmesser nach kurzer Zeit wieder verkaufen musst, weil Du beides nicht nutzt.

Wenn Du dauerhaft diesen Sport betreiben und Dich steigern möchtest, macht ein Wattmesser dagegen durchaus Sinn.

Vorausgesetzt, Du besitzt das nötige Kleingeld, wird Dir diese Anschaffung sicherlich viel Freude bereiten.

Bevor Du loslegst

Wenn Du Dir nun sicher bist, dass Du Dir einen Wattmesser zulegen möchtest, stellt sich vermutlich die Frage:

Welches Gerät von welcher Marke?

Arten der Wattmessung

Hier gibt es diverse Systeme, die an unterschiedlichen Stellen am Rad montiert werden, und zwar:

  • an der Nabe
  • in der Tretlagerachse
  • am Kurbelstern
  • an den Kurbelarmen
  • im bzw. am Pedal

Die Wattmessung an der Nabe ist insofern problematisch als diese von der Übersetzung abhängt.

Zu bedenken ist außerdem, dass die Messung an den inneren Bauteilen (sprich: Tretlager, Nabe oder Kurbelstern) zwar weniger störanfällig für Montagefehler ist.

Allerdings wird hier immer nur an einem Punkt gemessen und dann die Leistung verdoppelt, um den Wert für beide Beine zu erhalten.

Das ist natürlich problematisch, da die Beine selten gleich stark sind.

Diese Methoden bieten also eine gewisse Ungenauigkeit.

Wird das Messgerät in beiden Pedalen oder Kurbelarmen verbaut, ist die Messung natürlich genauer. Unter Umständen aber auch teurer.

Letzten Endes ist es also auch eine Geldfrage, ob Du es bei einem Bein belässt oder Dir den Luxus der Wattmessung auf beiden Seiten leisten kannst.

Hersteller

Was die Hersteller angeht, so schneiden nur die Marken SRM, Powertap und Quark im Test gut ab.

Laut Roadcycling UK lassen diese Marken verlässliche Werte zu. 

Hierbei kommt es nämlich auf zwei Faktoren an:

Erstens müssen die Werte objektiv gesehen stimmen, also genau sein.

Und zweitens sollten sie auch von Messung zu Messung immer wieder gleich, d.h. präzise sein.

Nur wenn beides erfüllt ist, bzw. es nur eine minimale Abweichung gibt, ist die Wattmessung verlässlich.

Daher solltest Du, falls du öfter Dein Fahrrad wechselst, auch möglichst immer dasselbe System nutzen.

Ansonsten kann es sein, dass die erhobenen Daten zwischen zwei Wattmessern sich stark unterscheiden.

Das ist natürlich für ein strukturiertes Training keine gute Voraussetzung.

Gleiches gilt übrigens auch für eine Leistungsdiagnostik.

Da die Messsysteme zum Teil erheblich voneinander abweichen, nützen Dir die Daten aus der Leistungsdiagnostik in der Praxis unter Umständen nichts.

Denn Training mit den falschen Werten ist Mist.

Wenn Du also verlässliche Werte für Dein Training haben willst, ist es besser, sie auf dem eigenen Fahrrad und mit dem eigenen Wattmesser zu generieren als in einer teuren Leistungsdiagnostik.

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Über den Autor

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Früher hab ich immer gedacht „Sport ist Mord“, wenn in der Schule Ausdauerlauf oder – noch viel schlimmer – das „Sportfest“ angesagt war. Obwohl ich von mir nicht behaupten kann, per se unsportlich zu sein, habe ich dieses Potential selten genutzt. Inzwischen quäle ich mich freiwillig - und mit Spaß - jedes Mal aufs Neue zum Training.

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